Fast 40 Missbrauchsfälle pro Tag

2014 mehr als 100 Kinder in Deutschland getötet

Berlin - Erschreckende Zahlen: Im vergangenen Jahr sind 108 Kinder in Deutschland getötet worden. Davon waren fast drei Viertel jünger als sechs Jahre. Dazu kamen 81 Tötungsversuche.

Das teilten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Deutsche Kinderhilfe am Dienstag in Berlin mit. Dabei stellen die 108 getöteten Jungen und Mädchen einen Rückgang in der Statistik dar: Im Jahr zuvor wurden mit 153 fast 30 Prozent mehr Kinder Opfer von Gewalt oder Vernachlässigung.

Die Zahl der Jungen und Mädchen, die Opfer von sexuellem Missbrauch wurden, ging leicht zurück - allerdings blieb sie auf hohem Niveau: Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 14.395 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch. Das sind umgerechnet fast 40 Fälle pro Tag - zumindest, was die gemeldeten Fälle angeht. Experten gehen von einem großen Dunkelfeld aus.

Die Deutsche Kinderhilfe mahnte daher, auch wenn in einigen Bereichen die Opferzahl sinke, sei dies keineswegs ein Zeichen der Entwarnung. „Jedes betroffene Kind ist eines zu viel“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kinderhilfe, Rainer Becker. Er forderte mehr Prävention, aber auch Strafverschärfungen. Das Mindeststrafmaß für alle gegen Kinder gerichtete Vorsatzstraftaten müsse auf ein Jahr erhöht werden, erklärte Becker. Zudem müssten Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte regelmäßig zu Kinderrechten und Gewaltprävention aus- und weitergebildet werden. "Jeder von uns kennt Kinder, die von Gewalt - auch von sexueller - betroffen sind", mahnte Becker. Das müssten die Menschen "endlich realisieren".

"Gewalttaten müssen zur Anzeige gebracht werden - wer schweigt, macht sich schuldig", forderte BKA-Präsident Holger Münch. Er verwies zudem darauf, dass das Leid der Opfer durch die Verbreitung von Kinderpornografie im Internet noch verschärft werde. "Hinter jedem Fall steht eine menschliche Tragödie, ein oftmals lebenslanges Trauma", mahnte Münch. Angesichts des Massenphänomens Kinderpornografie würden automatisierte Verfahren entwickelt, um neue Bilder schneller erkennen zu können.

AFP/dpa

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