Schock für Musik-Fans

Aus für Rock am Ring am Nürburgring

+
2014 findet Rock am Ring zum letzten Mal am Nürburgring statt.

Frankfurt/Main - Ende einer Ära: Im Streit ums Geld verlässt das Musikspektakel Rock am Ring nach fast 30 Jahren seinen Standort in der Eifel. Wie es jetzt weitergeht:

Das legendäre Musikfestival Rock am Ring wird am kommenden Pfingstwochenende zum letzten Mal am Nürburgring stattfinden. "Es wird die letzte Veranstaltung dort sein", sagte Veranstalter Marek Lieberberg am Freitag der dpa in Frankfurt. „Das Zwillingsfestival Rock im Park ist von dieser Entscheidung nicht betroffen“, hieß es bei der Lieberberg-Konzertagentur.

Grund sei eine Kündigung des Vertrags seitens der neuen Betreiber der Eifel-Rennstrecke, dem Autozulieferer Capricorn. Der hatte den Nürburgring im März dieses Jahres übernommen, nachdem der alte Betreiber 2012 aufgrund eines zu groß geratenen Freizeitparks für rund 330 Millionen Euro Insolvenz anmelden musste. 

Geschäftsführer Carsten Schumacher bestätigte, dass sein Unternehmen mehr Geld vom Veranstalter gefordert hat: „Der Anteil am Gewinn war unzureichend.“ Lieberberg sagte, die Forderung des neuen Betreibers sei wirtschaftlich nicht vertretbar. Auf Betreiberseite herrschten „sehr abenteuerliche Vorstellungen“. Verlangt worden sei nochmals etwa 25 Prozent mehr Anteil. Dabei sei der Nürburgring bereits die teuerste Veranstaltungsstätte im Bundesgebiet.

Betreiber des Nürburgrings setzen auf eine Kopie

Jetzt plant er am angestammten Ort ein eigenes Festival: „Es steht fest, dass es mit einem neuen Veranstalter ein Rockfestival am Nürburgring geben wird“. Inhaltlich werde es keine Änderungen geben, er rechne damit, dass auch weiter internationale Stars den Weg in die Eifel finden würden.

„Ich kann mich eines gewissen Schmunzelns nicht enthalten, dass ein Autozulieferer glaubt, dass er ein Festival auf die Beine stellen kann“, erklärte dagegen Lieberberg. „Das ist aus meiner Sicht das Ende des Nürburgrings als Musik-Veranstaltungsstätte, wenn die das jetzt in die Hand nehmen. Wir haben in 30 Jahren eine Marke aufgebaut und die glauben, die können das in einem Jahr.“

Zieht Rock am Ring nach Brandenburg?

Konzertveranstalter Marek Lieberberg.

Deutschlands größtes und populärstes Open-Air-Festival wird von Anfang an, also seit 1985, von Lieberbergs Agentur organisiert. Die will "Rock am Ring" ab 2015 an einem anderen Ort fortsetzen, hieß es. Wo, sei noch nicht klar. Es gebe ungefähr ein halbes Dutzend Optionen, die derzeit geprüft würden, darunter der Lausitzring in Brandenburg. Der Hockenheimring in Baden-Württemberg sei nicht die erste Überlegung.

Der Ortsbürgermeister von Nürburg, Reinhold Schüssler, reagierte schockiert auf die Nachricht. „Das ist ein Schaden ohne Ende“, sagte der Christdemokrat. „Für die Gemeinde ist das ein großer Verlust, auch für die Region.“

Die rheinland-pfälzische Landesregierung bedauert das Aus. „Wir gehen aber davon aus, dass der neue Eigentümer des Nürburgrings, die Firma Capricorn, ein alternatives und tragfähiges Konzept entwickeln wird, mit dem die Kündigung von "Rock am Ring" kompensiert werden kann“, teilte Regierungssprecherin Monika Fuhr mit.

Rock am Ring und Rock im Park 2013: Bilder der Festivals

Rock am Ring und Rock im Park 2013: Bilder der Festivals

Bei der Premiere des Spektakels standen U2, Joe Cocker, Gianna Nannini, Westernhagen und 13 weitere Bands auf der Bühne. Ursprünglich als einmaliges Ereignis geplant, entschloss man sich aufgrund des enormen Erfolgs, die Veranstaltung jedes Jahr auf die Bühne zu bringen. Einige der erfolgreichsten Künstler der Welt traten bei Rock am Ring am Nürburgring auf, so etwa INXS und Alanis Morissette. Im vergangenen Jahr feierte das Festival mit rund 87.000 Fans einen neuen Besucherrekord.

In diesem Jahr zählen die Heavy-Metal-Kultbands Iron Maiden und Metallica zu den Headlinern, mit dabei sind auch Kings of Leon, Linkin Park, System Of A Down und Coldplay.

dpa/hn

Mehr zum Thema

Kommentare