Für Lebenswerk geehrt

Erfinderpreis für "Dübel-König" Fischer

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Für Heimwerker unverzichtbar: Artur Fischer hat den weltbekannten Plastikdübel erfunden.

Berlin - Mehr als 1.100 Patente und Gebrauchsmuster hat Artur Fischer in seinem Leben angemeldet. Für sein Lebenswerk hat der als „Dübel-König“ bekannte Tüftler nun den Europäischen Erfinderpreis erhalten.

Für fast ein Jahrhundert voller Forschungsgeist ist Deutschlands „Dübel-König“ Artur Fischer am Dienstag in Berlin mit dem Europäischen Erfinderpreis geehrt worden. Der 94-jährige Tüftler aus dem Schwarzwald ist in diesem Jahr einer von fünf Preisträgern, die das Europäische Patentamt (EPA) mit dem begehrten „Innovations-Oscar“ auszeichnet. Außerdem wurde ein Publikumspreis vergeben.

Artur Fischer aus Waldachtal (Baden-Württemberg) sei mit über 1100 Patenten und Gebrauchsmustern einer der erfolgreichsten Erfinder aller Zeiten, würdigte das Epa sein Lebenswerk. Er erfand neben dem weltbekannten Spreiz-Dübel auch einen Blitzlichtwürfel für Fotoapparate und den beliebten Konstruktions-Baukasten. Eltern sollten die Neugier ihrer Kinder fördern und bewahren, betonte Fischer in seiner Dankesrede. „Das Kind muss in uns bleiben. Wir brauchen Menschen, die finden und erfinden. Und gescheite Leute behaupten, dass Erfinden von der Seele kommt.“ Schon früh habe er geahnt, dass Erfindergeist in ihm schlummere, so Fischer zuvor im Interview. „Ich hatte immer im Kopf, dass ich Ingenieur werden will.“

„Der Erfindergeist und die Kreativität der Geehrten stehen stellvertretend für Europas Stellung als führende Technologieregion“, betonte Epa-Präsident Benoît Battistelli bei der Preisverleihung, an der auch Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) teilnahm.

Unter den 15 Finalisten setzte sich in der Kategorie Industrie ein französisch-belgisches Team durch: Koen Andries und Jérôme Guillemont wurden für das erste wirksame Tuberkulose-Medikament seit 40 Jahren geehrt. Sie extrahierten dazu ein Molekül, das den Tbc-Bakterien bereits nach kurzer Zeit die Energieversorgung kappt. Auch multiresistente Erreger können auf diese Weise behandelt werden. In der Kategorie Kleinere und Mittlere Unternehmen erhielt ein dänisches Team den Preis: Peter Holme Jensen, Claus Helix-Nielsen und Danielle Keller erfanden eine spezielle wasserfilternde Membran, mit der Wasser in reinster Form und ohne teuren Energieaufwand aufbereitet werden kann.

In der Kategorie Forschung setzte sich der Brite Christofer Touzamou durch. Er entwickelte einen DNA-Schnelltest, der ohne Labor, sondern via Mikrochip funktioniert. Steckt man diesen in einen USB-Stick, kann die DNA gleich am Computer ausgelesen werden. Für die Erfindung des 3-D-Drucks erhielt der US-Amerikaner Charles W. Hull den Preis in der Kategorie Außereuropäische Staaten. Diese Technologie habe eine „wahre Revolution in der Fertigungsindustrie losgetreten“, lobte das Epa.

Der Publikumspreis, für den mehr als 20 000 Online-Stimmen abgegeben wurden, ging mit großem Vorsprung an ein japanisches Team um Masahiro Hara: Der von ihnen entwickelte QR-Code wird unter anderem bei der Verwaltung von Patientenakten oder im Marketing genutzt. Diese quadratischen Codes führen beispielsweise nach dem Einscannen in Smartphones auf Webseiten von Unternehmen. Der zweite Finalist aus Deutschland, der derzeit an der Rockefeller University in New York tätige Humanbiologe Thomas Tuschl, ging leer aus. Die Auszeichnung wird seit 2006 jährlich vom Europäischen Patentamt vergeben.

Das Beste aus 1100 Fischer-Erfindungen

Berühmt geworden ist er mit dem kleinen, grauen Plastikdübel. Aber die Welt verdankt ihm noch manch andere Entwicklung.

- Das Blitzlicht für Fotoapparate: Im Jahr 1949 sorgt Fischer dafür, dass es Licht wird, wenn die Kamera auslöst. Mit der Kopplung des Blitzgerätes an den Verschluss der Kamera revolutioniert er die Fotografie. In den Folgejahren verfeinert er seine Entwicklung bis zum Blitzwürfel „Cube“, dann überlässt er das Blitzen den großen Herstellern.

- Der Dübel für den Heimwerker_ Bevor Fischer 1958 die grauen Plastikdübel entwarf, mussten für Verankerungen in der Wand große Löcher gebohrt und wieder zugespachtelt werden. Jetzt reicht meist ein kleines Loch, dann Dübel, Schraube - hält. Das Verfahren funktioniert auch bei der Heilung von Knochenbrüchen.

- Der Technik-Baukasten: Technikbegeisterung beginnt in jungen Jahren, ist Fischer überzeugt. Deshalb entwickelt er Mitte der 1960er Jahre einen Baukasten für kleine Bastler. Die Modelle sind so ausgeklügelt, dass auch erwachsene Ingenieure sie nutzen. An etlichen Universitäten wird das Spielzeug zu Lehrzwecken genutzt, und manche Firma plant neue Produktionsstraßen mit Hilfe des Baukastens.

- Der anpassungsfähige Kleiderbügel: Kleider, Hemden und Hosen haben unterschiedliche Größen, die Kleiderbügel jedoch nur eine. Das hat Fischer Ende der 1990er Jahre stutzig gemacht. Er entwickelte einen Bügel aus mehreren elastischen Stäben, die sich auf jedes Kleidungsstück anpassen lassen.

- Spielzeug aus Kartoffelstärke: Beim Basteln mit Fischer TiP ist es ausdrücklich erwünscht, das Spielzeug in den Mund zu nehmen. Mit Spucke angefeuchtet können die bunten Stücke aus Kartoffelstärke fantasievoll verklebt werden. Einzig die Lebensmittelfarbe hinterlässt kurzfristig Spuren auf der Zunge.

dpa

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