Beim Kindergeburtstag abgehauen

Geflüchteter Vergewaltiger muss Geldstrafe zahlen

Magdeburg - Weil er den Geburtstag seines kleinen Sohnes zur Flucht aus der Haft nutzte, wurde ein Vergewaltiger zu einer Geldstrafe verurteilt.

Die Geburtstagsfeier seines Sohnes hat ein Schwerverbrecher zur Flucht aus dem Gefängnis genutzt. Weil er dabei mehrere Menschen in einer Wohnung einsperrte, hat ein Gericht den Mann am Freitag wegen Freiheitsberaubung zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Amtsgericht Aschersleben verhängte eine Strafe von 60 Tagessätzen à 2 Euro gegen den 38-Jährigen, der noch bis 2024 einsitzen muss. Die Summe bemisst sich am Einkommen, das im Falle des 38-Jährigen wegen seiner Haftstrafe sehr gering ist.

Die 36 Jahre alte Ex-Frau des Häftlings und ein 45 Jahre alter Angeklagter müssen ebenfalls zahlen: Sie wurde zu 150 Tagessätzen à 10 Euro und er zu 180 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass beide dem Straftäter im August 2012 die Flucht erst ermöglicht haben. Sie wurden wegen Gefangenenbefreiung schuldig gesprochen. Die Frau hatte im Prozess umfassend ausgesagt, die Männer schwiegen vor Gericht zur Tat.

Geldstrafe statt geforderter Haftstrafe

Die Kammer um Richter Robert Schröter blieb mit dem Urteil klar unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die für den 38-Jährigen eine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten und für seine Helfer ein Jahr und zwei Monate beziehungsweise ein Jahr und neun Monate auf Bewährung gefordert hatte. Alle Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert. Schröter betonte, dass eine Selbstbefreiung straflos ist - wenn dabei und danach keine Straftaten begangen werden.

„Wir konnten uns nicht viel weniger vorstellen, was der Flüchtige hätte machen können, außer die Tür abzuschließen“, sagte der Richter. Die beiden Helfer seien der Beihilfe schuldig, denn ohne sie wäre der 38-Jährige während des Geburtstags am 14. August 2012 niemals aus der Wohnung der Angeklagten geflohen, hieß es. Der mehrfach vorbestrafte 45-Jährige besorgte laut Gericht das Fluchtauto und fuhr es auch. Die Frau habe den Schlüssel von außen ins Schloss der Wohnungstür gesteckt und bei der Beschaffung des Fahrzeugs geholfen.

Die spektakuläre Flucht des unter anderem wegen Körperverletzung, Raubes und Vergewaltigung verurteilten Mannes endete nach zehn Tagen in Berlin, wo er bei einer ahnungslosen Frau Unterschlupf gefunden hatte. Die Justiz musste sich danach fragen lassen, warum ein Gewaltverbrecher, bei dem bereits die Sicherungsverwahrung angeordnet ist, überhaupt das Gefängnis verlassen und sich ungefesselt durfte. „Offensichtlich hat die Atmosphäre des Kindergeburtstags Eindruck gemacht“, sagte der Richter dazu.

dpa

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