Fahnder und Banken wollen sie stoppen

Gesprengte Geldautomaten: Kampf gegen die "Audi-Bande"

Hannover - Die aus den Niederlanden anrückende „Audi-Bande“ ist für eine große Zahl geplünderter Geldautomaten in Niedersachsen und NRW verantwortlich. Polizei und Banken rüsten zum Gegenangriff.

Nach ihren spektakulären Raubzügen rasten sie lange Zeit mit bis zu Tempo 250 davon und ließen die Polizei alt aussehen. Jetzt sitzen die ersten hinter Gittern - oder sind schwer verunglückt. Zwar ist die Zahl aufgesprengter Geldautomaten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen weiter angestiegen, über 100 waren es bereits dieses Jahr. Ein länderübergreifendes Ermittlerteam aber hat die vielfach aus den Niederlanden kommenden Täter ins Visier genommen. Verstärkt gerät die wegen ihres Faibles für PS-starke Limousinen „Audi-Bande“ genannte Truppe unter Druck. Auch dank besserer Prävention der Banken bleiben die Täter öfter ohne Beute.

Eine ohrenbetäubende Explosion in der Nacht, kurz darauf quietschende Reifen und ein zertrümmerter Bankautomat: Das Vorgehen der Täter ist meist gleich und der Schaden geht insgesamt in die Millionen. Nachdem es in Niedersachsen im vergangenen Jahr 28 Fälle gab, sind es im laufenden Jahr bereits 25. Zum Vergleich: 2013 gab es nur 6 Attacken auf Automaten, wie das Landeskriminalamt in Hannover mitteilte. Haupttäter seien die Niederländer, außerdem gebe es eine Gruppe aus Polen und Nachahmungstäter.

In Nordrhein-Westfalen hat es in diesem Jahr bereits 80 Automatensprengungen gegeben, 2015 waren es 67, wie das LKA in Düsseldorf mitteilte. Das Phänomen gab es schon vor zehn Jahren, meint LKA-Sprecher Frank Scheulen. Meist blieb es aber bei einer Handvoll Taten pro Jahr, bis es ab 2014 einen spürbaren Anstieg gab.

Seit längerem haben die Fahnder als Hauptverantwortliche eine Gruppe rund 250 marokkanischstämmiger Niederländer aus dem Raum Utrecht/Amsterdam ausgemacht. „Das sind diejenigen, die gerne als Profis bezeichnet werden“, sagt LKA-Sprecher Scheulen. Die Bande sei verstärkt nach Niedersachsen und NRW ausgewichen, nachdem Banken in den Niederlanden, Belgien und Frankreich ihre Automaten gegen die Sprengattacken mit eingeleitetem Gas besser schützen.

Etliche der Täter seien verwandt oder kennen sich von der Straße, sagt der Sprecher der niederländischen Landespolizei, Thomas Aling. Zuvor seien sie oft bereits mit Einbrüchen oder Raubzügen aufgefallen, bei denen Autos als Rammbock verwendet würden. „Das fängt oft mit harmlosen Taten an.“ Etliche Verdächtige habe man inzwischen schnappen können. „Das bleibt ein Waffenwettlauf.“

Im Kampf gegen die Automaten-Sprenger haben die Landeskriminalämter Sonderkommissionen gebildet und kooperieren mit den Holländern. Auch die Banken rüsten auf: Es gebe Präventiv- und Sicherheitsmaßnahmen wie Videoüberwachungen, Einbruchs- und Erschütterungsmelder sowie Systeme zur Gas-Neutralisierung und zum Einfärben der Scheine, teilte die Deutsche Kreditwirtschaft mit.

Auf der Flucht nach einer Automaten-Sprengung gab es bereits mehrere spektakuläre Unfälle: Anfang März rammt eine Limousine in Meppen im Emsland einen Lkw und knallt gegen einen Baum. Ein Täter aus dem Raum Utrecht stirbt, zwei werden schwer verletzt, im Wrack finden Fahnder eine Mülltüte voll Geld. Im Vormonat sterben zwei junge Utrechter auf der A57 bei Kamp-Lintfort am Niederrhein. Nur Kickboxer Yassin C. überlebt querschnittsgelähmt - er ist verwandt mit Sadik C., der bei dem Crash im Emsland starb.

Während einer der Täter von Meppen vor kurzem zu vier Jahren Haft verurteilt wurde, steht dem von den Unfallfolgen gezeichneten zweiten der Prozess noch bevor. Drei an Heiligabend in Winsen/Luhe bei einem Sprengversuch gefasste Niederländer erhielten kürzlich 18 Monate Haft auf Bewährung. Ein Trio deutscher Nachahmungstäter, die bei elf Sprengungen ohne Beute blieben, verurteilte das Landgericht Kleve zu fünf und sechs Jahren Haft, einer erhielt ein Jahr auf Bewährung.

Ein Ende der Sprengungen ist nicht in Sicht: Papenburg, vergangener Freitag gegen 4.30 Uhr. Nachdem Unbekannte die Glastüren zu einem Supermarkt aufgebrochen haben, sprengen sie den im Vorraum stehenden Automaten in die Luft. Mit einer unbekannten Menge Geld fliehen sie. Die Polizisten stoßen am Tatort auf zwei Gasflaschen und Schläuche, aus denen beim Eintreffen noch Gas strömt.

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