„Helau“ in kurzen Hosen

Der etwas andere Rosenmontagsumzug in Mainz

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Mit monatelanger Verspätung haben die Mainzer Karnevalisten ihre Motivwagen auf die Straße gebracht - bei frühlingshaften Temperaturen.

Mainz - Mit monatelanger Verspätung haben die Mainzer Karnevalisten ihre Motivwagen auf die Straße gebracht. Zehntausende feiern bei Sommertemperaturen den „Rheinhessen-Umzug“ - aber nicht alle sind damit glücklich.

Schweißperlen unter der Narrenkappe, Sommerkleid kombiniert mit Schminke und Flip-Flops zum Kostüm: Der Fastnachtsumzug durch Mainz, der eigentlich eine Jubiläumsparade ist, bietet ungewöhnliche Kombinationen. Drei Monate mussten die Narren in der Landeshauptstadt auf den Ersatz für den Rosenmontagsumzug warten, nachdem er im Februar wegen Tief „Ruzica“ abgesagt worden war.

Der einmalige Extra-Umzug lockt am Sonntag Zehntausende in die „Meenzer“ Innenstadt - allerdings weit weniger als die halbe Million Menschen, die sonst zu einem Rosenmontagsumzug kommen. Kostüme wie Wikingerhörner, Engelsflügel oder Mexiko-Hut mit kurzen Hosen waren dabei nur vereinzelt zu erspähen. Viele - wie etwa Christa Gabriel und ihr Sohn - fanden den Weg direkt vom Muttertagsfrühstück an den Straßenrand. „An Fastnacht tragen wir Kostüm, heute nicht“, sagt sie.

Die Veranstalter empfahlen angesichts des Mai-Termins, statt des sonst typischen „Helau“ lieber „Rhoi-hesse“ zu rufen. Daran hielt sich kaum jemand. „Wir rufen „Helau“, das gehört für uns dazu“, sagt Uschi Baunach von der Guggenmusik Galgeveggel Mühlhausen.

In vielen Fastnachtshochburgen war das Programm am Rosenmontag durch den Sturm durcheinandergewirbelt worden. Mehrere Karnevalisten holten ihre Umzüge aber schnell nach.

In Mainz dagegen wurde lange hin und her überlegt, ehe ein Termin gefunden war. Schließlich entschieden die Organisatoren vom Mainzer Carneval-Verein 1838, den Zug mit den Jubiläumsfeierlichkeiten zu 200 Jahre Rheinhessen zusammenzulegen. Die Region im Dreieck Worms, Bingen und Mainz war in einer Urkunde des Großherzogs Ludwig I. von Hessen-Darmstadt im Jahr 1816 erstmals erwähnt worden. Das gemeinsam entwickelte Motto für den Zug: „Rheinhessen lacht nach Fassenacht“.

Die Mainzer Karnevalisten haben ihren Rosenmontagsumzug nachgeholt

Mainzer holen Rosenmontagszug nach

Katrin Reckert aus Saulheim hält das für eine gelungene Kombination. Sie hat sich ein Sommerkleid angezogen, Strohhut aufgesetzt und ein Friedenssymbol auf die Wange gemalt. „Ein bisschen Hippie, ein Blumenkind“, beschreibt sie ihr Outfit. Ihre vierjährige Tochter sei froh, ihr Eiskönigin-Kostüm noch einmal anziehen zu können und den Umzug zu sehen. „Zum Rosenmontagsumzug gehen wir nicht, das ist zu kalt und voll“, sagt sie.

Der Rheinhessenumzug fällt mit 77 Zugnummern und 2222 Teilnehmern zwar kleiner aus. Aber die Styropor-Karikaturen, die im Februar nicht auf die Straße durften, werden gezeigt. Die meisten sind nach wie vor aktuell, etwa die personifizierte Europa, die dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan die Füße küsst.

Aber nicht alle sind glücklich über den frühsommerlichen Umzug. Der Närrische Überwachungsverein Mainz NÜV etwa machte, wie viele andere Vereine auch, nicht mit. Der Umzug sei nur noch ein Spektakel, lautet die Kritik. Auch Simone Lenger-Hirschmann, die mit ihren Freunden am Straßenrand Sekt trinkt, findet: „Es fühlt sich an wie eine Art Verpflichtung.“ Sie würde bei so einem Wetter lieber am Rhein liegen.

Karnevalsumzüge am Rosenmontag

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dpa

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