Bischof: Vertrauen zurückgewinnen

Kirchenobere tagen ohne Tebartz-van Elst

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Reinhard Kardinal Marx (l-r), Erzbischof von München und Freising, Werner Thissen, Erzbischof von Hamburg und der noch amtierende Vorsitzende der Bischofskonferenz und Freiburger Erzbischof, Robert Zollitsch unterhalten sich.

Münster - Deutschlands katholische Bischöfe suchen einen neuen Vorsitzenden. Auf ihn kommen etliche Herausforderungen zu. Andere Aufgaben warten auf Limburgs umstrittenen Bischof Tebartz-van Elst - nur welche?

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz steht vor einem Umbruch. Mehr als 60 Bischöfe und Weihbischöfe versammelten sich am Montag in Münster, um aus ihrer Mitte einen neuen Vorsitzenden zu bestimmen. Die mit Spannung erwartete Wahl des Nachfolgers von Robert Zollitsch steht am Mittwoch an. Zuvor wollen die Würdenträger ausgiebig über grundsätzliche Herausforderungen für die kriselnde katholische Kirche beraten, wie Zollitsch - der Erzbischof von Freiburg ist - zum Auftakt mitteilte.

Der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst kam nicht zur Frühjahrsvollversammlung, das stand am Montagnachmittag endgültig fest. Zuvor hatte es ein längeres Verwirrspiel um die Vertretung des Bistums bei dem viertägigen Treffen gegeben, da Tebartz-van Elst nicht abgesagt hatte und laut Bistum nicht zu erreichen war. Nun wird Limburg durch Weihbischof Thomas Löhr vertreten.

Papst Franziskus hatte den wegen hoher Baukosten für seinen Bischofssitz in die Kritik geratenen Limburger Oberhirten im Oktober bis zur Klärung der Vorwürfe beurlaubt. Allen Bitten der deutschen Bischöfe und des Bistums zum Trotz wird sich die Entscheidung über seine Zukunft weiter verzögern.

Denn nach Einschätzung Zollitschs wird der Papst frühestens in der kommenden Woche darüber befinden, wie es mit Tebartz-van Elst weitergeht. In den nächsten Tagen seien alle zuständigen Würdenträger im Vatikan in Exerzitien. „Wir hoffen, dass eine Entscheidung (des Papstes) nicht zu lange auf sich warten lässt im Interesse aller Beteiligten“, fügte Zollitsch hinzu.

Der 75-jährige gibt das Amt an der Spitze der Bischofskonferenz nach sechs Jahren aus Altersgründen ab. Wer sein Nachfolger wird, ist völlig offen.

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht diese Situation als Ausdruck eines Personalproblems. „Das Rennen ist so offen wie noch nie. Die Generation der durch das Konzil geprägten Bischöfe hört auf. Und in der Spitze zeigt sich das gleiche wie bei den Priestern“, sagte der Professor von der Universität Münster. „Die katholische Kirche hat ein Personalproblem.“

Am Dienstag wollen sich die Bischöfe Zeit nehmen, über die Lage der katholischen Kirche generell zu diskutieren. Dabei geht es etwa um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, die derzeit nicht am Abendmahl teilnehmen dürfen. Thema sind auch die Ergebnisse der jüngsten, vom Papst angestoßenen Umfrage, nach der viele Katholiken mit der konservativen Sexualmoral ihrer Kirche nichts anfangen können.

Nach Einschätzung des Münsteraner Bischofs Felix Genn muss die Kirche vor allem verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Nach den Skandalen um sexuellen Missbrauch und Diskussionen um die Kirchenfinanzierung sei dies vorrangiges Ziel, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die kritische Initiative „Wir sind Kirche“ forderte die Bischöfe auf, im Geiste von Papst Franziskus Reformen umzusetzen.

Zollitsch äußerte sich skeptisch zu einem möglichen Umzug der Bischofskonferenz von Bonn nach Berlin. „Es wird in dieser Frage keinen Schnellschuss geben“, versicherte er. Es gebe in der Frage einiges zu Bedenken. „Es ist nach meiner Erfahrung gar nicht schlecht, das Sekretariat in Bonn und eine politische Vertretung in Berlin zu haben“, fügte er hinzu. Vor kurzem hatte Augsburgs Bischof Konrad Zdarsa in der „Lausitzer Rundschau“ den kompletten Umzug in die Hauptstadt vorgeschlagen, unter anderem, um den Apparat zu verschlanken.

dpa

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