Es gibt Lichtblicke

Kommentar zur Umfrage bei Katholiken

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Es ist erst wenige Wochen her, da musste die katholische Kirche in Deutschland eingestehen, dass ihr die Schäfchen in Scharen davonlaufen. 218 000 Menschen traten im vergangenen Jahr aus - so viele wie noch nie binnen Jahresfrist. Damit wurde sogar das bisherige Rekordniveau von 2010 auf dem Höhepunkt des Missbrauchsskandals (gut 181.000 Austritte) deutlich übertroffen. Von Angelika Dürbaum

Antworten auf die Frage, warum das so ist, haben die Verantwortlichen der katholischen Kirche nun nicht dank eigener Recherchen erhalten, sondern durch die Umfrage von Studenten: Was hinter dicken Kirchenmauern gepredigt wird, hat mit dem Leben von Gläubigen nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun. Dabei sind den meisten Katholiken christliche Werte durchaus noch wichtig, aber das rigide „Schwarz-Weiß-Urteilen“ schreckt sie von der Institution ab.

Im Herbst hat Papst Franziskus zu einer Familiensynode in den Vatikan eingeladen, bei der tatsächlich auch die Ergebnisse dieser Umfrage auf den Tisch kommen. Das ist immerhin ein erster Lichtblick. Denn natürlich geht es nicht darum, gleich alle Glaubenssätze und Gebote über Bord zu werfen. Doch wenn sich die Kirchenfürsten in Rom einer offenen Diskussion stellen über die Fragen, die den Gläubigen vor Ort auf den Nägeln brennen, ist schon viel gewonnen. Papst Franziskus hat den Weg bereits gewiesen, als er sich jüngst für einen barmherzigeren Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen aussprach. Das war noch keine eindeutige Festlegung auf die Wiederzulassung zu den Sakramenten, aber ein weiterer Lichtblick.

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