Verlernen die Kinder das Schreiben?

Lehrer sorgen sich um wachsende Handschrift-Probleme der Schüler

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Berlin - Zunehmende Probleme von Schülern mit der Handschrift machen den Lehrern in Deutschland Sorgen. In einer am Mittwoch vom Deutschen Lehrerverband vorgestellten Umfrage gaben 79 Prozent der befragten Lehrer an, die Handschrift ihrer Schüler habe sich in den letzten Jahren im Schnitt verschlechtert.

Unter den Grundschullehrern gaben 83 Prozent an, ihre Schüler brächten inzwischen schlechtere Voraussetzungen mit, ihre Handschrift gut zu entwickeln. Bei den Jungen hat nach Einschätzung der Lehrer jeder zweite Probleme mit der Handschrift, bei den Mädchen lediglich 31 Prozent.

Lehrerverbands-Präsident Josef Kraus forderte die Kultusminister der Länder auf, das Thema Handschreiben verstärkt in den Blick zu nehmen. "Wir benötigen mehr Förderung der Grob- und Feinmotorik schon in den Kindertagesstätten und dann in den Grundschulen", erklärte er. Erzieherinnen und Grundschullehrer benötigten dafür mehr Unterstützung.

Die zunehmenden Probleme mit dem Schreiben lägen auch an einer Schulpolitik, die "dem Schreiben und insgesamt der sprachlichen Bildung immer weniger Bedeutung beimisst", kritisierte Kraus. Als Beispiele nannte er den reduzierten Grundwortschatz, die Arbeit mit Lückentexten und Multiple-Choice-Tests sowie die Vielzahl von Fotokopien, mit denen Schüler eingedeckt würden.

Der Umfrage zufolge beobachten Lehrer bei höchstens 38 Prozent ihrer Schüler, dass diese 30 Minuten oder länger beschwerdefrei schreiben können. Als vermutete Gründe nannten die Pädagogen häufig die fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation, eine schlechte Feinmotorik und wenig Übung zuhause.

Nur die wenigsten befragten Lehrer (0,7 Prozent an weiterführenden Schulen, 1,4 Prozent an Grundschulen) sahen keinen Zusammenhang zwischen der Handschrift eines Schülers und seinen schulischen Leistungen. An der Umfrage beteiligten sich den Angaben zufolge mehr als 2.000 Lehrer aus ganz Deutschland.

AFP

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