Urteil

Mann vergewaltigt fast blinde Frau

Kiel - Sie war mit Stock unterwegs und trug Armbinden, die sie als fast blind auswiesen. Ein 27-Jähriger passte die Frau ab und vergewaltigte sie - von ihrer Behinderung will er nichts gewusst haben.

Weil er eine fast blinde Frau auf einem Feldweg in Schleswig-Holstein vergewaltigte, muss ein 27 Jahre alter Mann dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Kiel folgte am Montag dem Strafantrag des Staatsanwalts. Der Verteidiger hatte drei Jahre Gefängnis gefordert.

Der Angeklagte hatte die Frau am im Juni 2013 in der Nähe von Neumünster abgepasst und sich an ihr vergangen. Die 30-Jährige war zu Fuß unterwegs, als er sie in seinem Auto überholte und kurz darauf abfing. Vor Gericht hatte der Mann mit den eher eingeschränkten intellektuellen Fähigkeiten die Tat als „Riesenscheiß“ eingeräumt.

Von der Behinderung der Frau will er nichts bemerkt haben, obwohl sie mit Blindenstock unterwegs war und an beiden Oberarmen entsprechende Armbinden trug. Das glaubte ihm die Kammer nicht. Die Anklage ging davon aus, dass er gezielt ein behindertes Opfer suchte.

Bei der Strafzumessung berücksichtigte die 10. große Strafkammer unter anderem, dass der voll schuldfähige Angeklagte die Vergewaltigung nicht mit zusätzlicher Gewaltanwendung erzwang. „Er musste keinen Widerstand brechen“, sagte die Vorsitzende Richterin, „weil sie riesige Angst hatte“.

Die ihm schutzlos ausgelieferte junge Frau habe aus Panik gemacht, was er wollte. Weglaufen konnte sie wegen ihrer Sehbehinderung nicht. Nach der Tat gab er ihr den Blindenstock zurück und führte sie zur Straße, bevor er wegfuhr. Er wurde aufgrund ihrer Hinweise und DNA-Spuren überführt.

Strafmildernd wirkte sich unter anderem das Geständnis des Mannes aus und dass er in seiner eigenen Familie keine Empathie lernte. Auch dass er zustimmte, dass sein Opfer nicht persönlich vor Gericht befragt werden musste, sondern ihre Videoaussage verwertet werden konnte, sprach für ihn.

Die junge Frau ist aber noch immer traumatisiert und in ihrem Sicherheitsgefühl schwer beeinträchtigt. Sie werde sich so schnell nicht wieder trauen, allein in der ihr bekannten Gegend spazieren zu gehen, sagte die Vorsitzende. Strafverschärfend wurde auch gewertet, dass der nicht einschlägig vorbestrafte Angeklagte noch wegen anderer Delikte unter Bewährung stand.

dpa

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