Neue Erkenntnisse

Ist der "Maskenmann" ein Ex-Polizist?

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Der Angeklagte Mario K. streitet die Vorwürfe, die im "Maskenmann"-Prozess gegen ihn erhoben werden, ab.

Berlin/Frankfurt (Oder) - Seit Monaten sorgt das „Maskenmann“-Verfahren für Schlagzeilen. Der Indizienprozess beschäftigt sogar die Politik. Kurz vor dem Urteil sorgen nun weitere Informationen für Wirbel.

Im spektakulären „Maskenmann“-Prozess gibt es kurz vor dem geplanten Urteil neue Erkenntnisse. Wie der Berliner Rechtsanwalt Axel Weimann der Deutschen Presse-Agentur am Samstag sagte, liefern Recherchen des „Tagesspiegel“ (Samstag) bislang unbekannte Informationen zu einem weiteren Verdächtigen. Dem Zeitungsbericht zufolge soll der Verdacht gegen einen Ex-Polizisten vorschnell zu den Akten gelegt worden sein.

Alibi des Ex-Polizisten erschüttert?

Aussagen seiner von ihm getrennten Frau erschüttern demnach das Alibi des Mannes. Nach Recherchen des „Tagesspiegel“ soll unter anderem das Handy des Ex-Polizisten bei allen Taten zur Tatzeit in der jeweiligen Funkzelle erfasst worden sein. Anhand des Dienstplanes konnte er aber ein Alibi vorweisen. Dies wurde nun dem Zeitungsbericht zufolge durch seine Frau erschüttert. Auch ein Motiv nennt der „Tagesspiegel“: hohe Schulden. Zudem habe der frühere Beamte beide Opferfamilien gekannt und passe zur Täterbeschreibung.

Laut Polizeipräsidium Brandenburg hat der Ex-Polizist das Beamtenverhältnis selbst beendet. Zuvor habe die Einleitung eines Disziplinarverfahrens im Raum gestanden, sagte ein Sprecher. Nach dem Zeitungsbericht ging es um Bestechlichkeit.

Am kommenden Freitag (22. Mai) sind die Plädoyers der Verteidigung geplant. Vermutlich wird Anwalt Weimann dabei erneut auf den Ex-Polizisten eingehen. Dieser spielte in dem Prozess bereits eine Rolle. Aus Sicht des Verteidigers erklären die vorliegenden Akten nicht, wie der Ex-Polizist ins Visier der Ermittler geriet. Er habe darum beantragt, die Unterlagen zu vervollständigen, so Weimann.

Staatsanwaltschaft: Keine neue Beweisaufnahme

Auch die Staatsanwaltschaft setzte sich mit dem damaligen Hubschrauberpiloten auseinander, sieht jedoch keinen Grund, erneut in die Beweisaufnahme zu treten. Dazu gebe es keinen Anlass, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Montag in Frankfurt (Oder). „Wir haben diese Verdachtsrichtung ausgeschlossen“, sagte Staatsanwältin Dorina Dubrau.

Auch sei das Alibi des Mannes durchaus nicht in Frage zu stellen: Er habe sich zu der Zeit, in der der Täter laut Aussage des Entführungsopfers am Tatort war, im Dienst befunden und habe auch von der Dienststelle in Ahrensfelde (Brandenburg) aus telefoniert, hieß es in einer Mitteilung.

Kritik an Polizeiarbeit

Die Polizeiarbeit in dem Fall stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik und beschäftigte auch die Landespolitik. Die Rede war von einseitigen Ermittlungen. Kritik traf auch den früheren Polizeipräsidenten und derzeitigen Innenstaatssekretär Arne Feuring, der vor allem wegen Manipulationsvorwürfen an der Kriminalstatistik unter Druck geriet. Feuring kündigte im April den Rückzug von seinem Amt an. Ein Zeitpunkt ist bislang jedoch nicht bekannt.

Auf den „Tagesspiegel“-Bericht reagierte nun die CDU-Fraktion im Landtag: „Eine umfängliche Ausermittlung des Falls kann nur durch die Wiedereröffnung der Beweisaufnahme vor Gericht erfolgen“, meinte der innenpolitische Sprecher Björn Lakenmacher. Es scheine empfehlenswert, die Zuständigkeit einem anderen Staatsanwalt zu übertragen.

Darum geht es in dem Prozess

In dem Kriminalfall geht es um drei Überfälle 2011 und 2012 auf Millionärsfamilien in Ostbrandenburg und um die Entführung eines Managers auf eine Schilfinsel, um Lösegeld zu erpressen. Bei einem der Überfälle war ein Wachmann von dem maskierten Täter angeschossen worden, der die Tochter einer Millionärsfamilie im Visier hatte. Das Opfer sitzt seither im Rollstuhl.

Angeklagt ist ein 47-jähriger früherer Dachdecker, der die Vorwürfe jedoch bestreitet. Die Staatsanwaltschaft hat in dem Indizienprozess vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Die Nebenklage hat darüber hinaus Sicherungsverwahrung verlangt.

dpa

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