Münchner Kardinal

Marx neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz

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Der Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx soll neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz sein.

München - Reinhard Marx (60), Kardinal und Erzbischof von München-Freising, ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Ein Theologe meint: Die Bischöfe rücken nun näher an den Papst.

Bei der Frühjahrsvollversammlung in Münster wählten ihn die 62 Bischöfe am Mittwoch zum Nachfolger von Erzbischof Robert Zollitsch (75). Zollitsch präsentierte Marx am Morgen vor dem Münsteraner Priesterseminar der Öffentlichkeit.

Marx sprach von einem offenen und geistlichen Wahlprozess. Das neue Amt sei angesichts der vielen Ämter in der Weltkirche eine weitere große Herausforderung für ihn, räumte der Kardinal an. „Aber man kann ja auch Aufgaben abgeben.“ Es sei wichtig, dass die katholische Kirche in Deutschland einen Beitrag zur Weltkirche leiste.

Marx verwies auf seine vielfältigen Erfahrungen, die er als Bischof in Paderborn, Trier und München gesammelt habe. Er habe dabei viele unterschiedliche Mentalitäten und Denkweisen kennengelernt. Das Interesse an der Kirche sei auch in der pluralen Gesellschaft weiter groß. Sie müsse aber mit einer klaren Stimme sprechen und für den Dialog offen sein.

Marx seit 2008 Erzbischof, seit 2010 Kardinal

Der Westfale aus Geseke im Kreis Soest wurde 2008 Erzbischof von München-Freising. 2010 nahm ihn Papst Benedikt XVI. ins Kardinalskollegium auf. Er ist unter anderem Vorsitzender der Kommission für Gesellschaftliche und Soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident der EU-Bischofskommission COMECE. Papst Franziskus berief ihn im April 2013 mit sieben weiteren Kardinälen in eine Kardinalsgruppe, die den Papst bei der Leitung der Weltkirche berät. Erst am vergangenen Samstag übertrug ihm Franziskus die Aufgabe eines Koordinators des neuen vatikanischen Wirtschaftsrates.

Reinhard Marx wurde 1953 im westfälischen Geseke geboren und studierte Theologie und Philosophie in Paderborn, Paris, Münster und Bochum. 1989 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert. Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt weihte Marx 1979 in Paderborn zum Priester, 1996 folgte die Bischofsweihe. Nach seiner Tätigkeit als Weihbischof im Erzbistum Paderborn wurde er am 20. Dezember 2001 zum Bischof von Trier ernannt.

Papst Franziskus: Gemeinsamer Auftritt mit Benedikt XVI.

Papst Franziskus: Gemeinsamer Auftritt mit Benedikt XVI.

Theologe: Bischöfe rücken mit Marx näher an Franziskus

Die deutschen Bischöfe rücken nach Ansicht des Sozialethikers und Theologen Karl Gabriel näher an den Kurs von Papst Franziskus. Die Wahl von Kardinal Reinhard Marx sei ein deutliches Zeichen für diesen Schulterschluss, sagte der Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität der Nachrichtenagentur dpa. „Der Papst-Vertraute Marx steht für eine Präsenz der Kirche in gesellschaftlichen Fragen. Dass er medial so erfahren und überzeugend ist, hat für Bischöfe bei der Wahl eine große Rolle gespielt“, sagte das Mitglied des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität. Die Hauptaufgabe der Kirche in den kommenden Jahren sei es, Vertrauen zurück zu gewinnen. Dafür sei ein Vorsitzender wichtig, der medial fit ist. Minuspunkte sieht Gabriel bei der spirituellen Überzeugungskraft von Marx. „Da erwarte ich nicht viel von ihm.“

kna/dpa

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