Neues Konzept geplant

Odenwaldschule beschließt Kurswechsel

Heppenheim - Seit neuen Missbrauchsvorwürfen ist die Kritik an dem südhessischen Reform-Internat wieder lauter geworden. Nun soll das Konzept der Odenwaldschule an entscheidender Stelle geändert werden - um zu überleben.

Nach heftiger Kritik an ihrem Internatskonzept ist die Odenwaldschule zu einem entscheidenden Kurswechsel bereit. Bis zur Sommerpause und damit schneller als von Aufsichtsbehörden verlangt soll es eine neue Regelung geben, um Kinder besser vor sexuellem Missbrauch zu schützen. „Wir wollen, dass Lehrer nicht mehr gleichzeitig Betreuer von Internatsgruppen sind“, sagte der Vorsitzende des Schul-Trägervereins, Gerhard Herbert, am Samstag in Heppenheim nach einer Mitgliederversammlung.

Nach den Plänen sollen die Lehrer in ihrer Rolle als Betreuer durch Sozialpädagogen ersetzt werden. Das bringe zwar finanzielle Probleme mit sich, sei aber einmütig beschlossen worden. „Wenn wir uns nicht verändern würden, würde das das Ende der Odenwaldschule bedeuten.“

An der Schule waren 2010 lange vertuschte sexuelle Übergriffe an die Öffentlichkeit gelangt. Dafür wurde auch eine zu große Nähe zwischen Lehrern und Schülern verantwortlich gemacht. Offiziell wird die Zahl von 132 Opfern genannt. Die Schule entschuldigte sich und versprach ein konsequentes Aufarbeiten und den Einbau von Schutzmaßnahmen.

Zuletzt hatte es aber wieder neue Verdächtigungen gegeben, die sich laut Staatsanwaltschaft allerdings nicht erhärteten. Ermittelt wird aber gegen einen inzwischen entlassenen Lehrer, der zugab, sich vor seiner Zeit an der Odenwaldschule aus dem Internet Kinderpornos heruntergeladen zu haben. Die Vorfälle führten dazu, dass die Kritik von Aufsichtsbehörden wie auch vom Opferverein „Glasbrechen“ wieder lauter wurde.

Die Entscheidung des Trägervereins werde von der Leitung der Schule genauso wie von der Leitung des Internates mitgetragen, sagte Herbert. Hier hatte es zuletzt Gerüchte gegeben, die Internatsleiterin Juliana Volkmar habe gekündigt. Einen personellen Wechsel gebe es lediglich bei der Präventionsbeauftragten Regina Bappert. Diese Aufgabe soll künftig eine externe Person wahrnehmen.

dpa

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