Späte Erziehungsmaßnahme

Party eskalierte: Mutter verklagt eigenen Sohn

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Anwälte und Angeklagte stehen am 27.11.2014 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) im Amtsgericht auf der Anklagebank, um über die Nachwehen einer aus dem Ruder gelaufenen Party zu verhandeln.

Düsseldorf - Die Eltern waren auf Reisen, der Partykeller ideal. Doch die Herrin des Hauses erwies sich wegen diverser Kratzer als nachtragend - und brachte sogar ihren eigenen Sohn vor Gericht.

Eine resolute Mutter hat in Düsseldorf ihren Sohn wegen einer ausgeuferten Party vor Gericht gebracht. Die Eltern waren auf Reisen und so wurden zehn Liter Wodka in den elterlichen Partykeller geschafft, dazu noch Bier und Kräuterschnaps. Nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub fand die Mutter ihre Duschwanne durch Sand verkratzt vor, einige Fliesen waren zerbrochen. Sie verlangte 1266 Euro für die Duschwanne, doch niemand wollte zahlen. Schließlich ging sie zur Polizei und stellte Strafantrag - ausdrücklich auch gegen den eigenen Sohn.

Die Staatsanwaltschaft hatte zweimal vergeblich versucht, das wegen Sachbeschädigung eingeleitete Verfahren einzustellen. Einmal hatte sich die Mutter dagegen gewehrt. Einem Täter-Opfer-Ausgleich wollten aber wiederum die Beschuldigten, die sich unschuldig fühlten, nicht zustimmen. Und so wurde am Donnerstag in Saal E.111 des Düsseldorfer Amtsgerichts gegen vier junge Menschen wegen einer rauschenden Party aus dem Vorjahr verhandelt.

Auf der Anklagebank fanden sich schließlich die beiden Party-Veranstalter, darunter der Sohn (24), und zwei Gäste wieder, die sich in der Rolle der Angeklagten sichtlich unwohl fühlten.

„Es war klar, dass es bei dieser Party hoch hergehen würde“, erklärt ein Rechtsanwalt im Namen seines Mandanten (22). Der habe sich bereits am Nachmittag mit ein paar Bier warm getrunken. Irgendwann habe er im Keller mit den Worten „Der Sandmann ist da“ ein paar Hände Quarzsand aus einem Deko-Topf verstreut, da habe er wohl schon einige Longdrinks intus gehabt. Dann habe er sich ausgiebig mit der Zeugin S. beschäftigt. „Da war keine Möglichkeit mehr für andere Wahrnehmungen“, sagt der Verteidiger andeutungsvoll.

Eine Studentin räumt schließlich ein, mit einem männlichen Gast ein Stockwerk höher in der Toilette mit besagter Duschwanne gewesen zu sein. „Wegen der räumlichen Enge“ habe sie sich in die Duschwanne gestellt, berichtet die junge Frau in weißer Bluse mit hochrotem Kopf.

Sand habe sie dabei nicht bemerkt und die Wanne sei auch noch in Ordnung gewesen, als sie die Örtlichkeit verlassen habe. Was in den Stunden geschehen sei, nachdem sie die Party längst verlassen hatte, könne sie natürlich nicht wissen. Der Sohn ist als einziger ohne Anwalt gekommen. Er verweigert zum Tatvorwurf die Aussage. Sein Freund, der Mitveranstalter war, ist sich keiner Schuld bewusst.

Nach einer Stunde hat Amtsrichterin Gabriele Kuhn genug gehört. Sie stellt das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein. Die Gerichtskosten trägt der Staat. Die geschädigte Mutter wird als Zeugin gar nicht mehr gehört. Ihr wird nur noch die Entscheidung des Gerichts mitgeteilt. Aufgebracht verlässt sie das Gerichtsgebäude.

dpa

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