Spektakulärer Fall

900 Kilo, 4 Millionen Euro: Drogenhandel aus dem Kinderzimmer

Leipzig - Es war ein spektakulärer Schlag: Anfang des Jahres ging den Ermittlern ein 20-jähriger Leipziger ins Netz, der vom Kinderzimmer in der elterlichen Wohnung aus massenhaft Drogen über das Internet verkauft haben soll. Am Dienstag beginnt der Prozess.

Laut Anklage geht es um mehr als 900 Kilogramm - von LSD über Kokain und Crystal bis hin zu Amphetaminen. Am Dienstag beginnt vor dem Landgericht Leipzig der Prozess gegen den Drogenhändler, der sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert hat.

Der Angeklagte ging den Ermittlern zufolge "äußerst konspirativ und hoch professionell" vor. Der Leipziger nutzte 2013 demnach zunächst das sogenannte Darknet, einen versteckten, verschlüsselten Bereich des Internets, für seine Geschäfte. Im Jahr darauf verkaufte er die Drogen dann über das offen zugängliche Internet - und zwar über die Internetplattform shiny-flakes.to. Um den Drogenhandel zu verschleiern, nutzte der junge Mann den Angaben zufolge unter anderem Server im Ausland. Die in Briefen oder Paketen verpackten Drogen wurden per Einschreiben oder an Packstationen geliefert.

Nach "Spiegel"-Informationen legte der Tatverdächtige seinen Paketen Gummibärchen bei. Bezahlt wurde mit der virtuellen Währung Bitcoins. Die Kunden kamen vor allem im deutschsprachigen Raum, aber auch aus anderen Ländern bis hin nach Indonesien. Nach umfangreichen Ermittlungen griff die Polizei schließlich am 26. Februar dieses Jahres zu: Der Leipziger sowie ein 51-jähriger mutmaßlicher Drogenkurier, der sich von Montag an in einem separaten Verfahren vor Gericht verantworten muss, wurden festgenommen.

Allein im Zimmer des 20-Jährigen fanden die Ermittler hunderte Kilogramm Drogen und erhebliche Mengen an Bargeld. Die Eltern hatten angeblich keinen Zugang zu dem Zimmer. Laut Anklage soll der Leipziger unterm Strich mehr als 900 Kilogramm Drogen und tausende verschreibungspflichtige Tabletten über den Onlineshop verkauft haben.

Nach Angaben der Ermittler handelte es sich um einen der größten Drogenfunde in Deutschland. Die mit den Drogen erzielten Verkaufserlöse beziffern sie auf rund vier Millionen Euro. Über den Angeklagten ist bislang wenig bekannt. Bis zum Auffliegen seiner Drogengeschäfte war er polizeilich unauffällig. Er hat einen Schulabschluss und hatte ein Gewerbe für Systemadministrierung und Gestaltung von Software angemeldet. Laut "Spiegel" brach er nach der Schule eine Kellnerlehre ab und stieg stattdessen ins Drogengeschäft ein.

Bei einer Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht droht dem Angeklagten wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge eine Freiheitsstrafe bis zu 15 Jahren. Bei Anwendung des Jugendstrafrechts muss er mit bis zu zehn Jahren rechnen. Ein Urteil wird frühestens Anfang Oktober erwartet. Bislang sind Termine bis zum 6. Oktober angesetzt.

AFP

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