17 Verletzte

Prozessauftakt nach Explosionen: Rätsel um Motiv

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Der Angeklagte verbirgt im Verhandlungssaal des Landgerichts sein Gesicht.

Frankenthal - Er soll in Harthausen Gastanks gesprengt haben, um zwei Menschen zu töten. Das wirft die Staatsanwaltschaft einem 40-Jährigen zu Beginn des Prozesses vor. Das Motiv gibt noch Rätsel auf.

Ein Sprengstoffanschlag, versuchter Mord, 17 verletzte Feuerwehrleute: Mit der Verlesung der Anklageschrift hat am Mittwoch der Prozess um die schweren Explosionen im pfälzischen Harthausen vor knapp einem Jahr begonnen. Einem 40-Jährigen wird vor dem Frankenthaler Landgericht vorgeworfen, gezielt mehrere Gastanks in die Luft gesperrt zu haben, um zwei Menschen auf dem Firmengelände heimtückisch zu töten. Mitangeklagt ist eine 27-jährige mutmaßliche Helferin.

Bei der Verlesung der knapp 60-seitigen Anklageschrift zeigte der 40-jährige Hauptangeklagte keine Regung. Der aus Mittelfranken stammende Mann soll Ende September 2013 auf dem Gelände eines Gashändlers drei Lastwagen angezündet und so die Tanks zur Explosion gebracht haben. Ziel sei gewesen, den Firmenbesitzer und dessen Tochter zu töten, sagte Staatsanwalt Benjamin Mais. Beide hätten zum Tatzeitpunkt in Wohnhäusern auf dem Gelände geschlafen.

„Die Feuerwehr konnte nicht gleichzeitig alle Brandherde beherrschen“, sagte Mais. Die Gebäude auf dem Firmengelände seien „nahezu dem Erdboden gleich“ gemacht, selbst im Umkreis von mehreren hundert Metern seien Häuser und Lagerhallen erheblich beschädigt worden. Umherfliegende Trümmer hätten Feuerwehrleute getroffen und verletzt.

Die 27-jährige Freundin des Hauptbeschuldigten sei von ihm schwer misshandelt und so gefügig gemacht worden, damit sie ihn bei der Tat unterstützte, sagte der Staatsanwalt. Von der Mordabsicht habe sie nichts gewusst. Ihr sei aber Beihilfe zur Brandstiftung anzulasten.

Das Motiv blieb auch nach dem ersten Verhandlungstag unklar. Die Tochter des Firmenbetreibers soll die Ex-Freundin und frühere Geschäftspartnerin des Angeklagten gewesen sein. „Wohl eine Beziehungstat“, sagte die Verteidigerin der mitangeklagten Frau am Rande des Prozesses der dpa. Näheres werde die Aussage ihrer Mandantin an einem der nächsten Prozesstage ergeben.

Staatsanwalt Mais zufolge hat die 27-Jährige bei den Ermittlungen ein umfassendes Geständnis abgelegt, auf das sich die Anklage stützt. Der Prozess, zu dem zahlreiche Zeugen und Sachverständige geladen sind, wird am 29. September fortgesetzt.

dpa

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