"Keine Eigen- und Fremgefährdung"

Nach Evakuierung in Bremen: 19-Jähriger auf freiem Fuß

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Aufgrund der angespannten Sicherheitslage ließ die Polizei ein Einkaufszentrum räumen, obwohl sie nicht von einer Terrorgefahr ausging. 

Bremen/Diepholz - Kunden eines Einkaufszentrums alarmierten am Mittwoch die Polizei: Ein junger Mann drohte, sich in die Luft zu sprengen. Die Polizei nahm ihn fest und durchsuchte das Gebäude.

Update 28.07.2016, 17 Uhr: Der 19-Jährige ist inzwischen nicht mehr tatverdächtig.

Der psychisch kranke Mann, der einen Großeinsatz der Polizei im Bremer Einkaufszentrum Weserpark ausgelöst hat, ist nach seiner Festnahme wieder auf freiem Fuß. Bei der Vernehmung habe sich herausgestellt, dass von dem Mann keine Eigen- und Fremdgefährdung ausgehe, teilte die Polizei mit.

Der junge Mann war am Mittwoch aus einer Psychiatrie in Bassum im Landkreis Diepholz geflohen. Zeugen war er schließlich in dem Bremer Einkaufszentrum aufgefallen, woraufhin die Polizei das Gebäude räumte und durchsuchte.

Der 19-Jährige soll bei seiner Flucht: "Ich sprenge Euch in die Luft" gerufen haben, weshalb er zwischenzeitlich als gefährlich galt. Gegen Mitternacht wurde er am Bremer Hauptbahnhof festgenommen. Es handelte sich um einen Asylbewerber aus Algerien.

Seinen Ausruf gestand der Verdächtige bei seiner Vernehmung zwar ein. Er habe jedoch glaubhaft versichert, dies nicht so gemeint zu haben, teilte die Polizei mit. Zudem habe er sich massiv von seinen Äußerungen zum Islamischen Staat und zum Amoklauf in München distanziert. Der 19-Jährige habe angegeben, durch die Einweisung in die Psychiatrie emotional stark aufgewühlt gewesen zu sein. Dorthin war er eine Woche zuvor aus dem Polizeigewahrsam überstellt worden, nachdem er sich in seiner Zelle immer wieder selbst verletzt hatte, hieß es.

Im Polizeigewahrsam saß er wegen Diebstählen und Hausfriedensbruch. Nach dem Vorfall in dem Einkaufszentrum kam er nun nicht wieder in die Psychiatrie, sondern zurück in seine Unterbringung im Landkreis Diepholz. Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass das Amtsgericht Syke bereits am Mittwoch den Unterbringungsbeschluss für die Klinik aufgehoben hatte. Wegen der Diebstähle und dem Hausfriedensbruch werde weiter ermittelt, sagte ein Sprecher der Polizei.

Der Algerier war durch einen Notausgang der Psychiatrie entkommen. Eine Ärztin eilte ihm nach, konnte ihn aber nicht mehr aufhalten. Der Regionalgeschäftsführer des Klinikverbundes, zu dem auch die Psychiatrie Bassum gehört, wollte sich mit Verweis auf den Datenschutz und die ärztliche Schweigepflicht nicht zu dem Vorfall äußern. Ob die Flucht Konsequenzen für sein Haus haben werde, sei unklar. „Das arbeiten wir intern auf, falls es überhaupt etwas aufzuarbeiten gibt“, sagte Uwe Lorenz am Donnerstag.

dpa

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