Ist die Handyotie also schon ein Normalzustand?

Randnotiz: Boden-Ampel soll Handy-Nutzern das Leben retten

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Offenbach/Augsburg - In Offenbach wissen sie nicht, wo sie das Geld herholen sollen, um die tiefen Löcher in den Straßen zu stopfen. Andernorts denken sie darüber nach, wie sie ihrem öffentliche Verkehrsraum eine Art Luxus-Sicherheit verpassen können. Von Thomas Kirstein

Es ist kaum zu glauben. In Augsburg und Köln werden Lichtleisten im Boden getestet, die Menschen warnen sollen, wenn sie bei Annäherung einer Straßenbahn unverdrossen Nachrichten ins Smartphone tippend die Straße überqueren wollen. Ist die Handyotie also schon ein Normalzustand, auf den Rücksicht genommen werden muss? Muss der Staat Geld ausgeben, damit Leute, die sich absolut fahrlässig in Gefahr begeben, nicht zu Schaden kommen? Ist das Kommunizieren zu jeder Zeit des Tages mittlerweile ein unverrückbares Menschenrecht, auf welches die Infrastruktur ausgerichtet gehört? Ist auf Steuerzahlers Kosten Vorsorge zu treffen, damit das Risiko vermindert wird, das eine akustische Abkopplung durch Kopfhörer mit sich bringt?

Es mag zynisch klingen, aber es kann doch nicht Aufgabe der Daseinsvorsorge sein, Zeitgenossen zu schützen, die sehenden – also runter aufs Display – Auges ins Unglück stolpern. Nach der irgendwann möglichen Pflicht zur Lichtleiste im Boden kommt dann die verbindliche DIN-Norm für gepolsterte Laternenmasten. Denn die Deppen und Deppinnen, die nicht vom Smartphone lassen können, bedürfen zunehmend der gesamtgesellschaftlichen Fürsorge.

Jeder sechste Fußgänger sei von seinem Smartphone abgelenkt, manche schrieben sogar noch beim Überqueren der Straße eine Nachricht, hieß es im oben erwähnten Bericht. Über solche Zeitgenossen machen wir uns also solidarische Gedanken in einem Land, das es noch nicht geschafft hat, für wirklich körperlich beeinträchtigte Mitmenschen überall Barrierefreiheit herzustellen.

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