Prozess in Kiel

 Steuerberater gesteht: "Habe den Mann offensichtlich erschossen"

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Polizeifahrzeuge stehen nach der Schießerei vor dem Finanzamt im schleswig-holsteinischen Rendsburg. Foto: Daniel Bockwoldt/Archiv

Kiel - Mit drei Schüssen soll er einen Rendsburger Finanzbeamten in dessen Büro niedergestreckt haben. Vor Gericht legt der angeklagte Steuerberater ein Geständnis ab. An die eigentliche Tat will er keinerlei Erinnerung haben.

Rund ein halbes Jahr nach den tödlichen Schüssen auf einen Finanzamts-Abteilungsleiter hat der angeklagte Steuerberater vor dem Kieler Landgericht ein Geständnis abgelegt. „Ich habe den Mann offensichtlich erschossen“, sagte der im Rollstuhl sitzende 55-Jährige am Mittwoch zum Prozessauftakt. Er könne sich an die Tat im Rendsburger Finanzamt aber nicht erinnern, weil er an jenem Morgen unter dem Einfluss starker Medikamente gestanden habe. Das Ganze sei weder geplant gewesen, noch mit Arglist geschehen. Angeklagt ist der Mann wegen Mordes.

Der Sachgebietsleiter hatte den Steuerberater am 1. September 2014 zu einem „Klimagespräch“ in sein Büro eingeladen. Dort wurde der 57-Jährige von drei Kugeln getroffen, er starb wenig später im Krankenhaus. Vor der Tat hatte der Steuerberater laut Gericht an seine Frau geschrieben: „Ich werde diesem Drama ein Ende setzen. Er wird keine Chance haben, davonzukommen.“ Er selbst werde wohl das Gefängnis vor seinem Tod nicht verlassen. „Der Finanzbeamte ist wirklich ein böser Mensch und hat es verdient.“

Der Angeklagte räumte lang andauernde Spannungen zwischen ihm und dem Finanzamt ein. „Seit 20 Jahren versuche ich, als schwerbehinderter Steuerberater durchzukommen.“ Die Behörde habe ihn jedoch gegenüber seinen Mandaten schlecht gemacht und diese vergrault. Es habe Repressalien der Behörde gegeben. Er habe die Beleidigungen aus dem Weg räumen wollen, „aber nicht ihn“.

Seine Pistole vom Typ Beretta will der Besitzer eines Jagdscheins unabsichtlich ins Finanzamt mitgenommen haben. Wegen Morddrohungen habe er sie im Büro stets bei sich. „Ich habe einfach vergessen, sie aus der Hose zu nehmen“. Zugleich hatte er bei seiner Festnahme noch etliche Patronen in seiner Brusttasche. Auch diese will er dort vergessen haben.

In den Tagen vor dem Gespräch sei er bereis zutiefst aufgewühlt gewesen, weil wichtige Klienten auf Druck des Finanzamts abzuspringen drohten. Das spätere Opfer habe ihn noch freundlich auf dem Flur begrüßt - „dann weiß ich nichts mehr.“

Als er im Büro des Opfers wieder zu sich gekommen sei, habe der Mann am Boden gelegen. Die Waffe habe er in der Hand gehalten, sagte der Angeklagte. Dann sei ihm bewusstgeworden, was passiert sein müsse.

dpa

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