Schülerinnen proben den "Aufschrei"

Hotpants-Verbot an Schule sorgt für Shitstorm

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An einer Schule in Baden-Württemberg wird zu offenherzige Kleidung - wie zum Beispiel Hotpants - künftig geahndet.

Horb - Auch die Mädchen einer Schule in Baden-Württemberg tragen im Sommer gerne bauchfreie Shirts oder Hotpants. Die Direktorin sorgt sich jetzt um das Schulklima und droht mit ungewöhnlichen Maßnahmen.

Die jahreszeitlich bedingte textilarme Kleidung von Schülerinnen veranlasst eine Schulleiterin aus Horb am Neckar zum Durchgreifen: Bianca Brissaud verfasste einen Elternbrief, in dem sie ankündigt, dass zu offenherzige Kleidung künftig geahndet wird. Schülerinnen sollen im Falle eines Falles zwangsweise ihre Blöße mit T-Shirts in XXL-Größe verhüllen müssen.

Mit Blick auf mögliche Elternproteste gegen die neuen Regeln heißt es in dem Schreiben: "Es geht uns dabei nicht um die Unterdrückung der Individualität Ihres Kindes", sondern um einen Betrag zu einem "gesunden Schulklima, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden".

Laut der Süddeutschen Zeitung hätten Lehrer die Direktorin zu dieser Maßnahme überredet. Vor allem männliche Kollegen hätten ein Problem: "Manche wissen nicht, wie sie das Thema bei den Schülerinnen ansprechen sollen", wird Brissaud zitiert. Die neuen Regeln sollen nur für dieses Schuljahr gelten, im nächsten soll eine Kleiderordnung festgelegt werden.

Schülerinnen wehren sich gegen das #hotpantsverbot

Auf den sozialen Netzwerken laufen die Schülerinnen Sturm gegen diese Verordnung, die ihnen vorschreibt, was sie tragen dürfen und was nicht:

Das Hotpants-Verbot betreffe ausschließlich Mädchen, kritisierte die Aktivistin Anne Wizorek, die 2013 mit der #Aufschrei-Kampagne zum Alltags-Sexismus für Aufsehen gesorgt hatte.

Eine Twitter-Nutzerin befürchtet einen Rückfall in die spießige Vergangenheit.

Eine Schülerin argumentiert, es sei sinnvoller, die männlichen Mitschüler zu lehren, sich zu beherrschen.

Ähnlich sieht es ein anderer weiblicher Teenager:

Eine Twitter-Nutzerin findet, dass das Verbot indirekt den Mädchen die Schuld gibt, nicht den Männern oder Jungs die sich durch die Wahl eines weiblichen Outfits "provoziert" fühlen und übergriffig werden - und sei es durch unangemessene Sprüche oder Blicke.

Das Verbot könnte auch ordentlich nach hinten losgehen, warnt eine andere Diskutantin:

Auch die Frage, wie weit das Verbot wohl noch ausgeweitet werden könnte, kam auf.

Ausgerechnet ein männlicher Diskussionsteilnehmer wies schließlich darauf hin, dass nicht nur weibliche Formen der Konzentration beim Lernen abträglich sein können.

Das sagt das Schulgesetz

Kürzlich sorgten ein Schuldirektor aus Potsdam und einer aus Bayern für Kritik, weil sie ihren Schülerinnen zu Zurückhaltung bei der Wahl ihrer Kleidung rieten. Allerdings lautete die (stark beanstandete) Begründung hier: Bei den angrenzenden Bewohnern eines Asylantenheimes könnte es zu "Missverständnissen" kommen.

Nach Auskunft des Kultusministeriums erlaubt das Schulgesetz Schulen, auch bei der Wahl der Kleidung Maßnahmen zu treffen, wenn anders die Ordnung des Unterrichts nicht aufrecht erhalten werden kann. Grundsätzlich seien die Grundrechte aber auch für Schüler da, insbesondere das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.

Auch an anderen deutschen Schulen gibt es das "Schul-Notfall-Shirt", etwa am Stuttgarter Heidehof-Gymnasium. Laut den Stuttgarter Nachrichten sei es dort jedoch erst zweimal eingesetzt worden: Beide Male bei männlichen Jugendlichen, deren Hosen so tief saßen, dass ihre Unterhose zu sehen war.

dpa/hn

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