Esoterik-Kritiker bilanzieren

Wahrsager lagen 2013 wieder mal daneben

Roßdorf - Prophezeihte schlimme Börsencrashs blieben aus, ein historisches Ereignis wie den Papst-Rücktritt erschien jedoch in keiner Kristallkugel: Wahrsager haben sich 2013 ziemlich blamiert.

„Sie versagten mit ihren Prognosen auf ganzer Linie“, meint die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) in Roßdorf bei Darmstadt. Den Rücktritt von Benedikt XVI. habe keiner auf dem Schirm gehabt. Ausgewertet worden seienmehr als 100 Texte mit mehr als 400 Prognosen.

Vorhersagen blieben wie immer vage, genaue Angaben über Ort und Zeit würden gern vermieden. „Wenn tatsächlich genauere Daten genannt wurden, dann erwiesen sich diese als falsch“, erläutert der Bilanzierer Michael Kunkel (53) am Donnerstag. Auch bei der Bundestagswahl habe sich die Augurenzunft weitgehend blamiert: Einige sahen demnach die FDP im Bundestag oder prophezeiten der Linkspartei einen Erfolg.

Natürlich geht laut GWUP nicht immer alles daneben. „Wenn man sehr viele Prognosen formuliert, dann sind einzelne Treffer praktisch unvermeidlich“, sagt Mathematiker Kunkel, der zum zwölften Mal die Bilanz zusammengetragen hat. So habe die Wiener Hellseherin Rosalinde Haller tatsächlich die Entmachtung von Ägyptens Präsident Mohammed Mursi vorhergesehen.

Die Vorgehensweise habe aber immer dasselbe Strickmuster. „Was im Bewusstsein der Menschen drin ist, das wird auch vorhergesagt.“ Seit Tsunamis und Atomkatastrophen geschenen seien, gehöre das Vorhersagen solcher Schrecken zum festen Programm der Auguren.

Die Möglichkeit eines Papstrücktritts ging dagegen bislang gegen Null - bis Benedikt XVI. als erster Papst der Neuzeit im Februar das Amt aufgab. „Dieser Rücktritt war bei den Prognosen nicht dabei“, sagt Kunkel.

Den kritischen GWUP-Verein gibt es seit 1987. Laut Martin Mahner (55) von der Geschäftsstelle machen rund 1300 Wissenschaftler und fachlich Interessierte aus verschiedenen Richtungen mit. Sie nennen sich Skeptiker. Die Wahrsager-Bilanz gibt es seit den 90er Jahren.

Der Deutsche Astrologen-Verband (DAV) steht der GWUP naturgemäß kritisch gegenüber. „Es gibt mehr als eine Wahrheit“, sagt die DAV-Vorsitzende Helen Fritsch. „Astrologie ist nicht dazu geeignet, sich statistisch untersuchen zu lassen. Jedes Horoskop wird individuell gedeutet.“

Was kommt 2014? Laut GWUP „die üblichen Warnungen vor Börsen- und Naturkatastrophen sowie die ein oder andere Prognose zur Fußball-WM“.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare