Helene Fischer in der Festhalle

Der Saal-Chor trällert euphorisiert mit

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Helene Fischer bei ihrem Auftritt in Frankfurt.

Frankfurt - Helene Fischer, Deutschlands Schlagerkönigin, begeisterte in der Frankfurter Festhalle mit einer grandiosen Show. Etwas Kritik gibt es dennoch. Von Peter H. Müller

„Mitten im Paradies“: Helene Fischer, Deutschlands einzig wahre Schlager-Weltmeisterin, singt sich beim ersten von zwei ausverkauften Festhallen-Konzerten durch einen bunten, von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ umwölkten Musical-Themenpark. Am Ende des Dreistunden-„Farbenspiels“, kurz vor Mitternacht, ist die Titanic zwar ein weiteres Mal untergegangen, die holde Fischerin aber schwebt auf goldenen Metallvogel durch die Lüfte - und die Fans sind, na was wohl, „Atemlos“.

Mit offiziellen Tour-Auftakten ist das ja immer so eine Sache. Selbst für eine routinierte „Miss Perfect“, die, gerade taufrische 30 geworden, zum ultimativen Superstar von Deutschland einig Schlagerland aufgestiegen ist. Wüsste man es nicht besser, müsste man sogar annehmen, mit ihr sei das Gottesteilchen einer ganzen Szene entdeckt und sie höchstselbst habe den bislang rätselhaften Mainstream-Entertainment-Code geknackt. Helene Fischer jedenfalls ist ganz oben, schreibt mit ihrer aktuellen CD einen Rekord nach dem anderen, mobilisiert Fans zwischen 16 und 66, und beschäftigt quer durch die Republik ehrenwerteste Feuilleton, die alle dem „Phänomen im Glitzerkleid“ nachspüren. Das wird nach ihrer seit Monaten ausverkauften „Farbenspiel“-Tour nicht anders sein.

Zumal dieser Show-Marathon, in der Riesaer Sachsenarena bereits in einer geheimnisumwitterten „öffentlichen Generalprobe“ mit 6.000 Zuschauern gestartet, einigen Diskussionsstoff bietet. Was nach gut 30-minütiger Verspätung (ein Unfall vor der Festhalle hat den Einlass verzögert) mit einer feierlichen Ouvertüre und programmatischen Hits wie „Unser Tag“, „Fehlerfrei“ oder „Mitten im Paradies“ beginnt, wirkt als Ganzes eher wie thematischer Flickenteppich - zweifellos sorgfältig sauber und aufwändig geknüpft, aber eben nicht immer perfekt eingepasst. Frau Fischer hat eine veritable Rockband im Gefolge, dazu eine Streicherfraktion, die mit „Rock trifft Klassik“-Versionen der „Vier Jahreszeiten“ die Kostümpausen verschönert, und eine US-Truppe aus zwölf Tänzerinnen und Tänzern inklusive einem Rap-Kollegen - sie selbst ist der Kleber, der das ziemlich heterogene Ganze in einer Mittelerde-Harry-Potter-Bühnenlandschaft samt Riesenbaum und Feuerfontänen zusammenbringen muss.

Helene Fischer in der Festhalle

Helene Fischer in der Festhalle Frankfurt

Aber, man glaubt es kaum, auch die schöne Helene scheint zuweilen so etwas wie Nervosität zu kennen: Ihre Moderationen, und im Grunde ist sie dabei immer Moderator ihrer selbst, holpern gewaltig - so Manches wirkt eilig improvisiert, die plakative Ergriffenheit beim von Celine Dions „My Heart will go on“ umrankten Hallenflug fast schon zu schön, um wahr zu sein. Andererseits vermittelt es wohl auch genau dieses Echte, Authentische, das die mit reichlich Blumenpräsenten angereisten Anhänger - insbesondere die „Helene Fischer Ultras“-Fraktion im VIP-Fanbereich - an ihrem „Superstar zum Anfassen“ so lieben.

Ihren schön uniformen Songs, die sich irgendwie durch das Jahreszeiten-/„Farbenspiel“ Thema mogeln, kann das ohnehin nichts anhaben: „In diesen Nächten“, „Nur wer den Wahnsinn liebt“, als Eiskönigin in „Lass jetzt los“ oder „Marathon“ - der Saal-Chor trällert euphorisiert mit. Und wenn es nach einer 30-Minuten-Pause in die Cover-Runde mit Joan Jetts unkaputtbarem „I love Rock´n´Roll, Van Halens „Jump“ oder „Purple Rain“ (Prince) geht, gibt es sowieso kein Halten mehr. Die entzückend bunt funkelnde Inszenierung, so glatt poliert, so überlang sie sein mag, wirkt. Und irgendwie ist für jeden was dabei. Womöglich funktioniert ja große Unterhaltung so. Die Fans jedenfalls sind sich spätestens im Finale, wenn Helene im blau glänzenden Lack-Outfit „Von hier bis unendlich“ über ihre Köpfen schwebt, ganz sicher: War wieder eine grandiose Show von „unserer Helene“. Was will man da noch bekritteln?

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