Kraft der drei Gitarren

Stell dir vor, es ist der einzige halbwegs erträgliche Abend inmitten der Hitzewelle – und ausgerechnet an diesem spielt eine der Bands, die für die schweißtreibendsten Konzerte überhaupt bekannt ist. Von Markus Schaible

Also ist nichts mit entspannendem Durchatmen, vielmehr heißt es: Rein in die Aschaffenburger Colos-Saal-Sauna. Die Hooters rocken.

Und wie: Das Konzert hat noch gar nicht richtig begonnen, da kocht die Stimmung schon über. Dabei eröffnen die Hooters mit einem brandneuen Song, noch dazu – quasi als Dank für die Treue der deutschen Fans – einem auf Deutsch: „Pissing In The Rhine“ (nur der Titel ist englisch). Aber wie alle Lieder der Band hat auch dieses Ohrwurm-Garantie.

Dann starten Eric Bazilian, Rob Hyman & Co. die Hit-Offensive: „Day By Day“, „All You Zombies“, „Fighting On The Same Side“, die Hooters können es sich leisten, einige ihrer bekanntesten Stücke gleich zu Beginn rauszuhauen. Denn sie haben noch mehr.

Packen die Musiker anfangs ein paar neue Songs dazwischen, ist die zweite Hälfte eine einzige Hitparade. Jeder, der in den 80er und Anfang der 90er Jahre Radio hörte, kennt jedes Lied. Nur haben offenbar viele vergessen, dass die Hooters eine super Live-Band sind. Die Fans im knackevollen Colos-Saal profitieren davon – können sie die Jungs doch in intimer Club-Atmosphäre erleben. Und sie genießen es: Da stört es auch nicht, dass der Sound teilweise rumpelig rüberkommt und Bazilian als einer der beiden Sänger offenbar etwas erkältet ist. Spielerisch ist das alles vom Feinsten: Die Hooters sind perfekte Multi-Instrumentalisten, die zeigen, dass auch Akkordeon, Melodika und Blockflöte in der Rockmusik ihre Berechtigung haben. Dank des Gast-Musikers Tommy Williams können sie zudem mit der Kraft der drei Gitarren aufwarten. Und so ist es am Ende ein gut zweistündiger Sauna-Gang mit permanentem Rock-Aufguss, der die Fans total erschöpft, aber glücklich in den kühlen Abend entlässt.

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