Warum Prahl und Liefers so beliebt sind

Bissige Komödie: Münster-"Tatort" ist ein Exot

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Axel Prahl (l.) und Jan Josef Liefers ermitteln seit zehn Jahren in Münster.

Münster - Grotesk, ironisch und überzogen: Der „Tatort“ aus Münster ist weniger ein Krimi als vielmehr eine schwarze Komödie, sagt ein Experte. Besonders skurril tauchen die Leichen am Tatort auf.

Ernste Gesellschaftskritik sieht anders aus: Schaurige Moorleichen und hinkende Zuhälter treiben die „Tatort“-Kommissare Jan Josef Liefers und Axel Prahl im beschaulichen Münster um. Der Krimi nehme mit seiner drastischen Komik eine Sonderstellung innerhalb der WDR-Reihe ein, sagte der Germanist und „Tatort“-Kenner Andreas Blödorn von der Uni Münster. „Es ist eigentlich kein klassischer Krimi, sondern hat vielmehr Züge einer schwarzen Komödie.“

Während die „Tatort“-Kommissare anderorts soziale Missstände aufdecken, finden Großstadtprobleme, die etwa mit sozialen Brennpunkten verknüpft sind, in Münster nicht statt oder werden überzeichnet dargestellt. „Krimithemen werden so präsentiert, dass man sich als Zuschauer entspannt zurücklehnen kann und nicht - wie in anderen Tatorten - mit mehr oder weniger erhobenem moralischen Zeigefinger aktuelle Konflikte der Gegenwart präsentiert bekommt.“ Gerade hierfür aber stehe die „Tatort“-Reihe eigentlich bundesweit.

Absurde Handlungen in malerischer Stadt

Im „Tatort“ aus Münster würden gesellschaftliche Probleme dagegen meist als privat-familiäre Missstände dargestellt - wenn es etwa um mehrfachen Inzest gehe, berichtete Blödorn: „Der Vater hat erst ein Verhältnis mit seiner Tochter, und mit der Enkelin fängt er später wieder ein Verhältnis an.“ Die ohnehin absurden Handlungsstränge würden von einer anderen Ebene überlagert - „der der schwarzen Komödie, die das Ganze übertreibt und grotesk verzerrt“.

Die Ermittler hätten es entgegen der malerischen Idylle ihrer Stadt häufig mit „Übertreibungen der verschärften Art“ zu tun - wie dem mehrfachen Inzest. Dafür biete sich Münster gerade an, weil es so hübsch sei und auch so präsentiert werde, sagte Blödorn. „Sie haben eine schöne Fassade, um dann dahinter zu schauen und in "Abgründe" zu blicken.“ So bröckele im Film etwa bildlich eine Wand - oder ein Untergrund werde plötzlich unsicher. „Nicht umsonst werden hier Leichen zum Beispiel bei Bauarbeiten in der Stadt ausgegraben.“

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Wenn im allerersten „Tatort“ eine Moorleiche entdeckt und aus dem Sumpf auf die Stadtansicht Münsters überblendet werde, symbolisiere das geradezu einen „Sumpf des Verbrechens“. „Das Ganze ist ein Spiel, das von Beginn an deutlich macht: Ich möchte humorvoll, mit Augenzwinkern gelesen werden“, sagte der Germanist aus Münster.

Besonders absurd kämen die Leichen in den „Tatorten“ aus der westfälischen Provinz daher. Sie würden ausgegraben, seien verkohlt oder mumifiziert, erklärte Blödorn. „So wie die Leichen entstellt sind, so skurril, übertrieben und ins Groteske verzerrt präsentiert der "Tatort" eben auch die Realität in diesen Filmen.“

dpa

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