Sehenswert trotz Logiklöchern

Trailer zu "Verräter wie wir": Urlaub mit Folgen

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Ist er der Mann, der zu viel wusste? Perry (Ewan McGregor) gerät in ein Mafiakomplott – um sich zu retten, muss der Literaturprofessor so manchen Berg erklimmen.

München - „Verräter wie wir“ nach John le Carrés Roman ist ein Spionagethriller, dem auch Logiklöcher wenig anhaben können. Die elegante Inszenierung kaschiert diese Schwachstellen gekonnt. 

Unter Marrakeschs Palmen wollen der Londoner Literaturprofessor Perry (Ewan McGregor) und seine Frau Gail (Naomie Harris) ihre eingerostete Ehe wieder flott kriegen. Das klappt aber kaum. Die Situation verbessert sich auch nicht, als Perry eines Abends im Hotel den schwerreichen Russen Dima (Stellan Skarsgård) kennenlernt und mit ihm bis in den Morgen feiert.

Während Perry den Kontakt anschließend minimieren möchte, um Gail nicht vollends zu vergraulen, offenbart ihm Dima ein Geheimnis. Der furchteinflößende Schlägertyp ist innerhalb der Russenmafia nur ein Geldwäscher und ahnt, dass der neue Boss ihn und seine Familie demnächst töten wird. Daher bittet er Perry um Kontaktanbahnung zum MI6. Vom britischen Geheimdienst erhofft er den Schutz seiner geliebten Kinder – gegen Informationen als Gegenleistung, versteht sich.

Der naive Perry wendet sich an den MI6 und hält die Angelegenheit damit für erledigt. Stattdessen gerät er mitsamt seiner Noch-Ehefrau Gail schnell zwischen die Fronten und mitten hinein in ein mörderisches Komplott.

Die Ausgangssituation der John le Carré-Adaption „Verräter wie wir“ erinnert ein wenig an Hitchcocks „Der Mann, der zu viel wusste“. Das unbedarfte Touristenpaar gerät in eine lebensbedrohliche Situation und muss sich zu Heldentaten aufschwingen. Carrés Roman ist zwar nicht unbedingt sein bester, und an vielen Stellen bemerkt man, wie sehr der Autor den scheinbar klaren Verhältnissen des Kalten Krieges nachtrauert. Leider schwächen die Veränderungen, die der ansonsten sehr feinsinnige Drehbuchautor Hossein Amini („Die zwei Gesichter des Januars“) der Handlung angedeihen ließ, die Geschichte noch zusätzlich. Manche Logiklöcher der Vorlage werden dadurch erst auf dem Silbertablett serviert.

Die Regisseurin Susanna White fiel bisher vor allem durch anspruchsvoll gearbeitete Miniserien für die BBC auf, etwa „Parade’s End“ mit Benedict Cumberbatch oder die zweifellos beste „Jane Eyre“-Umsetzung mit Toby Stephens. Ihre so umsichtige wie elegante Inszenierung kaschiert in „Verräter wie wir“ sehr geschickt die Schwachstellen des Skripts. Dadurch ist ein optisch eindrucksvoller, spannender Spionagethriller entstanden, der einerseits klassisch-traditionell daherkommt. Andererseits aber mit seiner innovativen Kameraarbeit und der fein austarierten Charakterzeichnung ganz modern erscheint.

„Verräter wie wir“

mit Ewan McGregor Regie: Susanna White Laufzeit: 107 Minuten

Sehenswert

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