Die Randsportart Armwrestling erfordert auch Technik und Psychologie

Nichts für reine Kraftprotze

002.07.1002.07.10|AllgemeinFacebook
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Im Wettbewerb um die dicksten Oberarme würde Katrin Mook keinen Blumentopf gewinnen. Trotzdem ist sie vor zwei Monaten zum elften Mal Deutsche Meisterin im Armwrestling geworden. Von Markus Woelfelschneider

© Sauda

Ohne Schweiß kein Preis: Verbissen und mit vollem Körpereinsatz stellt sich Katrin Mook ihrer Kontrahentin.

Wer die 26-jährige Frau mit der durchtrainierten, aber zarten Turnerfigur sieht, vergisst sämtliche Klischees, die das Wort „Armwrestling“ gewöhnlich auslöst: die bierselige Kraftmeierei am Kneipentisch (Armdrücken), die groteske Freakshow (Wrestling). „Viele glauben, man müsste in unserem Sport aussehen wie ein Bodybuilder“, sagt Katrin Mook, „dabei sind die trotz aufgepumpter Oberarme und Kleiderschrankstatur keine guten Armwrestler, weil sie meist ein schlaffes Handgelenk haben.“

Zwar stemmt auch Kartrin Mook im Keller ihres Hauses in Niederrodenbach regelmäßig Hanteln und erklimmt hin und wieder die Kletterwand der Frankfurter T-Hall. Doch Krafttraining ist nur eine von mehreren Komponenten. Genauso wichtig sind Psychologie und Technik.

Angenehme Atmosphäre

Beim Techniktraining ihres Vereins „Over The Top“ (angelehnt an den Film mit Sylvester Stallone) in der Hanauer August-Schärttner-Halle ist die Atmosphäre angenehm unspektakulär. In einer Kurve zwischen Handballtor und Tartanbahn sind zwei Wettkampftische mit Haltegriff und Ellbogenpolster aufgebaut.

„Beim Armwrestling ist von der Kauleiste bis zu den Füßen der ganze Körper im Einsatz“, erklärt Nationaltrainerin Petra Spatz, die in ihrem Sport eine Legende ist. Lebhaft doziert sie über die Bedeutung von Winkelkräften und dem richtigen Druckpunkt, der Auge in Auge mit dem Gegner gefunden und am Wettkampftisch immer wieder korrigiert werden muss. Und vom Schwerpunkt, den es zu unterlaufen gilt. Die Qualitäten von Karin Mook hat Spatz längst erkannt: „Katrin ist schnell und so stark, dass sie mich immer öfter durch den Tisch haut, zudem hat sie den nötigen Ehrgeiz. Als Karin vor sieben Jahren in mein Training kam, war ihre allererste Frage: Petra, wie lange brauche ich, um Weltmeisterin zu werden? Damals fand ich ihre Frage sehr mutig. Mittlerweile weiß ich, dass sie es schaffen kann“, sagt Petra Spatz.

WM im Dezember in Las Vegas

So wie in Leimen wohl jeder Junge und jedes Mädchen für Tennis schwärmt, ist in Katrin Mooks Heimatdorf Niederrodenbach Armwrestling der Sport, an dem kein Teenager vorbei kommt: Schon früh war Mook von Athleten wie Hagen Römer fasziniert, die sie bei internationalen Meisterschaften in Hanau, Mittelbuchen oder Rodenbach kämpfen und siegen sah. Als sie nach einem Beinahe-Bandscheibenvorfall mit Leistungsturnen aufhören musste und nach neuen Herausforderungen suchte („Ich bin eben ein Wettkampftyp“), landete Mook schnell beim Armwrestling.

Bei der WM im Dezember in Las Vegas will Petra Spatz ihren Titel verteidigen. Sie tritt in der Masters-Klasse an, in der Frauen über 40 konkurrieren. Karin Mook hingegen weiß trotz Siegchancen in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm noch nicht genau, ob sie mit dabei sein wird. Schließlich muss sie etwa 1500 Euro, die eine WM an Reisekosten und Startgebühr verschlingt, aus eigener Tasche bezahlen. Und sich Urlaub nehmen, der mit klassischen Ferien allerdings nicht viel zu tun hat: Bei der WM 2004 in Südafrika, Mook wurde damals Vierte, sah sie nicht viel von Land und Leuten – vom malerischen Sonnenaufgang beim Strandlauf an der Küste vor Durban mal abgesehen.

Armwrestling als Schulfach

Vor dem Wiegen hieß es in der Hotelsauna überflüssige Pfunde herunterschwitzen. Dann folgte eine harte Wettkampfwoche in einer schmucklosen Sporthalle. Im Gegensatz zu Nationen wie Russland oder Schweden, die Armwrestling sogar als Schulfach anbieten, gilt die Disziplin in Deutschland als Randsportart. Die Athleten sind keine Profis.

Kein Wunder also, dass Katrin Mook, Verwaltungsangestellte bei der Stadt Hanau, sich neben einem Platz auf dem Treppchen vor allem eines wünscht: Sponsoren. „Auf unseren weißen Vereins-T-Shirts ist noch viel Platz“, sagen Spatz und Mook. Und man drückt ihnen, nein, lieber nicht die Arme, dafür aber die Daumen.

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