105.02.10|Allgemein|Allgemein|1
Drucken|Empfehlen|Schrift
a
/
A||recommendbutton_count130
Offenbach - Der Puls geht schneller, mit schweißnassen Händen erwartet Pierre nervös die letzte und entscheidende Karte, im Poker-Jargon „River“ genannt: Ein Herz-König kommt, Pierre flucht laut. Von Niels Britsch

© Pixelio
Eine Neu-Isenburgerin hat sich sogar bis zur Weltmeisterschaft gezockt.
Aus. Vorbei, alles gesetzt („All in“) und alles verloren trotz eines König-Drillings, doch die Straße (9, 10, Bube, Dame, König) ist das bessere Blatt. Beim Poker ist jedoch „alles“ relativ, es bedeutet lediglich, dass Pierre sämtliche Chips setzte, die er noch besaß (und die – in dieser Runde zumindest – ursprünglich einem Gegenwert von 15 Euro entsprachen). Einmal in der Woche treffen sich Pierre und seine Kumpels zum Pokern, sie sind Studenten, Ingenieure, Geschäftsleute, Kellner und Pädagogen.
Ihre Namen wollen sie nicht nennen und auch sonst keine personenbezogenen Angaben machen: „Pokern gilt als Glücksspiel und ist damit illegal, wir wollen gar nicht erst auf uns aufmerksam machen“, begründet Uwe lapidar die Einsilbigkeit der Zocker. Die jungen Männer fühlen sich kriminalisiert, ihre Sorge bezieht sich jedoch nicht auf die kleine Hobbyrunde: Denn während sie sich hier zum Spaß treffen und um kleine Beträge spielen, finanzieren sich einige von ihnen den momentanen Lebensunterhalt beim Online-Poker.
Das Poker-Geschäft boomt, in Supermärkten und bei Discountern werden Spielekoffer für einen günstigen Preis verkauft und zahlreiche Online-Anbieter setzen weltweit Milliarden von Euro jährlich um. Auch in Deutschland nutzen immer mehr Menschen Portale wie „Pokerstars“, „Partypoker“ oder „Fulltilt-Poker“. Laut Umfragen spielen ungefähr eine Million Bundesbürger Poker, 430.000 davon online - obwohl in der Bundesrepublik laut Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) Spiel- und Wettaktivitäten (mit einem Entgelt als Einsatz) nur in staatlich lizensierten Betrieben erlaubt sind – und Poker gilt laut Gesetz als Glücksspiel (siehe untenstehenden Bericht).
Denn viele Pokerspieler – Profis und Amateure – kritisieren, dass Poker als Glücksspiel gilt und sie somit als „Zocker“ verschrien sind. Für sie ist Pokern mehr ein Sport: Erfahrene Spieler können den Glücksanteil auf 20 Prozent minimieren, glaubt Uwe. Der Rest bestehe aus Taktik und Strategie. „Wer einmal gewinnt, kann Glück haben, wer oft gewinnt, ist ein guter Pokerspieler.“ Auch Soraya Homam beschreibt Pokern „als ein Geschicklichkeitsspiel, das strategischen Denkens bedarf“. Mit den strengen Gestzen hat sie kein Problem: „Ich habe mich damit arrangiert, wir spielen ja freiwillig. Der Gesetzgeber schreibt das so vor, daran halte ich mich.“
Uwe findet die rechtliche Grauzone des Online-Pokerns in Ordnung: „Wenn es legal wäre, müsste ich am Ende noch Steuern zahlen.“ Sein Kumpel Pierre dagegen hätte gerne rechtliche Sicherheit: „Wenn es legal wäre, könnte man Gewinne versteuern und Einsätze von der Steuer absetzen.“ Mit den Einnahmen könne der Staat dann viel effektiver Projekte zur Suchtprävention finanzieren. Er vermute sowieso, dass der Staat mit dem Monopol auf zusätzliche Einnahmen spekuliere, so Pierre. Das Suchtpotenzial schätzt Uwe als gering ein. „Entweder man ist gut – und erfolgreich, oder man verliert schnell wieder die Lust, wenn es nichts zu holen gibt.“
zurück zur Übersicht: Allgemein

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.
Facebook 'Like' wird geladen...

Karte wird geladen...


