Wohnungsmarkt grundlegend verändert

Bestellerprinzip überfordert Vermieter und Markler

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Ein neues Mehrfamilienhaus in der Nähe des Messeturms in Frankfurt: Für die Vermittlung der Wohnungen muss seit vergangenem Jahr der Vermieter bezahlen.

Frankfurt/Kassel - Seit Mitte vergangenen Jahres muss in der Regel der Vermieter für das Vermitteln einer Wohnung bezahlen. Die Makler sind in großer Not, da die Vermieter die Provision sparen wollen. Diese scheinen damit allerdings zunehmend überfordert. Von Thomas Maier

Das sogenannte Bestellerprinzip gilt auf dem Wohnungsmarkt erst seit wenigen Monaten. Doch der Markt hat sich in Hessen bereits grundlegend verändert. Darüber sind sich alle Akteure einig - vom Mieterbund bis zu den Maklern. Seit dem 1. Juni vergangenen Jahres muss ein Vermieter für die Vermittlungsgebühr eines Maklers bezahlen, wenn er seine Wohnung auf dem Markt loswerden will. Eine kleine Revolution, denn bisher war es üblicherweise der Mieter. Das neue Prinzip funktioniert aus Sicht des Deutschen Mieterbundes (DMB) gut. „Die meisten Makler halten sich daran“, sagt die Geschäftsführerin des hessischen Landesverbandes, Eva-Maria Winckelmann. Für Mieter habe sich die Lage ohnehin verbessert. Umzüge seien jetzt billiger.

Einige „schwarze Schafe“ arbeiteten mit „Lockvogel-Angeboten“, berichtet sie. Gelockt wird dabei gerne mit einer Wohnung, die sich dann aber plötzlich als vermietet erweist. Der Makler stellt dann in Aussicht, gegen eine Courtage Vergleichbares zu besorgen. Beim Amt für Wohnungswesen der Stadt Frankfurt sind zwar schon etliche Beschwerden zu Maklern eingegangen. Es sei aber bisher nur zu zwei Ordnungswidrigkeitsverfahren gekommen, berichtet Sprecher Mark Gellert. Beide seien letztlich eingestellt worden.

Feststeht, dass das Bestellerprinzip bei Maklern zu erheblichen Umsatzverlusten geführt hat. Wie hoch die sind und wieviele Makler im Mietgeschäft aufgegeben haben, dazu gibt es noch keine verlässlichen Zahlen. Nach einer Umfrage der Internetseite Immobilienscout24 sah sich bundesweit im vergangenen Herbst fast jeder zweite Makler in seiner Existenz gefährdet. Die Flurbereinigung im hessischen Maklergewerbe ist noch in vollem Gang, wie der Immobilienverband IVD Mitte bestätigt. Mieter seien als Auftraggeber für Makler uninteressant geworden, klagt Verbandssprecher Siegfried Putz in Kassel. Wenn ein Interessent eine für ihn gefundene Wohnung ablehne, dann könne der Makler dafür auch von anderen keine Provision verlangen. „Das erschwert die Lage.“

Vermietet wird nun auf eigene Faust

Die Vermieter wiederum sind seit Bestehen der neuen Regelung dazu übergegangen, ihre Wohnungen ohne Makler auf eigene Faust zu vermarkten. Inzwischen sind Start-ups aus dem Boden geschossen, die Wohnungseigentümern neben den etablierten Portalen für relativ wenig Geld eine Online-Plattform bieten.

Wer kann, der sucht als Makler sein Heil im lukrativeren Verkauf von Immobilien. Da hat sich an den Usancen nichts geändert. Der Käufer muss nach wie vor in der Regel die Courtage bezahlen. Die Frankfurter Immobilienfirma von Poll etwa macht ihren Umsatz weitgehend mit dem Verkauf. Daniel Ritter, geschäftsführender Gesellschafter bei von Poll, sieht aber auch für den Mietwohnungsmarkt wieder Hoffnung.

Das Geschäft komme derzeit teilweise wieder zurück, sagt er. Vermieter hätten erkannt, dass die eigenständige Suche aufwendig und schwierig sei. „Sie denken wieder darüber nach, einen professionellen Dienstleister zu holen.“

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Für die Vermieter sei die Suche nach Mietern „furchtbar anstrengend“, bestätigt Nikolaus Jung, Geschäftsführer vom Eigentümerverband Haus & Grund in Frankfurt. Gerade in Städten wie Frankfurt, wo der Andrang auf attraktive Wohnungen gewaltig ist, muss der Vermieter Bewerber streng vorselektieren oder Dutzende zum Besichtigungstermin einbestellen. Allerdings ist es für Makler schwer, wie einst von den Mietern auch von Wohnungseigentümern die üblichen zwei Netto-Mieten als Provision zu kassieren. Das räumt auch IVD-Sprecher Putz ein. Er bleibt dabei, dass das Bestellerprinzip nicht im Sinne des Mieters ist. „Vermieter werden versuchen, entstehende Maklerkosten auf die Miete umzulegen.“ Zumindest in den großen Ballungszentren Hessens setzt die Mietpreisbremse dafür aber Grenzen.

(dpa) 

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