Zu jung für Karriere

Wiesbaden - Grundschule, Gymnasium, Abitur. So sieht die klassische Laufbahn junger Leute aus, die studieren möchten. Felix Weimer, 16 Jahre jung, hat einen etwas anderen Weg eingeschlagen - genau deswegen stößt er auf die Hürden der hessischen Schulverwaltung. Von Alla Kopytova

Mit 13 Jahren ging der Junge aus dem Main-Taunus-Kreis mit Genehmigung des Schulamts von der Schule ab. Der hochbegabte Bub fühlte sich dort unterfordert. Kurz darauf begann er ein Informatikstudium an der Fern-Uni in Hagen. Hierfür ist kein Abitur notwendig. Jetzt, drei Jahre später, möchte Felix sein Studium abschließen. Und genau hier verfängt er sich im Dickicht des hessischen Gesetzesjungels.

Denn für den Studienabschluss bräuchte er das Abitur - dieses kann Felix aber nicht machen - er ist zu jung. In Hessen kann man das Abi als externer Schüler erst mit 19 Jahren ablegen - unter die G8-Richtlinien, bei denen das mit 17 möglich ist, fällt Felix nicht, da er vor der Regelung von der Schule abging. Das Kultusministerium lehnte seine Anmeldung zum Abitur ab.

Anwältin legt Widerspruch ein

„Das ist unverständlich“, sagt Sibylle Schwarz, Felix’ Anwältin auf Anfrage. „Wir wollen weder einen eigenen Klassenraum, noch irgendeine andere Extrabehandlung in Form eines Kinder-Abiturs. Felix Weimer soll lediglich mit anderen Abiturienten die Prüfungen schreiben dürfen.“ Nun hat sie einen Widerspruch gegen die Ablehnung des Kultusministeriums in Wiesbaden formuliert. „Es kann nicht sein, dass einem begabten Schüler derart der Wind aus den Segeln genommen wird. Es ist ja nicht so, als hätte er die Schule abgebrochen, weil er es nicht geschafft hat und nun auf eine zweite Chance wartet. Ganz im Gegenteil.“

Man kämpfe nun für eine Zulassung. Wenn das nicht klappe, sei zu überlegen, ob Felix sein Abi nicht in einem anderen Bundesland machen könne, wo die Altersbegrenzung für externe Schüler niedriger sei. Aber vorerst wolle man nichts unversucht lassen, da Felix sein Abitur sehr gerne in Hessen machen würde, sagt seine Anwältin.

Angeblich schon Jobangebot

„Er hatte bereits angefangen für das Abi zu lernen. Er hat sich den Stoff der Prüfungsfächer selbst angeeignet, sämtliche Deutschbücher gelesen und sich auf die Prüfungen vorbereitet. Er ist sehr enttäuscht, dass er abgelehnt wurde, ist aber kein Typ der aufgibt. Im Moment lernt er wieder für sein Studium. Den Stoff für das Abi 2013 wird er aber trotzdem auch vorbereiten.“

Angeblich habe Felix schon ein Jobangebot in der IT-Branche, sagte Schwarz. Aber für den bräuchte er den Bachelorabschluss, doch der bleibt ihm zur Zeit verwehrt.

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