Günter Kaspar hat die kommissarische Leitung der Markwaldschule übernommen

Ein bisschen wie im Urlaub

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Gestern: Große Stunde für Kinder an der Markwaldschule – und für ihren kommissarischen Leiter Günter Kaspar.

Mühlheim - An Mühlheims Markwaldschule hatten gestern 36 Schüler ihren Premierentag. Und Günter Kaspar wusste bis vor Kurzem noch nichts davon, dass er hier Kinder, Eltern und Verwandte begrüßen wird. Er agiert nun als kommissarischer Leiter. Von Stefan Mangold

Auf dem Weg über die Forsthausstraße zur Markwaldschule erzählt’s die Tante eines Kindes, das heute eingeschult wird, so: Ihre eigene Tochter habe nach einer Woche formuliert, nun kenne sie die Schule und wolle wieder in den Kindergarten. So schnell entwickelt sich der Frust in Schulkarrieren eher selten. In der Regel kommt für viele die Tristesse erst in den weiterführenden Zweigen. Probleme, mit denen sich die Erstklässler noch lange nicht beschäftigen müssen. Schon gar nicht an einem Tag wie heute mit Schultüte, an den sich die meisten noch im Alter erinnern dürften. Isabel Knas studierte mit den Kindern aus ihrer 3a schon vor den Ferien den Klatschrhythmus zu einem Satz aus Bachs Brandenburgischen Konzerten ein. „Die waren unglaublich nervös“, erzählt die Lehrerin, die seit zwölf Jahren an der Markwaldschule unterrichtet, hinterher. Viele Kinder erscheinen nicht nur mit den Eltern im Schlepptau, sondern auch mit Opas, Omas und Onkeln. In seiner Ansprache vergleicht Günter Kaspar die Schule mit dem Urlaub. Auch da sei es wichtig, pünktlich zu sein. Und manchmal sei es anstrengend, „wenn die Eltern mit einem auf den Berg wandern wollen“.

Anschließend gehen die Lehrerinnen Dominique Naß und Lisa Meißner mit jeweils 18 Kindern in die Klassenräume. Das entspricht einem Schnitt, um den sie Kollegen in Offenbach und Frankfurt beneiden dürften. An der Markwaldschule gab Günter Kaspar 1974 den ersten Unterricht seines Lebens. Seit 1999 führt der 63-Jährige die Waldschule in Obertshausen. Ende des Halbjahres geht der Pädagoge in Rente. Der Mann wirkt aber nicht wie einer, der es mit der Aussicht aufs Finale lässig angehen lässt. Die Markwaldschule sei auf einem guten Weg, an dem Annette Christoph, trotz ihrer kurzen Amtszeit von zwei Jahren, großen Anteil habe. Der Neubau für die Nachmittagsbetreuung sei bewilligt. Bald finden dort 170 Schüler einen Platz. Für die Waldschule in Obertshausen stehe mit Konrektorin Elke John seine Nachfolgerin fest. Die Mühlheimer Markwaldschule habe die Leitungsstelle gerade ausgeschrieben.

Viele Lehrerinnen argumentierten, sie wollten nah an den Kindern arbeiten, lieber mehr unterrichten, sich weniger Verwaltungsfragen widmen. Kaspar lässt das Argument nur zum Teil gelten. Zum einen unterrichtete auch die Schulleitung ein paar Stunden, „zum anderen lässt sich auf dem Posten viel gestalten“. Das bezieht der Dietesheimer vor allem auf die Markwaldschule. Hier komme es darauf an, den Unterricht am Vormittag inhaltlich mit der Nachmittagsbetreuung zu koordinieren. Das heißt für Kaspar auch, ausgebildete Pädagogen einzustellen und keine unqualifizierten Kräfte, die sich ansonsten nicht vom Amt vermitteln lassen.

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Bei der Nachfolgesuche für Annette Christoph, die in Frankfurt eine Schulleitung übernimmt, verwendet Kaspar eine weitere Allegorie. Er vergleicht die Ausschreibung mit Angeln: „Man braucht einen prachtvollen Wurm.“ Den sieht er zum einen in den Gestaltungsmöglichkeiten, zum anderen „in einem angenehmen und engagierten Kollegium“. Hinzu komme ein finanzieller Aspekt. Die Besoldungsgrenze für den Leitungsposten liege bei 180 Schülern. Die Markwaldschule liege im Moment bei 179. Bisher hätten besonders Alleinerziehende ihre Kinder wegen zu weniger Nachmittagsplätze abmelden müssen. Das werde sich ändern. Kaspar erwähnt noch einen weiteren Pluspunkt: „Ute Heß, die Sekretärin, leistet Arbeit, die für jeden Leiter Gold wert ist.“

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