Das war nix für Warmduscher!

Narren lassen sich beim Zug in Sprendlingen nicht unterkriegen

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Da ist Aufwärmen angesagt. Mitglieder der SG Götzenhain warten in der Lessingstraße darauf, dass es endlich losgeht.

Sprendlingen - Mutig und unerschrocken sind sie, die Sprendlinger Karnevalisten. Während fast alle umliegenden Städte absagten, zogen sie gestern bei strömendem Regen und Windböen durch die Straßen. Von Holger Klemm

„Bei schönem Wetter feiern kann jeder“, begrüßt Bürgermeister Dieter Zimmer von seiner überdachten Bühne vor der Volksbank die tapferen Narren. Allerdings ist die Zuschauerresonanz eher gering. Viele lassen sich dann doch vom ungemütlichen Dauerregen abschrecken. Das gilt nicht für die Zugteilnehmer. „Absagen hatten wir keine“, berichtet Joachim Weiß, Vorsitzender des Sprendlinger Karnevalvereins, der den Umzug organisiert. 13 Vereine mit 30 Gruppen sind unterwegs. „Wir Karnevalisten sind halt hartgesotten.“ Nicht nur von Markus Schütze, Sitzungspräsident des TSC Bimmbär, ist dieser Satz bei der Aufstellung in der Lessingstraße zu hören. Eifrig werden Schirme verteilt. Bei den Bimmbären allein sind es 79 - in rot-weiß. „Bei uns sind alle Kinder gekommen, auch die ganz Kleinen“, so Schütze.

Vor dem Wagen des SKV in der Darmstädter Straße, von dem aus Weiß die einzelnen Vereine begrüßt, versammeln sich die Gardistinnen mit Schirmen, ihre in gelb-grün. „Nach drei Böllerschüssen fangen wir an.“ Für diese sorgt der Vorsitzende durch laute Bumm-Rufe selbst. An die Spitze des Zugs stellt sich der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Götzenhain-Offenthal, der zuvor noch unter dem Dach der Aral-Tankstelle Schutz gesucht hatte. „Der Trompete macht der Regen nichts aus“, erklärt Horst Bauch, bevor er sich mit seinem Ritterkostüm einreiht.

Die Wilden Wachteln um Ex-Prinzessin Bettina Storck sind als Fliegenpilze unterwegs.

Danach ist es Zeit für die SG Götzenhain mit dem Prinzenpaar Nadine I. und Danny I. sowie dem Kinderprinzenpaar Marie I. und Linus I. Auch bei ihnen kann von Trübsal keine Rede sein. „Es war eine schöne Zeit und ein Erlebnis, das wir nicht missen möchten“, freut sich Prinzessin Nadine I. Die Regenten können auf gut 100 Auftritte in den 92 Tagen der Kampagne zurückschauen. „Wir sind überall herzlich aufgenommen worden“, versichert Danny I., der von einer ganz besonderen Erfahrung spricht. „Ich würde es wieder machen“, betont Kinderprinz Linus I, bevor er auf den Wagen klettert. „Und was machen wir jetzt an den Wochenenden?“, fragt Nadine I.

Bereits zum zweiten Mal ist die Schillerschule dabei. Passend zum Motto „Kinder dieser Welt“ tragen die in Regencapes eingewickelten Schüler Luftballons mit dem Konterfei der Erde. „Das Wetter ist heute auch nicht besser als gestern“, schaut Maria Marx etwas skeptisch, die sich auf einem der Isenburger Wagen befindet. Die Narren der Nachbarstadt sind mit Prinzenpaar, Watz, Oberlump und Mitgliedern verschiedener Vereine vertreten, um wenigstens ein wenig Zugluft schnuppern zu können, nachdem der eigene am Montag abgesagt werden musste.

Bilder zum Umzug in Sprendlingen

„Bei uns schwächeln die Männer, die wohl Angst vor einer Erkältung haben.“ So sind es vor allem die weiblichen Wilden Wachteln um die ehemalige Prinzessin Bettina Storck, die als Fliegenpilze durch die Straßen ziehen. „Wenn wir schon mit der einzige Zug im Umkreis sind, müssen wir wenigstens mit einem eigenen Wagen aufwarten.“ Christian Klementz von den Bremsern zeigt stolz auf den schmucken Westernwagen, passend zum Motto des Vereins. Mitglieder haben ihn in mühevoller Kleinarbeit zusammengebaut. Abgerundet wird der Zug durch die Rödermärker Band Spirit of Music, die Jugendfeuerwehr Sprendlingen sowie die Dreieicher Freizeit- und Volkstanz-Gruppe. Nach dem Umzug geht es schnell ins Warme. Im Bürgerhaus und abends beim Kehraus in Götzenhain klingt der denkwürdige Fastnachtsdienstag aus.

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