Zwerchfell-Marathon durch die USA

LKG-Narren zünden Feuerwerk „auf dem Highway“

In der „Krümelgarde“ stehen die jüngsten Aktiven der Langener Karneval Gesellschaft. Vier bis sechs Jahre alt sind die Kinder, die zu Disneys „Eiskönigin“ ihr tänzerisches Debüt gaben.
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In der „Krümelgarde“ stehen die jüngsten Aktiven der Langener Karneval Gesellschaft. Vier bis sechs Jahre alt sind die Kinder, die zu Disneys „Eiskönigin“ ihr tänzerisches Debüt gaben.

Langen - „Bitte schnallen Sie sich an und bringen Ihre Narrenkappe in eine aufrechte Position, wir beginnen in Kürze mit dem Landeanflug. “ Die Langener Karneval Gesellschaft geht auf Reisen und packt ihr närrisches Publikum einfach mit ein. Von Sina Gebhardt 

„LKG auf dem Highway“ lautet das diesjährige Motto der beliebten Großen Sitzung. Für vier Stunden geht es von der heimischen Stadthalle ab nach Amerika zu einem wilden Road-Trip. Um die Flugzeit zu verkürzen, wartet die erste Hälfte des umfangreichen Programms traditionell mit vielfältiger Unterhaltung auf. Gesang, Tanz und amüsante Predigten von der Fastnachtskanzel dürfen beim klassischen Teil der Großen Sitzung natürlich nicht fehlen, doch zum Auftakt gibt es eine Premiere: Erstmalig wird das Alter der Minigardisten unterboten, sodass sich nun auf der LKG-Bühne die „Krümelgarde“ präsentiert. Zwischen vier und sechs Jahren sind die Jungen und Mädchen, die zu Disneys „Eiskönigin“ ihr tänzerisches Debüt geben – und für den mutigen Auftritt vom Publikum gefeiert werden.

Kerstin Beikler heizt den fröhlich-entspannten Zuhörern mit Gesangsklassikern wie „Nur nicht aus Liebe weinen“ ein. Im Anschluss erklärt Sitzungspräsident Fred Laloi auch schon „Bütt frei!“ und das Rednerfass wird auf die Bühne geschoben. Nachdem Christoph Spelten als jüngster Redner die Messlatte hochgelegt und mit seinem kurzweiligen Exkurs zum Familienurlaub in den USA thematisch auf das Sitzungsmotto eingestimmt hat, betritt Thomas Bärtl die Bütt. Unter viel Gelächter klagt er sein Leid über die mangelnde Haarpracht, worauf das Publikum beherzt in das wiederholte Thema „Und was war mit der Glatz’? Alles für die Katz’!“ einsteigt.

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Um dem Zwerchfell Erholungsphasen zu gönnen, wird das komödiantische Programm durch tänzerische Darbietungen ergänzt: Bevor die Minigarde die Bühne für die Großen frei macht, legt Julia Sue ein großartiges Kindersolo zur Musik aus „Der König der Löwen“ hin. Dann darf auch die Senatorengarde das Tanzbein schwingen und zeigen, was in Zukunft von den „Kleinen“ noch zu erwarten sein wird.

Die mit Spannung erwartete zweite Sitzungshälfte rückt immer näher, doch vorerst bleibt das Bühnenbild noch spartanisch: Elferratsmitglied Felix Fischer macht als Rathausbeamter Klaus-Dieter Zankapfel seine Aufwartung. Mit spitzer Zunge und geistreichen Bemerkungen nimmt er sich des großen und kleinen Politgeschehens an, echauffiert sich über Dobrindts Pkw-Maut („In seiner Kindheit haben sie die Schaukel zu nah an die Hauswand gestellt.“) und bezichtigt Merkel des Plagiats: „Der Leitsatz ,Wir schaffen das’ stammt ursprünglich von Bob, dem Baumeister.“

Dann endlich ist es so weit: Vorhang auf für das Motto-Programm. Nicht nur das Bühnenbild hat sich gewaltig verändert – schillernder Glittervorhang, beleuchtete Showtreppe und Las-Vegas-Revue-Feeling – auch der Elferrat hat das Narrengewand abgelegt und sich in amerikanische Größen wie Elvis, John Wayne und Dean Martin verwandelt. Fred Laloi kommt als Freiheitsstatue daher und macht Bürgermeister Frieder Gebhardt ein Angebot, das dieser schwerlich ablehnen kann: „Ich möchte als Zierwerk den Lutherplatz schmücken.“ Zur weiteren Moderation mimt Laloi aber doch lieber den Showmaster und überlässt die Stadthallenbühne zunächst dem Solo-Trio Jessica Spelten, Franca Hunkel und Chantal Thomin.

Bilder: LKG-Sitzung in der Langener Stadthalle

Dass der finale Höhepunkt immer näher rückt, ist nun unschwer erkennbar. Nach New York und Las Vegas ist die LKG auf ihrer Reise nun in Hollywood angekommen. Andrea Laloi tritt als goldener Oscar auf den Plan, der sich herrlich komisch über das Getue auf dem roten Teppich auslässt und sein Leid klagt, wenn er von aufgespritzten Botox-Lippen geküsst wird. Zur Erheiterung der Narrenschar deklariert Sitzungspräsident Laloi, dass er dieses „Goldstück“ mit nach Hause nehmen dürfe. Als Vorletzter sorgt „Liederchaot“ Atze Bauer mit abstrus-komischen Versionen von „Dragostea din tei“, das in Wahrheit ein fränkisches Volkslied sei und „Mei Eier sin hi“ heiße, für frenetischen Applaus. Dann entführt die Präsidentengarde gemeinsam mit der Lange Latten Garde zur finalen Zeitreise durch amerikanische Musikgeschichte: von Rock’n’Roll á la Elvis über Hardrock von Kiss bis hin zur heutigen Popmusik.

Zum verspäteten Zapfenstreich nach Mitternacht ist die Stimmung ausgelassen, aber alles muss einmal ein Ende haben. Schließlich brauchen auch Narren ihren Schlaf, denn schon am Sonntag müssen sie für die Kappensitzung wieder einsatzbereit sein.

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