„Stadt vom Winter befreit“

Narren um „Die elf Babbscher“ stürmen das Rathaus

Die Tollitäten Lukas I. und Eulalia I. kamen im offenen Cabriolet, um gemeinsam mit den Narren das Rathaus zu stürmen.
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Die Tollitäten Lukas I. und Eulalia I. kamen im offenen Cabriolet, um gemeinsam mit den Narren das Rathaus zu stürmen.

Obertshausen - In einem närrischen Lindwurm marschierten die Narren, angeführt vom Karnevalsverein „Die elf Babbscher“, am Samstagnachmittag durch Hausen. Vorm Rathaus übernahmen sie die „Stadtkasse“ und den „Schlüssel“ der Verwaltung. Von Michael Prochnow

Der Lederbaron hat schon mal im Ledersessel des Bürgermeisters Platz und die Comtesse auf den Schoss genommen, verächtlich einen Aktendeckel gelüftet und getestet, wie der Hörer des neuen, nach Plastik riechenden Telefons in der Hand liegt. Ergeben führte der bisherige Rathauschef Roger Winter seine Nachfolger auch in den kleinen Sitzungssaal, Hauptamtsleiter Sebastian Zimmer folgt ihnen auf Schritt und Tritt, die Schatulle mit den Golddukaten auf Händen. Auf dem Weg dorthin ließen sich Lukas I. und Eulalia I. im offenen Cabriolet durch ihr halbes Reich chauffieren. Begleitet von den vereinten Garden, Schürzenträgern und trommelnden Node-Babbschern und ihren Kollegen der Icebreaker von der Offenbacher Stadtgarde, vom Mühlheimer Prinzenpaar Julian I. und Lisa I. sowie weiteren Fastnachtern aus der Nachbarschaft grüßten sie von der Rodau-Sporthalle durch Herrn-, Kurt-Schumacher- und Seligenstädter Straße.

Da müssen die Hausener noch ein bisschen üben, bislang hatten sie aber auch nicht viel Gelegenheit dazu: sich weit aus dem Fenster lehnen, „Helau!“ rufen und dabei winken. Viele Anwohner säumten die Parade, noch mehr hatten sich bereits auf der abgesperrten Schubertstraße versammelt. „Ihr Leut’, jetzt ist es soweit, die Stadt wird wieder vom Winter befreit!“, plärrte der Baron unter dem Jubel der Hunderter Bürger über den Platz.

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„Und wenn ihr unseren Aufmarsch seht, wisst ihr, dass es net ums Wetter geht!“, stellte der Regent mit den Pfauenfedern an der Kappe klar. „Wir sind gekomme’, um des Haus zu übernehme’. Gell, hätt’st auch net gedacht, dass wir noch mal käme!“ Roger Winter hatte „gehofft, dass ihr es schafft, des Loch zu stopfe’, was in unserem Stadtsäckel klafft“. Lukas schob den Misserfolg auf seine Vorgänger, Eulalia wurde konkret: Noch immer kein Café im Bahnhof, wetterte sie und ließ sich nicht damit beschwichtigen, dass es Ende des Jahres soweit sei.

„Im Freie’ zu schwimme’ vermisse’ mir sehr“, klagte der Rädelsführer an, doch da würden die Narren für „Bad Obertshausen am See“ aktiv werden: „Mer packe’ die Schaufel und des Schippche ei’ und grabe’ uns e Loch bis zum Thermalwasser frei!“ Winter zeigte sich versöhnlich, sah schon Öl sprudeln. „Na gut, so soll es sein, bis Aschermittwoch lass’ ich euch rein!“ Der Jubel war groß, die Icebreaker spielten auf und die Node-Babbscher zeigten, was sie in der kurzen Zeit schon gelernt haben mit ihrem mobilen Schlagwerk.

Bilder: Rathaussturm in Obertshausen

Auf dem Asphalt tanzten die Garden von den Magic Kids über Blue Butterflies und Diamonds bis zu den Blizzards in blau-weiß. Sie folgten mit den „Tieren“ der „Arche Noah“ aus der Kita Rodaustraße Lederbaron und Comtesse in einer Polonaise durch das kahle Verwaltungsgebäude. Am Springbrunnen verkauften „Blaue“ vom Vereinsring Brezeln und Wurst, Sekt, Bier und Pfläumchen. An Freitag und Samstag, 29. und 30. Januar, steigen die Kappenabende der Babbscher im Bürgerhaus, doch Karten sind bereits rar.

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