Lehren aus Köln ziehen

Polizei in Region: Sicherheit an Fastnacht auf dem Prüfstand

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Offenbach - Die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht beschäftigen zunehmend die Sicherheitsbehörden in Rhein-Main. Jetzt stehen vor allem die Sicherheitskonzepte für die Fastnacht auf dem Prüfstand. In der Bundespolitik werden härtere Gesetze diskutiert.

Fast zwei Wochen nach Silvester erstatten in Frankfurt immer noch Frauen Anzeige wegen sexueller Übergriffe. Die Polizei ermittelt inzwischen in 22 Fällen, das sind noch einmal sieben mehr als am Freitag, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Opfer seien einzelne Frauen, aber auch Gruppen gewesen. Auch bei den neu hinzugekommenen Fällen seien die Frauen angegrapscht worden. Die Frankfurter Polizei ist nach eigenen Worten auf die bevorstehenden Fastnachtstage gut vorbereitet. Polizeipräsident Gerhard Bereswill sagte dem Hessischen Rundfunk (hr): „Wir beschäftigen uns mit den Lehren aus den Kölner Vorfällen. Deshalb haben wir an Fasching mehr Beamte auf der Straße als sonst.“ Außerdem stehe man mit anderen hessischen Polizeidienststellen in Verbindung. Von dort wolle man erfahren, ob Besucherströme und auch Flüchtlingsströme an Fastnacht nach Frankfurt unterwegs seien.

Polizeipräsident Bereswill betonte, dass die Frankfurter Behörde gegebenenfalls auch die Nationalität von Straftätern nenne. „Wenn solche Informationen einen Nachrichtengehalt haben, machen wir das. So haben wir nach den Silvesterübergriffen in Frankfurt auch mitgeteilt, dass alle zehn Festgenommenen Flüchtlinge waren.“

Auch der Präsident des Polizeipräsidiums Südosthessen, Roland Ullmann, kündigte für die bevorstehenden Fastnachtsumzüge in der Region „hohe Polizeipräsenz, zusätzliche offene und verdeckte Maßnahmen, wie auch Videoüberwachungsmaßnahmen“ an. „Es handelt sich um ein auch für unsere Region neues Tatphänomen, das selbstverständlich in die Lagebewertung und Planung künftiger Ereignisse mit einzubeziehen ist“, teilte er auf Anfrage unserer Zeitung mit. Und Ullmann versprach: „Die Polizei wird alles tun, um die Sicherheit bei den Veranstaltungen während der Fastnachtstage zu gewährleisten. Dabei sind wir auch auf die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger angewiesen und bitten sie, solche Vorkommnisse sofort der Polizei zu melden.“

Hunderte demonstrieren gegen Sex-Übergriffe vor Kölner Dom 

Unterdessen erwägt die Bundesregierung, anerkannten Asylbewerbern die freie Wahl des Wohnorts unter bestimmten Umständen zu versagen. Unionspolitiker, aber auch SPD-Chef Sigmar Gabriel, begründeten die angedachte Verschärfung von Gesetzen mit der Furcht, Flüchtlinge könnten in großer Zahl in Ballungszentren ziehen und dort soziale Spannungen verstärken. Intensiv diskutierte die Koalition weiterhin über den Umgang mit straffälligen Flüchtlingen.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) brachte im hr angesichts der Flüchtlingsfrage eine Schließung der deutschen Grenzen ins Gespräch. Auch eine Verschärfung des Asylrechts sei nach den Vorfällen in Köln nötig.

Mehr als 100 Anzeigen nach Übergriffen in Köln

psh/dpa

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