Schönheitsideal wird überschätzt

Bei Sitzung der Kreppelfrauen haben alle Spaß

+
Sitzungspräsidentin Nathalie Sander begrüßt mit ihren als Hare Krishnas verkleideten Elfern als vielarmige Lakshmi.

Nieder-Roden - Farbenfroh, fantasievoll, feminin: Die Kreppelkaffeefrauen haben bei ihrer Sitzung im Bürgerhaus Nieder-Roden gezeigt, was eine Harke ist. Unter dem Motto „Indien“ wurde üppig dekoriert, mit viel Glitzer verkleidet, getanzt und auch reichlich gelacht. Von Simone Weil

Mit einem farbenprächtigen Bühnenbild und einer als vielarmige Göttin Lakshmi verkleidete Sitzungspräsidentin Nathalie Sander startet der Abend im ausverkauften Bürgerhaus. Die Elfer sind entsprechend als Hare Krishnas kostümiert und die Besucherinnen haben einen roten Punkt oder „en Dubbe“ auf die Stirn geklebt bekommen – ob der nun zu ihrem Kostüm passt oder nicht. Denn auch die Zuschauerinnen sind originell kostümiert: Eine ganze Gruppe hat sich etwa mit Bettbezug und angenähtem Kopfkissen fürs Schlafengehen feingemacht. Doch das Bett muss heute noch lange auf sie warten.

Denn auf der Bühne wird gewirbelt und gewitzt, was das Zeug hält. Bettina Hartmann lässt als Protokoller, der sich in diesem Jahr Mahatma Gandhi nennt, ein Jahr Revue passieren. Doch zunächst trennt sie sich von ihrem Schnurrbart, der zuviel Zicken macht und abzufallen droht. Wie sie sich über die großen Themen wie dem Islamischen Staat, dem FIFA-Skandal, VW, über die Bürgermeisterwahl, dem barrierefreien Zugang am Badesee bis zur Tankstellenblockade in Nieder-Roden nähert, ist famos.

Alles zur Fastnacht lesen Sie auf der Themenseite

Getanzt wird zu fetzigen Bollywood-Klängen: Kreppelgarde und Tanzgruppe Kerstin zeigen Hüftschwung und typische Handhaltungen mit originellen Choreografien. Auch die von ehemals sechs Tänzerinnen auf ein Trio reduzierten „Dollbohrer“ beweisen ihr Rhythmusgefühl. Die „Kreppelmädels“ verbinden Tanz und Kampf aus der Stadt Kanpur. Was Frauen extrem beschäftigt, sind ihre Kinder. Vor allem, wenn sie in der Pubertät sind. Davon können selbst die fünf tierischen Mamas aus dem Dschungelbuch (Nathalie Sander, Bettina Hartmann, Anja Werner, Daniela Piplak, Melanie Wörner-Förtig) ein Lied singen. Fazit: Hormone fressen Hirn.

Weil aber alles zwei Seiten hat, erzählt Helene Hartmann (19) als „Mensch mit Menstruationshintergrund“ bei ihrer Büttenpremiere von der Zeit, „in der die Eltern anfangen, schwierig zu werden“. So habe neulich die Mama so laut geschimpft, dass der Nachbar sein Zimmer mit aufgeräumt hat. Wie dem Winterspeck der Kampf angesagt wird: Melanie Wörner-Förtig und Alisa Rebmann haben aktuelle Hits umgedichtet und singen live. Sie kommen zu dem Schluss, dass das Schönheitsideal nur eine modische Zeiterscheinung ist: Ideal ist, dass sie sich selbst schön finden!

Bilder: Sitzung der Kreppelfrauen in Nieder-Roden

Rita Pfeiffer und Sabine Follmann sind im richtigen Leben Mutter und Tochter und spielen das Verhältnis von Arzt und Patient mit einem „Ärzte-Schlemmer-Block“ durch. Anja Keller und Bettina Hartmann liefern sich als „Magreta und Sannsche“ ihr Rededuell: Diesmal geht es ums Grand Slam Turnier. Missverständnisse sind dabei programmiert. Steffi Swoboda und Britta Kockmann führen vor, was „echte Fründe“ alles gemeinsam durchstehen. Elke Spahn erzählt von den technischen Errungenschaften wie Einparkhilfe und Navigationsgerät, die das Leben der Frauen nicht immer einfacher machen und wird mit einer Beifalls-Rakete belohnt.

Mit Prinzessin Tanja I., ihrem Hofstaat und der begeisternden TGS-Garde kommt besonderer Glanz ins Bürgerhaus. „Die Buntgemischten“ (Gisela Reinke, Christel Matzka, Gaby Reichenbach, Rita Pfeiffer, Birgit Stowasser, Steffi Swoboda, Sabine und Kristin Follmann) demonstrieren, was aus der Sportstunde im Radio werden kann, wenn die Oma heimlich ihren Kochsender einschaltet. Im opulenten Finale finden sich der unvermeidliche Rosen-Inder, Yoga-Damen, Hippies auf der Suche nach ihrem Guru und noch viele Gestalten mehr auf der Kreppel-Bühne ein.

Mehr zum Thema

Kommentare