Tag der Organspende

Warten auf Niere, Leber oder Herz

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Auf dem Weg in den OP: Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen.

Niere, Leber oder Herz: Mehr als 10.000 Menschen in Deutschland brauchen ein lebensrettendes Spenderorgan. Sie warten oft jahrelang - viele vergeblich.

Zum Tag der Organspende am Samstag wird daher wieder verstärkt auf das Thema aufmerksam gemacht.

Wie viele Menschen warten auf ein Spenderorgan?

Bundesweit stehen nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) rund 10.200 schwer kranke Menschen auf der Warteliste. Täglich sterben drei davon, weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ zur Verfügung steht. Allein 8000 Menschen brauchen eine neue Niere. Das sind etwa drei Mal so viele, wie Transplantate vermittelt werden können.

Welche Organe können gespendet werden?

Das sind Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Außerdem lassen sich Gewebe wie zum Beispiel Hornhaut oder Knochen verpflanzen. Im Spenderausweis können aber auch einzelne Organe ausgeschlossen werden. Rund 2900 Organe wurden 2015 nach dem Tod gespendet.

Wie viele Spender gibt es?

Als 2012 bekannt wurde, dass Ärzte an mehreren deutschen Universitätskliniken offenbar Patientendaten manipulierten und so die Vergabe von Spenderlebern beeinflussten, brachen die Spenderzahlen massiv ein. 2015 wurden insgesamt 877 Verstorbenen Organe entnommen, damit stabilisierte sich die Zahl.

Welche Voraussetzungen gelten für eine Organspende?

Der Verstorbene muss entweder zu Lebzeiten in die Organspende eingewilligt haben, oder seine Angehörigen stimmen zu. Zudem muss der Hirntod von Ärzten eindeutig festgestellt worden sein. Infrage kommen nur jene Menschen, bei denen der Hirntod vor dem Herzstillstand eintritt. Jährlich erleidet ein Prozent der rund 400.000 Menschen, die in deutschen Krankenhäusern sterben, einen Hirntod. Durch künstliche Beatmung wird der Kreislauf aufrecht erhalten, so dass Organe und Gewebe weiter durchblutet werden.

Können auch ältere Menschen spenden?

Sofern die Organe gesund und bestimmte Infektionskrankheiten ausgeschlossen sind, können sie dies tun. Es gibt immer mehr Organspender über 65 Jahre. Da aber die Wahrscheinlichkeit für Begleiterkrankungen steigt, sind laut DSO bei älteren Spendern häufig weniger Organe für eine Transplantation geeignet.

Was sind die größten Ängste?

Viele Menschen scheuen sich schlichtweg vor der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod. Andere hält die diffuse Angst vor möglichem Missbrauch oder Organhandel ab - oder sie fürchten, dass im Ernstfall nicht mehr alles medizinisch Notwendige für sie getan wird. Für Laien ist vor allem der Hirntod als Voraussetzung für die Organentnahme oft schwer nachvollziehbar, weil der Verstorbene zumeist keines der allgemein bekannten Todeszeichen aufweist. Mit Hilfe von Maschinen und Medikamenten schlägt sein Herz, und er scheint noch selbst zu atmen. Der Hirntod muss von zwei Medizinern unabhängig voneinander festgestellt werden.

Gibt es einen Entscheidungszwang?

Den gibt es nicht. In Deutschland gilt seit 2012 die sogenannte Entscheidungslösung. Jeder über 16 Jahre wird von seiner Krankenkasse aufgefordert, eine freiwillige Erklärung über seine Bereitschaft zur Organspende abzugeben.

Wo wird die Spendenbereitschaft dokumentiert?

Das passiert im Organspendeausweis. Nach einer aktuelle Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben 32 Prozent der Deutschen solch ein Dokument.

Welche Konsequenzen gab es nach dem Organspendeskandal?

Unabhängige Prüfer kontrollierten alle Transplantationszentren auf mögliche Unregelmäßigkeiten, auch künftig geschieht dies regelmäßig. Bei der Aufnahme von Patienten auf die Warteliste wurde das Sechs-Augen-Prinzip eingeführt. Zudem sind Manipulationen der Warteliste strafbar. Die juristische Aufarbeitung des Skandals ist noch immer nicht abgeschlossen. In Leipzig erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei Mediziner, auch in München ist eine Anklage gegen einen Arzt anhängig. Der erster Prozess gegen einen Göttinger Transplantationsmediziner endete im Mai vergangenen Jahres mit Freispruch.

AFP

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