Osterbasteln der Offenbacher Tafel

„Bei uns zuhause geht das nicht“

„Für die Mama“ hat der dreijährige Tristan sein bunt verziertes Osterkörbchen gebastelt; neben ihm begutachtet die vierjährige Mirabel die Deko-Küken.
+
„Für die Mama“ hat der dreijährige Tristan sein bunt verziertes Osterkörbchen gebastelt; neben ihm begutachtet die vierjährige Mirabel die Deko-Küken.

Offenbach - Basteln gehört an Ostern einfach dazu. Weil sich nicht jeder teures Material leisten kann, will die Tafel Kindern eine Freude bereiten – und lädt alljährlich zum Eierfärben. Von Julia Radgen 

Bunte Eier, Blumen und Küken aus Moosgummi hat Laila schon auf ihr Osterkörbchen geklebt. „Da muss noch Farbe dran“, sagt die Achtjährige bestimmt und tunkt ihre Hand in den Becher mit roter Fingerfarbe. Der Papptopf, aus dem ein Plastikküken und ein verziertes Osterei lugen, ist „für den Papa.“ Die pinke Tüte mit Hasengesicht verschenkt Laila nicht. „Die ist für mich!“ Wäre sie nicht beim Osterbasteln der Tafel im Stadtteilbüro Mathildenplatz, dann wohl zu Hause, mutmaßt das Mädchen. „Da wäre es langweilig, hier ist es schön“, findet Laila.

Bereits zum achten Mal organisiert die Offenbacher Tafel die Osteraktion. „Wir wollen den Kindern einfach eine Freude machen“, sagt Leiterin Christine Sparr, Viele Eltern könnten sich Osterbasteleien mit ihrem Nachwuchs finanziell nicht leisten. Gesellschaftlich sind Kinder aus ärmeren Familien schnell außen vor. „Bei dieser Aktion geht es um Zugehörigkeit und Integration.“

Für die Kinder steht klar der Spaß am Basteln im Vordergrund, nicht das christliche Fest. „Die Religion muss jeder für sich entscheiden“, sagt Sparr. Ohnehin kämen viele Muslime zur Veranstaltung im Mathildenviertel. Der religiöse Hintergrund des Fests verschwindet unter buntem Moosgummi, kleinen Stoffhasen, Tüten voller Ostergras und unzähligen Paletten vorgefärbter Ostereier.

Alles zum Osterfest

Viele „Tafel-Kinder“ sind unter den gut zwei Dutzend, die die Aktion besuchen. Im Gegensatz zur Lebensmittelausgabe ist die Veranstaltung offen für alle, sagt Sparr. 1000 Euro habe sie für die Einkäufe von anonymen Spendern erhalten. „Von meinen beiden Engeln – oder Osterhasen“, scherzt die 45-Jährige. Der „Renner“ sei der simple, aus zwei Papptellern mit Kulleraugen gebastelte Osterhase. Der elfjährige Patrick hat schon im vergangenen Jahr ein Exemplar gebastelt. „Der ist schnell kaputtgegangen, deshalb habe ich diesmal mehr getackert“, sagt er stolz. Er findet die Aktion „cool“. Auch, weil man neue Leute kennenlerne.

Florin ist zum ersten Mal und allein gekommen. „Ich gehe mit meiner Mama immer zur Tafel, da habe ich den Aushang gesehen“, erzählt der Junge. „Und Basteln finde ich toll“, fügt er lächelnd hinzu. Doch Materialien für zu Hause könne sich die Familie nicht leisten. Nun will der Schüler einen Blumentopf für seine Mutter verzieren, hinein kommt eine der bereitgestellten Primeln. Gerade bastelt er noch an einer anderen Grußkarte. Kleine Eier-Aufkleber säumen den Rand des knallgelben Papiers, auf das er in großen Lettern geschrieben hat: „Frohe Ostern, liebes Tafel-Team“.

Kreatives fürs Familienfest - Die Deko-Trends zu Ostern

Mehr zum Thema

Kommentare