Bunte Schau im Vorfrühling

30. Ostermarkt: Vom Künstler-Ei bis zum Kuschelhasen

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Der radelnde Herr mit dem Rüssel verblüffte beim Ostermarkt nicht nur kleine Besucher. Zur 30. Auflage war er als Jubiläums-Überraschung im Bürgerhaus unterwegs.

Nieder-Roden - Ostern wird es erst noch, Frühling lag schon in der Luft. Dennoch erlag am Wochenende niemand der Versuchung, den Ostermarkt im Bürgerhaus Nieder-Roden neu zu etikettieren. Drei Jahrzehnte lang war der Titel gut genug und büßte auch zur 30. Auflage nichts an Zugkraft ein.

Schon zur Eröffnung fanden sich mehrere hundert Menschen ein. Mit knapp 50 Anbietern - meist Vereine, Selbsthilfegruppen und Hobbykünstler - erreichte das zweitägige Spektakel wieder das Ausmaß der Vorjahre und gefiel mit einem kunterbunten Sortiment: Glas und Keramik fein bemalt, Kuscheltiere aus Kaninchenfell, handgemachte Teddybären, Holzarbeiten, selbst gemachten Schmuck und Garten-Deko gab es ebenso wie handgenähte Einkaufstaschen, Patchwork und Blumenarrangements. Ostern fand in Form bemalter und bedruckter Eier statt. Als Jubiläumsüberraschung radelte ein mechanischer Elefant mit Opas altem Radio durch die Halle und verblüffte nicht nur kleine Besucher.

Ein Vorgeschmack auf Ostern: Diese bunt bemalten Eier wurden zugunsten der SOS-Kinderdörfer verkauft.

Ein Selbstläufer auf eingefahrenen Gleisen ist der Ostermarkt längst. Seine Premiere erlebte er am 14. März 1987 als Experiment: In der Georg-Büchner-Schule Jügesheim hatte Helmut Krämer, seinerzeit Leiter der Volkshochschule (VHS) und am Samstag Ehrengast, Rodgaus Kreative zusammengeholt. Wie die Offenbach-Post - Krämer hatte die Ausgabe dabei - seinerzeit berichtete, stieg der Versuchsballon raketengleich: Schon ein Jahr später gab es zwei Markttage. Im Jahr 2000 zog der Markt nach Nieder-Roden um: Die Schule war zu klein geworden, um alle Künstler und ihre Kundschaft aufzunehmen. Künstlerische Hobbys lägen mehr denn je im Trend, sagte Kulturdezernent Werner Kremeier zur Eröffnung. Das zeige nicht zuletzt das Kursangebot der VHS, deren kreatives Potenzial nach wie vor hinter dem Ereignis stehe.

Das Rahmenprogramm wies den Ostermarkt als Rodgauer Gemeinschaftswerk aus. Alle Stadtteile steuerten Stimmen oder rhythmische Bewegung bei. So umrahmten die Polyvocals, der gemischte Chor der Polyhymnia Nieder-Roden, und der Chor der Gartenstadtschule die Eröffnung. Nacheinander enterten die Tanzzwerge der Sportvereinigung Weiskirchen, die Dance-Kids der SG Nieder-Roden, die Tanzgarde der TG Nieder-Roden und die Hip-Hop-Formation des TSV Dudenhofen die Bühne. Den Schlussakkord setzte die Sängervereinigung Jügesheim. Für den Sonntag hatten sich unter anderem Akteure der Freien Musikschule, die Eintracht-Sänger aus Hainhausen und der Square-Dance-Club „Witches and Wizards“ angesagt.

Ostermarkt im Nieder-Rodener Bürgerhaus: Bilder

Auch abseits der Bühne ging es nicht nur um Können und Geschäft. Zahlreiche Aussteller hatten neben Handelsware eine Botschaft mitgebracht. Der Naturschutzbund (Nabu) etwa klärte über den ökologischen Wert von Streuobstwiesen auf und warb für gemeinnützigen Wohnungsbau en miniature: Insektenhotels bieten selten gewordenen, aber wichtigen Kleinfliegern Obdach und Brutplätze. Den mainhessischen Kulturhorizont erweiterte der Verein „Plattdütsch leevt“ (Plattdeutsch lebt): Am Deich wird nicht nur anders geschnackt (gebabbelt), die eckigen Eier aus den alten Ostfriesenwitzen gibt es dort tatsächlich.

Zu den Markenzeichen des Ostermarkts zählt nicht zuletzt der karitative Hintergrund. Seit Jahren profitieren die SOS-Kinderdörfer vom Erlös. Quelle ist nicht etwa der Eintritt - der kostet traditionell nichts. Gespendet werden die Standgebühren, außerdem die Einnahmen aus der Bewirtung.

rdk

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