„Blitz-Marathon“: Temposündern an 387 Kontrollstellen auf der Spur

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    • 09.10.13
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„Blitz-Marathon“ startet morgen früh 

Temposündern an 387 Kontrollstellen auf der Spur

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Offenbach - Achtung Kontrolle! Die Polizei in Hessen beteiligt sich an einer gewaltigen Geschwindigkeitsüberwachung. Mehr als 800 Ordnungshüter sind im Einsatz, um Raser zu blitzen. Allerdings nicht um Bußgelder zu scheffeln. Sie wollen fürs richtige Tempo sensibilisieren.

© dpa

Beim ersten bundesweiten "Blitz-Marathon" nimmt die Polizei auch in Hessen Raser rund um die Uhr ins Visier. Geblitzt werden zu schnelle Fahrer von Donnerstag 6.00 Uhr bis Freitag 6.00 Uhr an 387 Kontrollstellen im Land, wie die Polizei mitteilte. 838 Beamte und Ordnungsamtsmitarbeiter seien im Einsatz. Bundesweit sind 15.000 Polizisten den Temposündern an 8600 Kontrollstellen auf der Spur. Ziel der detailliert angekündigten Aktion ist es laut Polizei nicht etwa Kasse zu machen. Die Ordnungshüter wollen eine nachhaltige Senkung des Geschwindigkeitsniveaus erreichen. Verkehrsteilnehmer sollen für das richtige Tempo sensibilisiert werden.

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In Nordhessen zahlen einige Gemeinden beim Blitzen von zu schnellen Autofahrern drauf. Im ersten Halbjahr 2013 lag das Minus für die Kommunen Bad Sooden-Allendorf, Berkatal, Großalmerode, Hessisch Lichtenau, Neu-Eichenberg und Witzenhausen bei zusammen knapp 37.000 Euro, wie die Stadt Witzenhausen mitteilte. Die sechs Kommunen teilen sich einen Ordnungsbehördenbezirk. Im Jahr 2012 betrug der Verlust 29.000 Euro. Zuvor hatte die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" ("HNA") darüber berichtet.

2010 wurden demnach noch 7769 Geschwindigkeitsübertretungen mit den mobilen Blitzeranlagen gemessen, im ersten Halbjahr 2013 dagegen nur 1029 Fälle. Als Gründe dafür nannte Witzenhausens Bürgermeisterin Angela Fischer (CDU), dass an mehreren Stellen inzwischen feststehende Anlagen installiert seien. Dieses Geld wandere in einen anderen Topf. Zudem sei die alte Blitzanlage sehr auffällig, und viele Fahrer würden über Radio und Handy-Apps gewarnt. Es werde nun in eine neue Anlage investiert, sagte sie.

Killer Nummer Eins

"Geschwindigkeit ist der Killer Nummer Eins auf deutschen Straßen. Es gibt immer wieder Tote und Verletzte", sagte der Sprecher der Polizei in Dillenburg, Guido Rehr. Das Polizeipräsidium Mittelhessen hat bei der Aktion im Land die Federführung. "Rasen ist eine Charakterfrage. Wir wollen zum Nachdenken anregen. Es geht uns nicht darum, möglichst viele Bußgelder und Anzeigen zu generieren. Wir haben nichts zu verbergen und kündigen deshalb alles an."

Polizeidirektor Manfred Kaletsch, Einsatzleiter des 24-Stunden-Blitz-Marathons in Hessen, sagte: "Geschwindigkeit entscheidet bei Verkehrsunfällen oft über Leben und Tod. Das wollen wir verstärkt ins Bewusstsein rufen." Neben den Angehörigen nehme ein schwerer Unfall auch Menschen mit, die direkt am Geschehen beteiligt sind: Unfallbetroffene, Zeugen, Feuerwehrleute, Ärzte oder Polizisten. "Ein Verkehrstoter bedeutet unendliches Leid, Wut, Schock und Trauer für die Angehörigen - durchschnittlich leiden im sozialen Umfeld bis zu 100 Menschen mit", erklärte Kaletsch.

Betroffen von der Blitzerei sind alle Straßentypen, inner- und außerorts, auch Autobahnen. Es gebe keine Schwerpunktkontrollstellen. Ganz Hessen werde in den Blick genommen, sagte er. Zum Einsatz kommen neben festinstallierten Radarfallen etliche mobile Anlagen. In Frankfurt wird den Angaben zufolge an 17 Orten kontrolliert, in Kassel seien es acht. Die mobilen Blitzer würden innerhalb der 24 Stunden an verschiedenen Orten aufgebaut.

ADAC befürwortet den "Blitz-Marathon"

Der ADAC befürwortet den "Blitz-Marathon". "Die Verkehrssicherheit wird gestärkt. Wichtig ist, dass die Überwachung mit Transparenz verbunden wird und es keine Abzocke ist", sagte Susanne Martin vom ADAC Hessen und Thüringen in Frankfurt. "Diese Aktion kann einen erzieherischen Effekt haben, wenn sie mit Aufklärung verbunden wird." Für den Lerneffekt sei eine jährliche Kampagne zu begrüßen.

Der Frankfurter Verkehrssoziologe Alfred Fuhr betrachtet den Versuch, durch Blitzen eine Verhaltensänderung zu erzielen, als untauglich: "Die Wissenschaft sagt: Das funktioniert nicht." Die Verhaltensweisen am Steuer seien viel zu stark situativ geprägt. Für effektiver hält er den Einsatz von Technik, etwa durch Navigationsgeräte oder andere Assistenzsysteme im Auto. So könnte auf Gefahrenstellen hingewiesen und auch das Tempo gedrosselt werden. Doch das Problem sei: Die Politik fördere diese Systeme nicht. "Man will ja bei den Autofahrern keine potenziellen Wähler verprellen." Und die Autoindustrie setze ohnehin auf ungetrübte Fahrfreude. "Aber auch die Frage der Haftung, wenn solche Computersysteme mal abstürzen, ist ungeklärt", sagt Fuhr.

Der Leiter Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann, ist skeptisch, was die Nachhaltigkeit der Aktion anbelangt: "Die Aufmerksamkeit fürs Thema wird gesteigert - schon mal gut. Der gesellschaftliche Diskurs wird angeregt." Gut möglich sei aber, dass danach wieder Gas wie eh und je gegeben werde, sagte Brockmann.

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Niedergelassener Verkehrspsychologen, Rüdiger Born, begrüßte den "Blitz-Marathon". "Es ist vernünftig, den Menschen das Thema ins Bewusstsein zu rufen, womöglich wird der ein oder andere das Tempolimit auch beibehalten, weil er das Fahren als angenehmer und stressfreier empfindet." Er regte an, die Langzeitwirkungen des "Blitz-Marathons" zu überprüfen.

"Rasen ist kein Kavaliersdelikt", betonte Andrea Ackermann, Sprecherin bei der Polizei in Offenbach. "Ähnlich wie Alkohol am Steuer dürfen Verkehrsteilnehmer das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen." Der "Blitz-Marathon" solle keine einmalige Aktion in Hessen bleiben. Die Initiative könne manchen Autofahrer zum Umdenken animieren. Von großangelegten Tempokontrollen zuvor in NRW sei die Rückmeldung bekommen: "Das war ein total entspanntes Fahren." In Nordrhein-Westfalen gab es bereits viermal 24-stündige Tempokontrollen. Die Überwachungsstellen werden dabei vorab bekanntgegeben. Beim bislang letzten, vierten "Blitz-Marathon" waren etwa 28.000 Autofahrer mit zu hoher Geschwindigkeit erwischt worden. 700.000 wurden kontrolliert.

dpa

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