Die Uni-Klinik sagt Krebspatienten, ob ein Zusatzmittel ihnen hilft oder schadet

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    • 16.03.10
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Die zwei Seiten der Mistel

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Frankfurt ‐ Es passiert jedes Jahr 440.000 Mal in Deutschland und 32 000 Mal in Hessen. Ein Patient erhält seine Diagnose: Krebs. Von Michael Eschenauer

© op-online

Von der so genannten Alternativen Medizin hält Dr. Jutta Hübner von der der Frankfurter Universitätsklinik rein gar nichts.

„Eine der ersten Fragen, die die Menschen stellen, ist: ‘Was kann ich selbst tun, um die Therapie zu verbessern?‘. Das ist ein Geschenk für uns Ärzte, denn der Patient will uns helfen. Aber wir müssen gute und richtige Antworten geben, sonst wandern die Leute ab in die so genannte Alternative Medizin.“ Von der hält Dr. Jutta Hübner, die diesen Satz sagt, rein gar nichts. Seit 1. November leitet sie in der Frankfurter Universitätsklinik die Abteilung „Komplementäre Onkologie“.

Der Bereich am Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT) beschäftigt sich mit „natürlichen“ Therapieverfahren und Präparaten, die die medizinische Krebstherapie unterstützen, aber nicht wie beim alternativen Ansatz ersetzen sollen. „Moderne Medizin ist ganzheitlich. Wir führen schulmedizinische und natürliche Therapieformen zusammen“, so Dr. Claus Rödel, Klinischer Direktor des UCT bei der Vorstellung der neuen Einrichtung. Bundesweit ist sie die erste ihrer Art. Hübners Kundenkreis sind jene 8000 Krebskranken, die alljährlich in die Uni-Klinik kommen, um Heilung zu finden.

Leute schlucken einiges, um Heilungschancen zu verbessern

Man wisse aus Studien, dass bis zu 90 Prozent aller Krebspatienten „zusätzlich was machen“, so Hübner. Das heißt, praktisch alle nehmen außer den von den Ärzten verschriebenen Medikamenten pflanzliche Mittel oder Nahrungsergänzungsmittel. Hier setzen die neue Abteilung und die hier eingerichtete Sprechstunde an. Die Wissenschaft weiß bisher, so die ehemalige Chefärztin der Onkologie der Habichtswald-Klinik in Kassel, recht wenig über Mistel, Selen und Co. „Es gibt mehr Daten und auch mehr spannende Ansätze im Tierversuch oder im Labor als man denkt, aber die müssen in eine Struktur gebracht und geprüft werden.“ Aufgabe des UCT, in dem alle Krebsspezialisten zusammenarbeiten, und speziell der Abteilung Komplementäre Onkologie sei es, die Studien voranzutreiben, selbst zu forschen und die Ergebnisse in die Debatte zu tragen.

Die Leute schluckten, so Hübner, einiges in der Hoffnung, die Heilungschancen zu verbessern. Dumm sei nur, dass dies oft ohne Kontrolle geschehe und ohne zu klären, wie sich das Zusatz-Präparat mit der Kanonade der übrigen Medikamente vertrage. Die Chance der Komplementären Onkologie liegt nach ihrer Einschätzung ohnehin weniger darin, dass durch sie Heilungsquoten explodieren, sondern darin, dass der Patient die Belastungen der Therapie länger erträgt - was am Ende dann doch die Heilungschancen verbessern kann.

Hinweise, dass Ginseng gegen Tumor-Zellen wirkt

Die Nutzen-Kosten-Analyse der Zusatz-Präparate ist von Fall zu Fall verschieden. Da ist zum Beispiel das Selen. Nach Erfahrung der Krebsspezialisten besteht hier immerhin kaum Gefahr, dass es kontraproduktiv wirken könnte. Selen entgifte, so Hübner, zeitige einen gewissen Schutz vor Krebs und wirke in der Therapie derart, das es die gesunden Zellen schütze, die Krebszellen dagegen für die Präparate verletzlicher mache. Gut seien auch Omega 3-Säuren, die die oft bei Krebskranken auftretenden Entzündungen und den Gewichtsverlust minderten. Im Versuchsstadium sind Zusatzmedikamente, die Nervenschäden im Zuge der Behandlung entgegenwirken. Vitamin D habe eine Krebs hemmende Wirkung und beuge der Gefahr der Osteoporose vor. Bei Ginseng gebe es Hinweise, dass es gegen Tumor-Zellen wirken könnte, es könnte aber auch die Chemo-Therapie abschwächen.

Bei Mistel seien die Studien nicht eindeutig. Gut belegt sei dagegen hier die Immunstimulation und die Steigerung der Lebensqualität. Das Thema Mistel verlange ebenso nach zusätzlicher Forschung wie die homöopathischen Ansätze in der Krebstherapie. Hoffnungsvoll beurteilt Hübner die Chancen von Artesunate, einer Substanz aus dem Einjährigen Beifuß, bei der Komplementären Krebstherapie. Vorsicht ist bei Johanniskraut geboten. Es kann die Chemotherapie negativ beeinflussen. Ingwer hilft gegen Übelkeit, ist aber auch nicht mit jedem Medikament kompatibel. Auch bei Weihrauch müsse, so Hübner, die Frage geklärt werden, ob es zur Chemotherapie passe.

Für Patienten der Uni-Klinik bringt die Beratung durch die „Ambulanz für Komplementäre Onkologie“ keine zusätzlichen Kosten. Ambulante und externe Besucher müssen mit 50 und 100 Euro für eine Beratung rechnen. Eine Terminvereinbarung ist unter Tel.: 069-6301-5814 möglich.

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