Entschuldungsfonds, Rettungs-, kommunaler Schutzschirm, oder auch „Knirps“: Bürgerversammlung in Dietzenbach 

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    • 09.05.12
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Zeit, die Standards zu überdenken

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Dietzenbach - Entschuldungsfonds, Rettungs-, kommunaler Schutzschirm, oder auch „Knirps“ – das vom Land Hessen geschnürte, rund drei Milliarden Euro teure Paket für bis zu 106 stark verschuldete Kommunen und Landkreise, hat schon manch einen Namen erhalten. Von Nina Beck

„Kommunen werden aber damit weder entschuldet, noch gerettet“, sagte Bürgermeister Jürgen Rogg am Montagabend bei einer Bürgerversammlung zum Thema. Die Diskussion um den Schutzschirm biete gleichwohl Chancen, einerseits die Entschuldungshilfe selbst („wir brauchen jeden Euro“), andererseits den Druck, intensiv an der Haushaltskonsolidierung zu arbeiten. Und die Kommunen könnten nun Innen- wie auch Finanzministerium demonstrieren, was sie bereits alles an Leistungen erbringen. Aus seiner Sicht gebe es keine Alternative zum Schutzschirm, so Rogg.

Das Interesse an der Bürgerversammlung war groß, der Parlamentssaal voll. Auch etliche Lokalpolitiker, Verwaltungmitarbeiter, Vertreter von Vereinen, Verbänden, Einrichtungen und Initiativen hatten sich eingefunden, um zu hören, was Gastreferent Karl-Christian Schelzke, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebunds, zum Thema zu sagen hatte. Der warb vor allem dafür, „die Bürger mitzunehmen“ bei den anstehenden Entscheidungen und seitens der Politik einen offenen, ehrlichen Dialog zu führen. „Da muss man sich auch mal trauen, zu sagen: Hier oder da haben wir einen zu hohen Standard“, so Schelzke. Nur beispielhaft nannte er Ansatzpunkte wie etwa Friedhofsgebühren oder Digitalfunk, interkommunale Zusammenarbeit oder auch die Übernahme von Sporteinrichtungen durch Vereine.

Investieren in soziale Leistungen

Gerade eine Stadt wie Dietzenbach müsse auf der anderen Seite investieren, besonders in soziale Leistungen. „Sonst wird es in wenigen Jahren deutlich mehr kosten, was Sie für Sicherheit ausgeben müssen.“ Hier biete sich die Chance, dem Land klarzumachen: Wir brauchen diese Ausgaben, etwa für Jugend und Soziales, dringend. Entsprechend könne man zunächst weniger als die empfohlenen 100 Euro pro Einwohner und Jahr einsparen.

Schelzke erachtet es als sinnvoll, am Schutzschirm teilzunehmen. „Wenn Sie das nicht tun, werden Sie die selben Auflagen spätestens in zwei, drei Jahren von der Kommunalaufsicht bekommen. Mit dem Unterschied, dass die finanzielle Unterstützung dann fehlt.“ Dennoch machte er kaum Hehl aus seiner Ansicht, der kommunale Finanzausgleich müsse überarbeitet und das Land stärker in die Pflicht genommen werden („Wer bestellt, bezahlt“).

„Wäre es nicht sinnvoller, alle Kommunen träten gemeinsam für Verbesserungen beim Finanzausgleich ein?“, fragte denn auch ein Besucher. „Wir fahren zweigleisig“, antwortete Rogg darauf. „Jetzt stellen wir auf jeden Fall erstmal den Antrag.“

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Harald Reiss

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