Heinz Buschkowsky stellt Buch „Neukölln ist überall“ in Dietzenbach vor

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    • 13.12.12
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Heinz Buschkowsky stellt Buch vor

Wegweisendes mit Kalauern frech verpackt

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Dietzenbach - „Nein, es schuckelt sich gar nichts.“ Heinz Buschkowsky, Bürgermeister des Berliner Verwaltungsbezirks Neukölln und gerne auf Leserreise unterwegs, gibt auch bei seinem Besuch in Dietzenbach mit Vorliebe die „Berliner Schnauze“. Von Barbara Scholze

Über Probleme mit der Integrationspolitik sprach Heinz Buschkowsky (SPD) auf Einladung der CDU in Dietzenbach. Konkrete Ratschläge für die Kreisstadt hatte er aber nicht im Gepäck. 

© Towae

Über Probleme mit der Integrationspolitik sprach Heinz Buschkowsky (SPD) auf Einladung der CDU in Dietzenbach. Konkrete Ratschläge für die Kreisstadt hatte er aber nicht im Gepäck. 

Auf Einladung des CDU-Stadtverbandes erzählt der seit 39 Jahren der SPD angehörige Verwaltungswirt im fast voll besetzten Capitol des Bürgerhauses vom Alltag in seiner Stadt, die allenthalben als Synonym für misslungene Integrationspolitik gilt. Von selbst schuckeln, also richten, werde sich da sicher nichts, betont Buschkowsky, wenn er von Parallelgesellschaften und Bildungsferne spricht.

Aufgeschrieben hat er seine Kritik an dem derzeitigen Mit- oder Gegeneinander der Kulturen samt Ideen zur Abhilfe in dem Sachbuch „Neukölln ist überall“. Konkrete Ratschläge für Dietzenbach habe er dennoch nicht im Gepäck, hält Buschkowsky gleich nach der Begrüßung durch den CDU-Vorsitzenden Helmut Butterweck fest. „Ich kenne die Verhältnisse in ihrer Stadt nicht.“ Unter der Moderation von Christoph Zöllner, Dietzenbacher Redaktionsleiter unserer Zeitung, tun sich den Zuhörern dennoch während der fast dreistündigen Veranstaltung etliche Parallelen zur Kreisstadt auf. Mancher Dietzenbacher aus Begeisterung erkennt sich wieder, wenn der viermalige Bezirksbürgermeister trotz der Probleme angesichts eines Neuköllner Migrantenanteils von etwa 40 Prozent voller Herzblut von seinem Quartier spricht.

In einem geradezu leidenschaftlich vorgetragenen Werbeblock berichtet Buschkowsky von einem lebendigen Berliner Bezirk mit reichlich Kultur und interessanten Unternehmen. „Auch wenn Neukölln den Ruf hat, dass die Bewohner sich mit dem Stahlhelm auf dem Kopf durch die Schützengräben zur Arbeit robben“. Dennoch: Eine Ansammlung von mehr als 315.000 Einwohnern, darunter 128 000 mit Migrationshintergrund, bringt Probleme. Und die benennt der Bezirksbürgermeister mit deutlichen Worten, auch auf das Risiko hin, einmal mehr als Populist, fremdenfeindlich oder sozialchauvinistisch verurteilt zu werden. Wichtig ist Buschkowsky dabei, das Thema über Parteigrenzen zu erheben. Er befinde sich durchaus auch in Divergenzen zur „Funktionärsschaft“, gibt er zu. „Aber ich betrachte mich nicht als politischer Fahnenträger, Integrationspolitik sollte für alle interessant sein“.

Heinz Buschkowsky: Lesung in Dietzenbach

Dass Multikulti gescheitert sei, beruhe nicht nur auf der Lebenslüge, die Einwanderer zögen irgendwann wieder in die alte Heimat zurück. „Es stimmt auch nicht, dass die Symbiose einer neuen Gesellschaft entsteht, wenn viele Kulturen aufeinandertreffen.“ Buschkowsky bestreitet nicht die „Mehrzahl gelungener Integrationskarrieren“, stellt jedoch in Buch und Rede das in den Mittelpunkt, was nicht funktioniert. So brauche Deutschland dringend ein Konzept zur Einwanderung, es müsse endlich Schluss sein mit „Zufallseinwanderungen“. Dabei lässt er keinen Zweifel daran, dass die Menschen, die hierher kommen, dringend gebraucht werden. „Einwanderungspolitik ist das Überlebenstraining unserer Gesellschaft.“ Ein Leben im Ruhestand werde künftig nur mit Zugezogenen möglich sein.

Voraussetzung für die deutsche Zukunft seien sowohl Menschen, die sich integrieren wollen als auch eine Gesellschaft, die aufnahmebereit sei. Vor allem beim ersten Punkt läuft es in des Bürgermeisters Alltag alles andere als rund. Buschkowsky erzählt von bildungsfernen Eltern, die Kinder eher als Einkommensquelle denn als künftige Stütze der Gesellschaft betrachten. Und von Nachwuchs ohne Perspektive. „70 Prozent der jungen Männer, die in unserer Innenstadt leben, sind Kunden im Jobcenter.“ Dabei gebe es keinen objektiven Grund, warum ein junger, gesunder Mensch im Netz der Gemeinschaft hänge. Jeder Einwanderer habe die Pflicht, der Gesellschaft zu nutzen und sie zu stärken. Das betreffe insbesondere auch die sogenannten bildungsfernen Eltern. „Es geht um die Kinder, bei denen zuhause kein Buch im Schrank steht, weil es sowieso keiner lesen könnte.“

Plädoyer für Umorganisation des Bildungssystems

Nach dem Motto „Wir dürfen nicht zulassen, dass Eltern die Zukunft ihrer Kinder verbauen“, setzt der Bürgermeister auf eine Umorganisation des Bildungssystems. Er möchte „echte“ Ganztagsschulen, also in gebundener Form, eine Kindergartenpflicht und ein zweigliedriges Schulsystem. „Das sind konsequente Bausteine.“ Dabei sei die verpflichtende Vorschulerziehung weder eine Entmündigung der Eltern noch eine sozialistische Einheitserziehung. Dem seiner Ansicht nach „unsinnigen Betreuungsgeld“ erteilte er kalauernd eine Absage: „Erst geben wir zwölf Milliarden Euro aus, um U3-Plätze zu schaffen, und dann bezahlen wir dafür, dass sie keiner annimmt.“ Was das Thema Schule angehe, so habe Berlin inzwischen eine Schulform, bei der an allen Schulen ein Abitur erreichbar sei. „Wir wollen keine Ausländerresteschule mehr, die Hauptschule hat sich überlebt.“

Von den 400 Zuhörern erfährt Buchautor Buschkowsky oft lautstarken Beifall, manchmal bedient er die Erwartungen auch mit grenzwertig spöttelnden Aussagen. „Kommt das Kind nicht in die Schule, kommt das Kindergeld nicht auf das Konto“, heißt es beim Thema Schulschwänzer. Und gefragt nach der Burka, dem Ganzkörperschleier, sagt er: „Ich weiß nicht, wie viele Trägerinnen es in Neukölln gibt, weil ich nicht weiß, ob es immer dieselben sind.“

Dabei gibt es zwischen den Kalauern allerhand Wegweisendes – auch für Dietzenbach. Von Moderator Zöllner nach den Handlungsmöglichkeiten eines Kommunalpolitikers gefragt, sagt Buschkowsky: „Ich fühle mich weder zahnlos noch gelähmt, Politik entwickelt sich immer durch gesellschaftliche Diskussion.“

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