„Ach, guck mal dort, das putzige Fahrrädchen“, zeigt eine Dame auf ein kunstvoll gefertigtes „Drahtgestell“. Nebenan leuchtet ein knallrotes „Käferchen“, das Mini-Abbild des weltbekannten Volkswagens. Es sind nur drei von vielen Exponaten der Schau „Kreative Einfälle für Abfälle“, die seit Samstag im Dreieich-Museum zu sehen ist.
Sie zeigt auch Fantasiegefährte, hergestellt aus Abfallteilen; daneben gibt ein Foto Einblick in die „Werkstatt“ des Künstlers in Afrika. Dort gibt es eine aus der Not geborene Kreativität, viele der Kunstwerke werden zum Broterwerb hergestellt.
Hans Schmidt, einst Kunstlehrer an der Goetheschule in Neu-Isenburg, engagierte sich schon in den 70er Jahren in der Dritten Welt und brachte von seinen zahlreichen Reisen bewundernswerte „Erfindungen“ mit, die Einheimische aus Dosen, alten Autoreifen oder anderem Industriemüll gemacht haben. Einiges davon ist in der neuen Ausstellung zu sehen.
„Damals war er mein Schüler, heute ist er Landrat“
Zu deren Eröffnung trafen sich auch zwei alte Bekannte wieder: „Damals war er mein Schüler, heute ist er Landrat“, zeigt Schmidt auf Oliver Quilling. Der nutzte die Gelegenheit und zeigte sich sehr erfreut, was aus dem Dreieich-Museum nach der Übernahme durch den Geschichts- und Heimatverein Dreieichenhain geworden ist. „Ich bin heute das erste Mal nach der Übergabe der Trägerschaft vom Kreis an den Verein hier, und ich kann nur allen großes Lob aussprechen“, wandte sich Quilling an den Vorsitzenden Detlef Odenwald. Der Landrat ging dann auf die einst auf das Überleben ausgerichtete Kreativität ein, die durch das deutsche Wirtschaftswunder abgelöst und heute durch die Wegwerfgesellschaft ersetzt worden sei. „Können wir es uns noch erlauben, so viel Dinge, angefangen von Nahrungsmitteln bis hin zu ganzen Autos, wegzuwerfen?“, fragte er in die Runde. Er hoffe, dass durch die Schau so mancher wach gerüttelt werde und sein Verhalten hinterfrage.
Parallel zur Ausstellung sind die Ergebnisse eines Kunstprojektes der Weibelfeld- und der Ricarda-Huch-Schule mit Partnerschulen aus Tansania zu sehen. Schüler in den hiesigen Schulen haben das afrikanische Land aus ihrer „Vision“ heraus - so, wie sie es zu kennen glauben - gemalt. Die Schüler in Afrika haben wiederum Deutschland aus ihrer Sicht dargestellt. „Auch diese Ergebnisse bringen uns überraschende Erkenntnisse“, meint Museumsleiterin Corinna Molitor.


















