Schau „Kreative Einfälle für Abfälle“ im Dreieich-Museum

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    • 23.04.12
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Das zweite Leben der Blechdose

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Dreieichenhain - Ein Lastwagen, hergestellt aus einer einzigen Olivenöl-Dose, der Aufdruck „Azeite“ ist noch gut erkennbar, zieht sofort die Blicke der Besucher auf sich. Von Leo F. Postl

© Postl

Die Kunstschülerinnen Isabel Janicki, Grace Lau und Mateija Micic unter einer Arbeit aus Afrika.

„Ach, guck mal dort, das putzige Fahrrädchen“, zeigt eine Dame auf ein kunstvoll gefertigtes „Drahtgestell“. Nebenan leuchtet ein knallrotes „Käferchen“, das Mini-Abbild des weltbekannten Volkswagens. Es sind nur drei von vielen Exponaten der Schau „Kreative Einfälle für Abfälle“, die seit Samstag im Dreieich-Museum zu sehen ist.

Sie zeigt auch Fantasiegefährte, hergestellt aus Abfallteilen; daneben gibt ein Foto Einblick in die „Werkstatt“ des Künstlers in Afrika. Dort gibt es eine aus der Not geborene Kreativität, viele der Kunstwerke werden zum Broterwerb hergestellt.

Wie erfinderisch Not machen kann, will Kurator Hans Schmidt mit der neuen Ausstellung zeigen. Was nach dem Krieg auch hierzulande alles aus „Kriegsschrott“ entstand, ist etwa aus heutiger Sicht immer noch verwunderlich. Damals wollten die „Künstler“ freilich mit den selbst geschaffenen Behältnissen oder Werkzeugen nur ihre Not meistern. Doch auch heute noch finde man in armen Ländern solche Produkte jener „Alltagskultur“, die uns glücklicherweise nicht mehr bekannt ist.

Hans Schmidt, einst Kunstlehrer an der Goetheschule in Neu-Isenburg, engagierte sich schon in den 70er Jahren in der Dritten Welt und brachte von seinen zahlreichen Reisen bewundernswerte „Erfindungen“ mit, die Einheimische aus Dosen, alten Autoreifen oder anderem Industriemüll gemacht haben. Einiges davon ist in der neuen Ausstellung zu sehen.

„Damals war er mein Schüler, heute ist er Landrat“

Zu deren Eröffnung trafen sich auch zwei alte Bekannte wieder: „Damals war er mein Schüler, heute ist er Landrat“, zeigt Schmidt auf Oliver Quilling. Der nutzte die Gelegenheit und zeigte sich sehr erfreut, was aus dem Dreieich-Museum nach der Übernahme durch den Geschichts- und Heimatverein Dreieichenhain geworden ist. „Ich bin heute das erste Mal nach der Übergabe der Trägerschaft vom Kreis an den Verein hier, und ich kann nur allen großes Lob aussprechen“, wandte sich Quilling an den Vorsitzenden Detlef Odenwald. Der Landrat ging dann auf die einst auf das Überleben ausgerichtete Kreativität ein, die durch das deutsche Wirtschaftswunder abgelöst und heute durch die Wegwerfgesellschaft ersetzt worden sei. „Können wir es uns noch erlauben, so viel Dinge, angefangen von Nahrungsmitteln bis hin zu ganzen Autos, wegzuwerfen?“, fragte er in die Runde. Er hoffe, dass durch die Schau so mancher wach gerüttelt werde und sein Verhalten hinterfrage.

Die Ausstellung ist bis zum 5. August im Dreieich-Museum zu sehen, geöffnet ist samstags und sonntags, 14 bis 18 Uhr.

„Kennt jemand noch das?“, fragte Schmidt und hielt eine Henkeltasse in die Höhe. „So eine hatte früher jeder Schüler“, erinnerte er an seine Schulzeit. Warum Menschen aus Konsumgesellschaften Henkeltassen aus Dosenblech oder Autos aus Abfall so faszinierend finden? „Uns ist die Kreativität verloren gegangen und die versuchen wir nun mit pädagogischem und finanziellem Aufwand wieder zu fördern“, sagt der Kurator. „In der Dritten Welt ist dies alles für die Kinder eine Selbstverständlichkeit.“

Parallel zur Ausstellung sind die Ergebnisse eines Kunstprojektes der Weibelfeld- und der Ricarda-Huch-Schule mit Partnerschulen aus Tansania zu sehen. Schüler in den hiesigen Schulen haben das afrikanische Land aus ihrer „Vision“ heraus - so, wie sie es zu kennen glauben - gemalt. Die Schüler in Afrika haben wiederum Deutschland aus ihrer Sicht dargestellt. „Auch diese Ergebnisse bringen uns überraschende Erkenntnisse“, meint Museumsleiterin Corinna Molitor.

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