Wenn Michael Quast mit seinen Rezitationen bekannter und unbekannter Balladen loslegt, können Deutschlehrer einpacken. Zum dritten Mal in Folge hat das Multitalent die Spielsaison der Kunstbühne Löwenkeller eröffnet; und dabei mit seinem Programm „Sex and Crime“ gezeigt, dass Gedichte alles andere als ein alter Hut sind.
Willkommen zu einem kleinen Ausflug in die Literaturgeschichte. „Es geht um verbotene Liebe, Mord, Leichenschändung und Zombies, also der Stoff, aus dem große Kinoerfolge sind“, scherzt Quast. Der Schauspieler, Komödiant, Produzent und Regisseur präsentiert ein Potpourri deutscher Balladen – mal voller Ironie und Witz, mal melodramatisch und tragisch. Im Gepäck hat der gebürtige Heidelberger bekannte Dichter wie Theodor Fontane („Die Brück’ am Tay“) und natürlich die weltberühmten Beiden, Goethe („Der Fischer“) und Schiller („Der Handschuh“). Aber auch Schätze von eher unbekannten Poeten wie Samuel Christian Pape („Die Kleine“) holt Quast zum Vorschein.
Ganz nebenbei spickt der Künstler sein Programm mit Wissenswertem rund um Dichter und Dichtkunst. Intertextuelle Bezüge zwischen Fontanes „Die Brück’ am Tay“ und Shakespeares „Macbeth“ werden hergestellt und der Ausgang von Goethes und Schillers Kampf um den „Sieg nach Punkten“ im Balladenjahr 1797 präsentiert. Und natürlich hat Quast auch auf die Frage „Was will der Dichter uns damit sagen?“ eine Antwort: „Es gibt immer viele Interpretationsmöglichkeiten. Das Tolle bei Goethe ist, dass alles stimmt.“
Ob laut oder leise, ob komisch oder bewegend, der Komödiant bringt den Zuhörern die „Soaps vergangener Jahrhunderte“ unterhaltsam näher. Mit viel Applaus verabschiedet sich das Publikum von Quast und bedankt sich für die wohl kurzweiligsten Lehrstunden seines Lebens.


















