Prozess um Kindesmissbrauch in Offenbach: 60-Jähriger muss für fast fünf Jahre in Haft

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    • 19.04.12
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Für die Beweise selbst gesorgt

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Offenbach (gel) - Für Material, das alle Zweifel beseitigt, hat der 60-jährige Offenbacher Baggerfahrer selbst gesorgt. Die von ihm geschossenen Fotos der Verbrechen und die Videovernehmungen der Mädchen N. (9) und A. (3 ½) bestätigten den schlimmen Verdacht.

Selten ist die Beweislage bei sexuellem Missbrauch so eindeutig, selten wird ein Täter ohne Vorstrafe so hart verurteilt.

Am Landgericht Darmstadt erging ein solches Urteil: Wolfgang K. muss wegen erdrückender Beweislage vier Jahre und zehn Monaten hinter Gitter, der Haftbefehl wird aufrecht erhalten (wir berichteten). Staatsanwalt Friedemann Vorländer hatte sechs Jahre gefordert, er klagte als besonders strafverschärfend die Schwere der Tat beim Kleinkind A. und das scheibchenweise Geständnis von K. an: „Die Tataufklärung erfolgte fast nur durch die Beweismittel und wenig bis gar nicht durch K.“ Außerdem fehle es dem 60-Jährigen an Reue: „Er zeigte große Scham, aber keine Einsicht.“

K. hatte an den drei Prozesstagen zwar das Kerngeschehen eingeräumt, dies aber immer wieder auf seine Alkoholisierung geschoben – für die Staatsanwaltschaft lediglich Schutzbehauptung und Erklärungsmodell in der Hoffnung auf Strafmilderung. Genauso schätzte auch die Kammer die Sachlage ein. Richterin Andrea Röhrig: „Die Angaben zur Höhe des Alkoholkonsums während der angeblichen Tatzeit sind nicht glaubhaft. Bei solchen Werten wären erhebliche Ausfallerscheinungen da gewesen, was aber niemand der anwesenden Zeugen bestätigen konnte.“

„Ich bin nicht pädophil“

Die Vertreterin der Eltern von A., Friederike Vilmar, ging sogar noch einen Schritt weiter. Für sie sind Fotoaufnahmen in solchem Zustand quasi unmöglich, ist das Vorgehen K.s alles andere als amateurhaft. Vilmar: „Wo kommt in diesem alkoholbeträufelten Zustand die Kamera her? A. und N. sind doch nur die Spitze des Eisbergs!“ Die Anwältin nahm in ihrer Empörung kein Blatt vor den Mund: „Das Einzige, was Ihnen richtig leid tut, ist Ihre jetzige Situation und die Ihrer Lebensgefährtin.“

Als besonders kinderfreundlich beschreiben Nachbarn K., er spielte mit ihnen im Hof, ließ sie gewähren. Das war allerdings nicht immer so, sondern erst seit 2009, als eine Familie mit Nachwuchs in sein Haus einzog. Womöglich entdeckte er erst da seine Vorliebe für Kinder. Er begann, sich selbst in Aktposen abzulichten, speicherte Unmengen von Fotos im PC. In immer kürzeren Abständen trank er immer größere Mengen bei nachbarschaftlichen Grillfesten. Bei solch einem soll es zur Tat an der kleinen A. gekommen sein, als er sich im Schuppen eine neue Hose anziehen wollte und sie ihn dabei überraschte.

„Es tut mir leid. Mir ist so was vorher nie passiert. Ich bin nicht pädophil!“ K.s Worten Glauben zu schenken fällt schwer. Zu abgeklärt wirken seine Worte, zu unberührt klingt die Tonlage.

Rubriklistenbild: © HHS/pixelio.de

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