Um diese Einschätzung zu untermauern, verweist er auf Berechnungen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf. Der Sprecher des Deutschen Wetterdienstes berichtet über ein Verhältnis eins zu 20: Jeder Euro, der in die Offenbacher Einrichtung investiert wird, bringe etwa 20 Euro volkswirtschaftlichen Nutzen, weil mit den Warnungen beispielsweise schwere Schäden verhindert werden können. „Mindestens 80 Prozent der Wirtschaft hängt vom Wetter ab“, schätzt Lux. Ohne Vorhersagen hebe kein Flieger ab, kein Schiff steche in See.
Etwa 30.000 Warnungen gibt der Deutsche Wetterdienst im Jahr heraus. Sie werden mit dem „SX-9“ berechnet. Der Riesencomputer besteht aus mehr als 200 schwarzen Schränken, so groß wie Telefonzellen. Zudem greift der Wetterdienst auf die Daten von rund 20 Satelitten zurück. Sie werden gemeinsam mit anderen Staaten genutzt, nicht zuletzt, weil die Späher am Firmament enorm teuer sind. Die Finanzminister lassen sich nach den Worten von Lux aber von solchen Investitionen überzeugen. Denn: „Eine Welt ohne Wettersatelitten hätte große Auswirkungen auf die Volkswirtschaften.“ Zudem werden Messdaten von Wetterbojen auf den Ozeanen und von tausenden Schiffen erhoben. Darüber hinaus steigen täglich rund um den Globus etwa 1400 Wetterballons bis zu 35 Kilometer hoch in die Atmosphäre und senden ihre Erkenntnisse zur Erde. Rund eine Million Daten aus aller Welt laufen täglich in dem DWD-Hochleistungsrechner ein. Von den Vorhersagen der Meteorologen profitiert nicht zuletzt die Wirtschaft.
Auch Logistikbranche kämpft mit Unwägbarkeiten des Wetter
Will Lux den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Wetter erläutern, verweist er gerne auf den Super-Orkan Kyrill, der 2007 nicht nur Deutschland heimsuchte. Der Wetterdienst habe ihn sechs Tage bevor er auf den Kontinent traf erkannt. Das gesamte Netz der Deutschen Bahn habe damals stillgestanden. Der Luftverkehr sei teils zum Erliegen gekommen. Hohe Kosten seien die Folgen gewesen, größere Schäden hätten indes vermieden werden können.
Die Angaben zum Wetter aus Offenbach werden auch direkt in die Rechner der Deutschen Lufthansa eingespeist. Weiß die Kranichlinie über die Windverhältnisse am Himmel Bescheid, kann sie entscheiden, mit wie viel Sprit die Flieger betankt werden. Kann Rückenwind genutzt werden, sinkt der Verbrauch der Jets. So könne der Gewinn des Unternehmens deutlich gesteigert werden, berichtet Lux. Ähnliche Vorteile ergeben sich nach seinen Worten bei den Energieversorgern. Wissen die Firmen wie sich die Temperaturen entwickeln, können sie Kohle, Öl oder Gas über den Spotmarkt entsprechend früh und günstiger einkaufen.
Und auch bei der Energiewende in Deutschland hilft der Wetterdienst der Wirtschaft. So konnten die Versorger nachfragen, in welchen Regionen sich Windräder überhaupt lohnen und wie hoch sie gebaut werden müssen. Zudem erfahren die Unternehmen, wann sie wegen zu starken Windes die Anlagen besser abstellen. Wissen die Firmen aus Vorhersagen, wann der Wind optimal weht, werden Wartungen verschoben, um die jeweils günstigsten Bedingungen zu nutzen.
Bei der Sonnenenergie gebe es entsprechende Informationen, berichtet Lux. Ingenieurbüros können beispielsweise Solarkarten nutzen, in denen Sonnenschein-Stunden verzeichnet sind.

















