Immer mehr Schnittmengen mit Blau-Gelb entdeckt
Anfang Dezember stimmte Kruger als einziger Christdemokrat im Stadtparlament mit der FDP für die Privatisierung des Badehauses. Beim Verkauf des Ober-Röder Bahnhofs an die Steuerberatungsgesellschaft ConTrust enthielt er sich „der Parteiräson wegen“ der Stimme. Prinz Michael von Sachsen-Anhalt wäre mit seinem Fitnessstudio die zukunftsfähigere Lösung gewesen. So sahen‘s bekanntlich auch die Liberalen.
Die Abnabelung von der CDU habe 2007 begonnen, als der damalige Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Friedrich Merz, seinen Rückzug erklärte. Seither hänge die „Merkel-CDU“ einer Sozialromantik nach, die sie kaum noch von der SPD unterscheidet.
„Innerhalb der Koalition hat sich etwas verschoben. Aber am Gewicht der Koalition hat sich nichts geändert“, sagte auch der FDP-Vorsitzende Hans Gensert und will nichts von einer Krise innerhalb der Parlamentsmehrheit wissen. Er selbst hatte im Sommer 2000 mit großem Getöse die Brocken im CDU-Vorstand hingeworfen und war zum Ärger vieler Parteifreunde in die FDP eingetreten. Dass der mittlerweile verraucht sei, zeige die 2006 geschlossene Koalitionsvereinbarung.
Über die neue Lage reden - in Ruhe
Man werde über die neue Lage reden müssen, aber in Ruhe. Das erklärte die CDU-Vorsitzende Patricia Lips gestern Mittag auf Anfrage. Der richtige Ort dafür sei aber der Koalitionsausschuss und nicht die Öffentlichkeit.
Dass Tobias Kruger sich schon länger in der FDP heimischer fühlte als in der CDU habe sie aus manchen Äußerungen der vergangenen Monate gehört. Doch letztendlich habe sie der Parteiaustritt dann doch überrascht. „Da muss sich richtiger Frust aufgebaut haben“, mutmaßte Partei-Chefin Lips. „Doch mehr als Chancen und Plattformen können wir ihm nicht geben. Und wir haben ihm viele gegeben“, verklausulierte sie, dass Kruger der CDU vielleicht zu ehrgeizig war.
Werners Vorwurf, der CDU fehle es an Diskussionskultur, wies Fraktionsvorsitzender Michael Gensert scharf zurück: Seit er dieses Amt übernommen habe, leite er alle Informationen inklusive der Magistratsprotokolle und des Koalitionsausschusses an die Fraktionsmitglieder weiter. Diese Offenheit gelte auch bei Personalfragen.

















