Seitdem engagierte Bürger um Gründungsmeister Andreas Neubauer die Bedeutung der historischen Seligenstädter Geleitslöffel und die dazu gehörenden Gäste- oder Löffelbücher erkannten, hat sich ein Historienspiel entwickelt, an dem Zuschauer wie Darsteller offenkundig ihre helle Freude haben. Auch im 23. Jahr hatte das Kuratorium sorgsam beraten und weitere sechs Kandidaten für würdig befunden, in den erlauchten Zirkel der Bruderschaft berufen zu werden. Damit zählt der Orden jetzt 133 Mitglieder, die Zahl der Löffeltrinker insgesamt geht freilich schon in die Tausende, schließlich wird der Löffeltrunk in Seligenstadt seit 1698 protokolliert, erklärte Ordensmeister Thomas Laube.
Er reflektierte in seinem Bericht über das Selbstverständnis der Ordensbruderschaft: „Sind wir die Gralshüter der Löffeltrinkertradition, Weinliebhaber, die ihren Wein aus ungewöhnlichen Gefäßen trinken, eine Geheimorganisation, deren Wirken für Außenstehende undurchsichtig ist?“ Neue Akteure und Ideen machten es notwendig, dass sich auch die Ordensbruderschaft neu aufstelle, dabei aber das Satzungsziel immer fest im Blick habe: „Förderung von Kulturwerten und Heimatpflege, insbesondere die Pflege des Löffeltrunks.“ Löffelmeister Dr. Jürgen Wolfring riet der Bruderschaft, sich nicht abzuschotten, sondern zu öffnen. Nur so könne man nachfolgende Generationen für die eigene Sache begeistern.
Bilder vom feierlichen Ritual
Dass die Vereinigung laut Laube aus „ganz normalen Menschen“ besteht, „die es aber verstehen, festlich zu feiern“ zeigte sich in vielen Details. Die langen Tafeln waren blütenweiß eingedeckt und standen - wie auch die Bühne – in rosa Azaleenschmuck.
Das Thema des Festvortrags sollte sich an das aktuelle Jubiläum „200 Jahre Basilika als Pfarrkirche“ anlehnen, die Bruderschaft hatte dafür Professor Friedhelm Jürgensmeier gewinnen können. Der Priester leitet das Institut für Mainzer Kirchengeschichte und referierte über „Die Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten aus dem Hause Schönborn“, die auch auf Seligenstadt und sein Kloster eingewirkt haben.
„Bescheidenheit, gepaart mit einer fröhlichen Grundhaltung“
Schließlich betrat die Löffelgruppe die Bühne zum Aufnahmeritual, gekleidet nach dem modischen Schick der 1750er-Jahre. Mit ihnen die Kandidaten und ihre Fürsprecher, stadtbekannte Persönlichkeiten mit Titeln und Mitteln, vor allem aber mit viel Engagement für das Gemeinwohl. So porträtierte Dr. Hans Wurzel den Bankdirektor und Investmentmanager Marcus Bayer als Sing- und Sprachtalent, der sich besonders für die Pflege der Beziehungen zu Seligenstadts Partnerstädten einsetzt. Laudator Detlef Bengs stellte der Bruderschaft die einzige weibliche Kandidatin Leonie Krauß-Buck als „höchst bemerkenswerte Schwester“ vor. Die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen und stellvertretende Dekanin baue Brücken zwischen Menschen und zeichne sich durch „Bescheidenheit, gepaart mit einer fröhlichen Grundhaltung“ aus. Gerda Heberer hieß den studierten Maschinenbauer Gilbert Knecht schon vor der Trinkprüfung im Bunde willkommen – sein „ausgeprägtes komödiantisches Talent“ und seine Funktion als Präsident des Golfclubs waren ihr Pluspunkte genug.
Fürsprecher Heinz Eggers empfahl Diplom-Betriebswirt Stefan Emge: in vielen Vereinen aktiv wie etwa im Vorstand der Gesellschaft der Freunde und leidenschaftlicher Balletttänzer bei den Wagenbauern. Der fünfte Kandidat, Horst Happel, wurde von Dr. Hans-Rolf Flechsenhar als „ehrbarer Kaufmann, ideenreicher Impulsgeber und christlich geprägter Ordensbruder“ beschrieben, der drei Reisebüros betreibt, oft unterwegs ist und dennoch in vielen Gruppen mit anpackt. Steuerberater Christof Sulzmann wurde von Dr. Peter Kappen vorgestellt als „engagierter Bürger, Hobbykoch und Freund des Frankenweins“.
Wie eng die Freundschaft zum Silvaner vom Hörsteiner Abtsberg ist, bewiesen die fünf Kandidaten unter dem Joch der schweren Trinklöffel, die nach Vorgabe von Löffelwirt Bruno Winkler „in einem Zug bis auf den Grund“ geleert werden mussten. Marcus Bayer gab als erster seiner Gruppe „den Löffel ab“, Horst Happel mimte in Gruppe zwei den Zusammenbruch, als er schlussendlich ausgetrunken hatte.
Examinator Winfried Gmehling und Protokollant Karl-Peter Schweinfurth waren zufrieden. So stand dem „Loblied auf den Löffel“ aus der Feder von Ordensbruder Richard Pappert nichts mehr im Wege.















































