Offenbach ‐ Mit der Offenbacher Gebäudemanagement GmbH verteilt das von Jürgen Weil geleitete Sportbüro die Hallen- und Sportplatzzeiten an Vereine und Betriebssportgruppen. Keine leichte Aufgabe in Tagen, an denen Kinder und Jugendliche immer länger in den Schulen verweilen. Von Holger Appel

© Patrick Scheiber
Vereinsinternes Duell bei den Mädchen der SG Wiking am Wiener Ring. Sophia Narten (links) kommt gegen Sabrina Bauer zu spät.
Jürgen Weil, immer wieder wird von Vereinen über fehlende Hallen- und Trainingszeiten geklagt. Wie beurteilen Sie die Situation?
Fest steht, dass der Sportunterricht in den Schulen immer mehr in die Nachmittagsstunden gelegt wird. Das ist auch verständlich. Die Konzentrationsfähigkeit der Schüler ist zu diesem Zeitpunkt geringer als am Vormittag, da passt Sport schon besser als Mathematik. Aber das bedeutet, dass die Vereine mit ihren Trainingszeiten immer weiter nach hinten rücken und uns Hallenkapazitäten fehlen.
Was schlagen Sie vor?
Wir müssen an die goldenen Kälber heran - und dafür gibt es mehrere Ansatzpunkte.
Das bedeutet?
Wir müssen zum Beispiel von unserer Faustregel abweichen, dass an Trainingseinheiten auf Sportplätzen oder in Schulsporthallen nur mindestens zehn Personen teilnehmen. Die Zahl könnte erhöht werden. Wenn sie durchschnittlich nicht erreicht wird, kann die Zeit an andere Gruppen vergeben werden. Außerdem müssen wir das Trainingsende in den Hallen, das derzeit auf 22 Uhr festgelegt ist, in Frage stellen. Wäre bei Erwachsenen nicht auch 23 Uhr denkbar? Ich denke schon.
Was spricht dagegen?
Wir müssen jetzt an den einzelnen Schulen prüfen, ob das mit den Anwohnern zu vereinbaren ist, wenn um diese sehr späte Uhrzeit nochmals Lärm durch abfahrende Autos entsteht. Außerdem darf das nicht zu Lasten der Hausmeister gehen. Bedeutet: Wir müssen möglicherweise die Schlüsselgewalt der Hallen an die Vereine übertragen. Das ist eine Vertrauens- und Disziplinfrage - aber in den Zeiten der Ganztagsschulen kommen wir nicht darum herum.
Gibt es weitere Ansatzpunkte?
Ja, zwei Punkte kamen in der Serie Ihrer Zeitung schon zur Sprache. Einmal besteht die Möglichkeit, die Trainingszeiten enger zusammenzurücken. Also eine Einheit mit 45 Minuten und nicht mit 60. Das eröffnet mehr Raum. Außerdem stellt sich die Frage, ob jede Sportart in der richtigen Halle ist? Das war lange kein Thema - jetzt ist es eines. Es kann nicht sein, dass Gymnastikgruppen in großen Hallen trainieren. Das muss alles auf den Prüfstein.
Wie gehen Sie vor?
Wir haben ein Belegungsmanagementsystem, das wir jetzt Anfang 2010 auf der Internetseite des Sportbüros im Internet transparent machen wollen. Damit werden wir die eben genannten Punkte überprüfen und voraussichtlich eine bessere Verteilung erreichen. Aber ich sehe auch jetzt schon zwei Gründe für eine leichte Entflechtung.
Die da wären?
Einige Hallen in Offenbach gehören nicht zu Schulen, sondern sind vereinseigen...
Auch da müssen wir ran. Man muss mit der TGO, dem TVO, dem TV Bieber, dem WSV Bürgel und dem Fechtclub in Kontakt treten und weitere Kapazitäten schaffen. Das ist aber auch wieder eine Kostenfrage und man muss klären, inwieweit die Stadt solche Trainingsmöglichkeiten der Vereine mitfinanzieren kann.
Wie ist das bisher in den Schulturnhallen und auf den Sportplätzen geregelt?
Grundsätzlich zahlen die Sportvereine, die dem Landesportbund angeschlossen sind, für die Nutzung nichts. Hallensportvereine, die Hausmeisterdienste in Anspruch nehmen, zahlen 1,70 Euro pro Stunde. Rasensportvereine zahlen pro aktives Mitglied unter 14 Jahren 25 Cent pro Monat, ab 15 Jahren 50 Cent. Das ist zur Unterstützung der Rasenpflege und nur ein Tropfen auf dem heißen Stein auf unseren Sportanlagen.
Jürgen Weil, ganz ehrlich: Hat die Stadt Offenbach zu viele Vereine angesichts dieser Kapazitäten?
Wenn es um den Fußball mit den 24 Klubs geht: Ja.
Ihre Begründung?
Es gibt etliche Klubs ohne Jugendabteilung, die sich nur noch krampfhaft mit einer Männermannschaft am Leben halten.
Wen meinen Sie?
Das wissen die Klubs, ich möchte da jetzt keine Namen nennen.
Was schlagen Sie vor?
Wie sind gerne bereit, die Moderation für Kooperationen oder Fusionen zu übernehmen. Wir müssen den einen oder anderen Klub am Infusionstropf dazu bewegen. Oder die Frage stellen, inwieweit wir ihnen überhaupt noch Plätze zur Verfügung stellen. Wenn wegen diesem Gewohnheitsrecht andere Vereine mit Jugendteams leiden müssen, kann das nicht sein.
Die größte Jugendfußball- und Mädchenabteilung stellt die SG Wiking. Die Frauen-WM 2011 in Deutschland wirft ihre Schatten voraus. Stichwort Team 2011. Was passiert in Offenbach?
Wir wollen den Frauen- und Mädchenfußball in Offenbach hoffähig machen und bereiten derzeit ein Konzept vor. Wir erwarten durch die WM einen riesigen Boom und werden mit einem Baustein bereits im Vorfeld agieren. Wir starten jetzt zu Beginn des Jahres 2010 an vier Schulen mit Mädchenfußball-AGs, hoffen, dass daraus auch Talentfördergruppen entstehen und die Mädchen irgendwann in richtigen Klubmannschaften spielen wollen. Bisher haben wir nur die SG Wiking und die Damen der Kickers - wir hoffen, dass wir bald noch breiter aufgestellt sind.
E Teil 6 lesen Sie am Donnerstag, 24. Dezember: Ein Gespräch mit Peter Dinkel (Vorsitzender des Sportkreises Offenbach) und Gerhard Liebermann (Stellvertretender Vorsitzender, zuständig für Sport und Schule).
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(67.4)%Ja, Sport in einem Verein macht Spaß und stärkt den Zusammenhalt.
(14.2)%Nein, ich bin ein Einzelgänger. Gehe lieber ins Fitnessstudio oder Joggen.
(4.7)%Noch nicht. Werde mich aber demnächst anmelden.
(13.7)%Sport? Ich bin froh, wenn ich mich nach der Arbeit nicht mehr bewegen muss.



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