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„Sport, Schule und Verein“: Interview mit Schulsporträtin Meißner-Kurt

Mehr Sportlehrer in Grundschulen nötig

Offenbach ‐ Sie ist Sportlehrerin und war bis vor zwei Jahren Leiterin der Heinrich-Heine-Schule in Dreieich-Sprendlingen. Seit dem 1. August 2007 arbeitet Susanne Meißner-Kurt als Schulsporträtin für Stadt und Kreis Offenbach beim Staatlichen Schulamt.  Von Holger Appel

Den Ball fest im Blick. Volleyball wird vor allem in den freiwilligen Schul-AGs immer wieder gerne gespielt.© imagoDen Ball fest im Blick: Volleyball wird vor allem in den freiwilligen Schul-AGs immer wieder gerne gespielt.

In ihrer Freizeit spielt die 44-Jährige Tennis beim TC RW Neu-Isenburg. Früher war sie als Langstrecken-Läuferin der LG Seligenstadt im Einsatz.

Frau Meißner-Kurt, welchen Stellenwert besitzt für Sie der Schulsport?

Er trägt in erheblichem Maße zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Die Kinder werden an Sportarten herangeführt, sie lernen dabei, sich bewusst mit ihrem Körper auseinanderzusetzen, erfahren ihre Leistungsgrenzen - das sind schon extrem wichtige Komponenten.

Was kann der Schulsport noch leisten?

Er kann den Gemeinschaftssinn fördern und gilt für mich als Ausgleich zu den kopflastigen Fächern.

Wie viel Schulsport ist in welchen Klassen vorgesehen?

Von der ersten bis zu achten Klasse sollen pro Woche drei Schulstunden angeboten werden, ab Stufe neun noch zwei Stunden. Für Leistungskurse Sport sind fünf Stunden vorgesehen - so weit als möglich wird das hier bei uns meistens auch realisiert.

Auch mit dafür ausgebildeten Sportlehrern?

Da sprechen Sie ein Problem an. Insbesondere in den Grundschulen benötigen wir mehr ausgebildete Sportlehrer. Da sind oft Lehrkräfte im Einsatz mit Sport als Zusatzausbildung. Das ist sicher nicht optimal.

Was schlagen Sie vor?

Zum einen sollten die Schulen bei Neueinstellungen das Fach Sport nicht vergessen. Zum anderen sollten verstärkte Fortbildungsangebote für Lehrkräfte eingerichtet werden, die sich im Nachhinein für das Erteilen des Sportunterrichts qualifizieren wollen.

Die Ganztagsbetreuung wird ausgebaut. Was bedeutet das für den Schulsport?

In Bewegungs- und Freizeitphasen können Sportangebote eingerichtet werden. Der Sport an der Schule kann an einem langen Tag für einen ausgeglicheneren Rhythmus sorgen.

Wie bewerten Sie das Schulsportzentrum in Offenbach mit der Sportklasse an der Albert-Schweitzer-Schule, den Talentaufbau- und Talentfördergruppen?

Das ist eine Bereicherung für das Schul- und Bildungsangebot in Offenbach. Dadurch kann endlich mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse der Jugendlichen genommen werden, die schon Leistungssport betreiben.

Wie wird das Angebot angenommen?

Sehr gut. Vor drei Jahren, zum Auftakt der Sportklasse an der Albert-Schweitzer-Schule, musste man noch mit Schülern auffüllen, die gar keine Leistungssportler waren. Inzwischen hat sie sich etabliert, die Nachfrage ist höher als die Kapazität der Klasse.

Inwieweit gelingt es, Schülern damit den Weg in den Leistungssport zu ebnen?

Da spielen noch ganz viele zusätzliche Faktoren eine Rolle wie Eltern, Vereinstrainer und so weiter. Man muss das Schulsportzentrum eher als eine Art Unterstützungssystem verstehen. Das ist gut für Kinder und Jugendliche, die den Weg an ein Sportinternat scheuen, weil sie da aus ihrer Familie, aus ihrem Freundeskreis herausgerissen würden. Sie werden zuhause vor Ort von der Schule unterstützt - das kann schon leistungsfördernd sein.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen in Stadt und Kreis?

Es gibt inzwischen sehr viele - oftmals auch mit Landesmitteln geförderte - Kooperationsprojekte zwischen Schulen und Vereinen, da bin ich sehr zufrieden.

Welche positiven Beispiele fallen Ihnen dazu ein?

Zum Beispiel das Projekt mit den Offenbacher Kickers, die Schüler aus den 123 Grund- und weiterführenden Schulen in Stadt und Kreis mit einer Dauerkarte belohnt haben, wenn sie sich von den Noten her enorm verbessert hatten. Oder das Angebot der Projektwochen beim OFC, für die man sich mit selbstgemalten oder -gebastelten Kunstwerken bewerben konnte.

Andere Vereine wie der EOSC Offenbach hingegen klagen aufgrund der längeren Schul- über immer weniger Trainingszeiten...

Fakt ist: Den Vereinen fehlen bereits jetzt oftmals die Hallenkapazitäten. Sie sind zu gering in Stadt und Kreis. Zudem sind die Systeme Schule und Verein leider nicht ganz kompatibel.

Das bedeutet?

Nachmittags wäre bereits eine vermehrte Kooperation von Vereinen und Schulen wünschenswert. Nur da haben die Klubs keine Trainer, die das umsetzen können, da die selbst noch berufstätig sind. Und Lehrer sind dazu auch nicht in ausreichendem Maß vorhanden. Da geht dann nichts, während es sich abends in unseren Sporthallen ballt.

Was kann man da machen?

Die Träger müssen bereit sein, den Sportstättenausbau voranzutreiben.

Das klingt gut in Zeiten knapper Kassen...

...ja, aber Fakt ist doch, dass man die Menschen schon in jungen Jahren an den Sport heranführen muss. Man muss in einer Gesellschaft, die nunmal immer älter wird, frühzeitig etwas für die Gesundheit tun. Prophylaxe ist für die Gesellschaft wesentlich günstiger, als später teure Heilungsprozesse zu bezahlen. Das sollte man immer bedenken in den politischen Gremien.

Rubriklistenbild: © vum

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